WIDNAU: Fristerstreckung statt Veränderung

Laut Philosoph Ludwig Hasler liegt die Zukunft der Arbeit allein in der Veränderung; den Status quo könne man nicht konservieren. Die Einschätzung von Wirtschaftsexperte Peter Eisenhut ist für 2017 vorsichtig positiv.

Maya Seiler
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KB-Geschäftsleitungsmitglied Albert Koller konnte als namhafte Referenten Regierungsrat Marc Mächler, Chef des St. Galler Baudepartements, den Philosophen Ludwig Hasler und den Volkswirtschaftler Peter Eisenhut vorstellen (von links). (Bild: Maya Seiler)

KB-Geschäftsleitungsmitglied Albert Koller konnte als namhafte Referenten Regierungsrat Marc Mächler, Chef des St. Galler Baudepartements, den Philosophen Ludwig Hasler und den Volkswirtschaftler Peter Eisenhut vorstellen (von links). (Bild: Maya Seiler)

Maya Seiler

Mit seiner philosophischen Sicht auf die Zukunft, besonders die der Arbeit, faszinierte der bekannte «Vortragstourist» Ludwig Hasler die über 400 Besucher des 14. Horizonte-Forums. Dieser regionale Anlass der St. Galler Kantonalbank wird unter den Bankkunden, vor allem KMU-Vertretern, immer beliebter. Schmunzeln und zahlreiche Aha-Erlebnisse rief Haslers Referat über «Die Zukunft der Arbeit» hervor und sorgte beim anschliessenden Apéro für angeregte Diskussionen. Der Philosoph bezeichnete die Schweizer «als Völklein von voralpinen Kleinbauern, die es an die Weltspitze gebracht haben.» Heute geht es uns glänzend, wir sind die reichste, sicherste, freiste Gesellschaft; warum also etwas ändern. Weil es uns so gut geht, wollen wir gar keine Zukunft, sondern eine Fristerstreckung für die Gegenwart. Dem widersprach der Philosoph: «Entweder wir werden besser oder die andern.» Seine klare Aussage war, die Arbeit der Zukunft werde digital. 47 Prozent aller Tätigkeiten werden verschwinden. Die bisherigen Konstanten der Arbeit, Zeit und Ort, gibt es immer weniger. Wann und wo, ist egal, es zählt nur das Produkt, die Performance der Arbeitnehmer. Auch die Führung muss sich ändern. Eine gute Chefin ist nicht die Person, die alles am besten weiss und kann. Führen gleicht der Arbeit eines Dirigenten, der an jedem Instrument den besten Künstler einsetzt und aus einem heterogenen Orchester das Letzte für das Werk herausholt. Gespannt warteten die Teilnehmer auf die Einschätzungen von Peter Eisenhut, ausgewiesener Experte für Konjunktur und Wirtschaftsfragen. Und er enttäuschte die Rheintaler nicht, sondern zog die beliebte Bilanz zu seinen Voraussagen vom Vorjahr, mit welchen er fast eine Punktlandung geschafft hatte. Die Erwartungen für 2017 sind noch besser, trotz den starken Unsicherheitsfaktoren «Trumponomics», Brexit und Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Der Volkswirtschaftler prognostizierte negative Sparzinsen, eine leicht steigende Inflationsrate und ein Sinken des Dollars auf etwa 0.97, des Euro auf 1.04 bis Jahresende. Wie seit einigen Jahren übte Eisenhut Kritik an der Geldmarkpolitik der Europäischen Zentralbank. Die Risiken umschrieb er mit griffigen Schlagworten: «Bankrott kommt von Bank, Infarkt der Finanzmärkte durch Schuldenspirale, Volksabstimmungen in Italien und Frankreich bedrohen Eurozone.»

Regierungsrat argumentierte mit Klugheit

Im Konjunktur-Talk fühlte Eisenhut dem Vorsteher des Baude- partements, Regierungsrat Marc Mächler, auf den Zahn und fragte nach «offenen Baustellen». Für den Baudepartementschef sind Baustellen – ohne Anführungszeichen – etwas Positives. Auf die Frage, warum die Investitionen des Kantons sinken, wies Mächler auf das Problem mit Einsprachen hin, was jedes Projekt massiv be- oder gar verhindere. Als Gegenmassnahme will er die Investitionsplanung – analog zur Praxis von Fluggesellschaften – überbuchen, weil vieles nicht realisiert werden kann. Ein weiteres Stichwort war die grenzüberschreitende Verkehrsplanung im Rheintal. Den nächsten Schritt für den Anschluss der Autobahnen im Raum St. Margrethen muss Österreich tun; Mächler erwähnte zudem eine nötige Verbindung im Raum Diepoldsau.

Von Eisenhut darauf angesprochen, dass es im Kanton zwar genügend Baulandreserven gebe, aber vielfach am falschen Ort, sprach er der Verdichtung das Wort. Die Gesellschaft habe sich gegen eine Zersiedlung ausgesprochen; man sei für Verdichtung, aber ja nicht vor der eigenen Haustür. Seine Aussage, man dürfe Probleme nicht bewirtschaften, sondern lösen, stiess auf Zustimmung.