Widnau
Ein Virus «als grosse drohende Gefahr»: Das zeigt ein 30 Jahre altes Bild von einem Widnauer Maler

Antonio Ciardullo hat vor 30 Jahren ein Bild gemalt, das plötzlich sehr aktuell geworden ist. In einem Ölbild hält der Widnauer fest, was die Erde bedroht.

Meinrad Gschwend
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Antonio Ciardullo zeigt eines der Werke, mit dem er Bedrohungen für die Erde und die Menschheit dargestellt hat.

Antonio Ciardullo zeigt eines der Werke, mit dem er Bedrohungen für die Erde und die Menschheit dargestellt hat.

Bild: PD

Seit der Kindheit malt Antonio Ciardullo. Ein Bild – vor rund 30 Jahren gemalt – hat angesichts von Corona besondere Aktualität bekommen. Damals bildete er die grossen Gefahren für die Menschheit ab, darunter ein Coronavirus, naturalistisch und detailgenau. Dies, obwohl er keine Ahnung hatte, wie ein solches Virus aussieht.

Wer Antonio Ciardullos Bilder kennt, denkt primär an seine naturalistischen Darstellungen. Oft sind es Landschaften im Rheintal und Darstellungen seiner Heimatregion in Süditalien. Auffallend sind die Genauigkeit und Detailverliebtheit.

In einer italienischen Zeitung ist er einmal als «Maler mit zwei Seelen» bezeichnet worden. Gemeint waren zwei Arten Bilder: Die naturalistischen auf einer Seite – im Gegensatz dazu visionäre, fast apokalyptisch anmutende Gemälde. So bringt er Sorgen und Ängste zum Ausdruck. Korruption kommt ebenso vor wie Umweltzerstörung oder Krankheiten.

Das Bild war eine Reaktion auf Tschernobyl

Es war eine Mischung von Staunen und von Bestätigung, als Ciardullo in einem Bericht über die Pandemie die Darstellung eines Coronavirus sah. Genau so hatte er einst «als grosse drohende Gefahr» einen Pandemieauslöser dargestellt. Entstanden ist das Bild vor über 30 Jahren als Reaktion auf die Atomkatastrophe von Tschernobyl. «Das war reine Inspiration», blickt der in Widnau wohnende Maler zurück.

Im Ölbild kommt fast alles vor, was die Erde bedroht: Atommüll, Abgase, verschmutztes Wasser, abgestorbene Wälder – und eben ein Virus. Im Mittelpunkt des Bildes steht eine Figur des Bösen, das die Erde bedroht. Die Figur mit sechs Fingern scheint die Welt im Griff zu haben. Und doch gibt es Hoffnung. Über allem steht Gott, und eine Waage deutet an, dass es einen Ausgleich und eine Gerechtigkeit geben muss. Auch das gehört zur visionären Sicht.

Italienisches Lebensgefühl, mittelalterliche Baukultur

Als Kreativer kommt der frühere Textilarbeiter nicht zur Ruhe. Er malt nicht nur Bilder, er baut auch Modelle. Immer wieder beginnt er Projekte, die viele Monate in Anspruch nehmen. Das gilt besonders für Modelle. In unzähligen Stunden baut er Bauwerke aus Süditalien nach.

Das Modell der Abtei Santa Maria della Matina ist mehr als zwei auf zwei Meter gross. Auch das kleinste Detail muss stimmen. So bringt er einen Hauch italienisches Lebensgefühl und mittelalterliche Baukultur ins Tal. Mit Malen und Zeichnen beschäftigt er sich seit früher Jugend «Als ich fünf Jahre alt war, habe ich in meinem Dorf in Süditalien auf der Strasse einen Farbkasten gefunden», sagt Antonio Ciardullo.

«Für mich war es wie ein Schatz. Um Farben zu kaufen, waren meine Eltern zu arm. Seither habe ich immer gezeichnet und gemalt.»

Die Leidenschaft für die Malerei und die Freude an Farben und Formen prägen sein Schaffen.