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WIDNAU: Ein rätoromanischer Bundesrat?

Seit letztem Frühjahr bietet Carla Menegola im Kathrinahus einen Rätoromanisch-Sprachkurs für Anfänger an. Ihr Angebot stösst auf Interesse, schliesslich gibt es im Mittelrheintal keine entsprechenden Kurse.
Benjamin Schmid
Carla Menegola führt Interessierte in die rätoromanische Sprache ein. (Bild: pd)

Carla Menegola führt Interessierte in die rätoromanische Sprache ein. (Bild: pd)

Benjamin Schmid

Für die gebürtige Engadinerin ist es mehr als nur ein Sprachkurs. Sie möchte nicht nur die Sprache vermitteln, sondern gleichzeitig die Teilnehmer auf eine Entdeckungsreise in den flächenmäs­-sig grössten Kanton des Landes mitnehmen. Dabei lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur, sich in konkreten Alltagssituationen adäquat auszudrücken, sondern erfahren aus zahlreichen Geschichten und Anekdoten der Kursleiterin, mehr über Geschichtliches, Soziales und Kulturelles.

Lernen mit allen Sinnen

Es ist erwiesen, dass der Lern­effekt grösser ist, wenn alle Sinne gebraucht werden. Getreu diesem Leitsatz setzt Menegola sowohl auf schriftliche wie mündliche Übungen und legt den Fokus auf die richtige Aussprache. «Im Romanischen werden viele Worte anders geschrieben als sie ausgesprochen werden», sagt Menegola und fügt hinzu: «Es gibt fast mehr Ausnahmen als Regeln.» Dies führe dazu, dass vor allem Anfänger etwas verwirrt seien. Dennoch sollte man sich nicht von diesem Umstand entmutigen lassen, sondern ausprobieren, üben und die Sprache anwenden. Ziel des Kurses ist es nicht, dass man die Sprache perfekt beherrscht, aber kurze Konversationen und simple Diskussionen führen kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden geschult, wie sie Essen bestellen, Einkäufe abwickeln, nach dem Weg fragen oder wie man sich begrüsst, sich vorstellt und mit anderen Menschen ins Gespräch kommt.

Stellenwert der Sprache erhöhen

Menegola ist sich bewusst, dass sie mit ihrem Angebot aktiv dafür kämpft, die Sprachenvielfalt in der Schweiz zu erhalten. Schliesslich sei eine schleichende Germanisierung des Bündnerlands nicht zu übersehen. So nahm die Zahl der Rätoromanisch sprechenden Bevölkerung über die Jahre ab und viele Junge verlassen die Berge, um im Mittelland zu leben. Nebst der Abwanderung sieht die Kursleiterin das Hauptproblem darin, dass in Politik und Wirtschaft Deutsch oder Englisch gesprochen wird. «Rätoromanisch ist eine Kultursprache und daher vom Aussterben bedroht», sagt Menegola. Trotz verschiedener Massnahmen auf Bundes- wie Kantonalebene ist die Rettung der Sprache nicht vollendet. Der Stellenwert der Sprache müsse weiter erhöht und die Sensibilisierung der Bevölkerung gefördert werden. «Gerade auch in politischen Belangen», sagt Menegola und ergänzt: «Vielleicht wäre es an der Zeit für einen rätoromanischen Bundesrat.»

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