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WIDNAU: Edler Einsatz für Strassenhunde

Während eines halben Jahres arbeitete Anja Näf in einem privaten Heim für Strassenhunde in Mexiko. Trotz unschöner Erlebnisse möchte sie weiterhin helfen – auch von der Schweiz aus.
Anina Gächter
Der ehemalige Strassenhund Feliz folgt Anja Näf aufs Wort. (Bild: Anina Gächter)

Der ehemalige Strassenhund Feliz folgt Anja Näf aufs Wort. (Bild: Anina Gächter)

Anina Gächter

Als Anja Näf die Tür öffnet, schleicht sich ein schlanker brauner Hund an ihren Beinen vorbei durch den Türspalt und trottet auf den Vorplatz. «Feliz, komm wieder rein, na komm schon!» Kaum hat sie ihn gerufen, steht der Hund wieder an ihrer Seite. «Er hört gut auf Kommandos. Auch sonst ist er ein sehr ruhiger und angenehmer Hund», sagt die 24-jährige Widnauerin. Feliz ist ihr flauschiges Erinnerungsstück an ihre Zeit als freiwillige Helferin im mexikanischen Heim für Strassenhunde.

Weltreise für die Hunde abgebrochen

Das erste Mal, als sie Feliz sah, streunte er auf den Strassen ­Puerto Escondidos herum, einer Stadt im Süden Mexikos. Die Stadt war einer der geplanten Zwischenstopps auf der Weltreise, die Anja Näf im September begonnen hatte. Dort besuchte sie eine Sprachschule, um ihre Spanischkenntnisse zu verbessern. Eine Mitschülerin erzählte ihr von einem privaten Tierheim für Strassenhunde, in dem sie arbeitete. Die Widnauerin begleitete ihre Mitschülerin zu einem Einsatz und lernte so Annette Bodier kennen, eine deutsche Meeresbiologin, die 2008 das Hundeheim «Perros en Puerto» gegründet hatte. Das Heim beherbergt rund 80 ehemalige Strassenhunde, die von der Deutschen gefüttert und gepflegt werden. Sind Hunde wieder gesund, werden sie zur Adoption freigegeben. Anja Näf war begeistert von dem Engagement für die Tiere und beschloss, vorerst in Puerto Escondido zu bleiben, um mitzuhelfen.

Eine harte, aber schöne Arbeit

Nach Abschluss des Spanischkurses suchte sie sich einen Job als Ergotherapeutin in einer Reha-Klinik. Dort arbeitete sie drei Tage pro Woche, die restliche Zeit half sie im Tierheim mit. Ihr Arbeitstag begann morgens um halb acht Uhr mit dem Freilassen der Hunde aus den Zwingern. «Die Hundezwinger konnte man kaum als solche bezeichnen. Es waren eigentlich Plastikzäune und Holzpfosten, die bei jedem Sturm wieder weggeschwemmt oder umgeweht wurden», sagt Anja Näf, «wir verbrachten Stunden damit, die Anlage zu flicken.» Während die Hunde sich austoben konnten, säuberten die Helfer die Gehege. Danach wurde jeder Hund gefüttert und mit Medikamenten versorgt. Auch Streicheleinheiten kamen nicht zu kurz. Annette Bodier sei es wichtig gewesen, dass jeder Hund mindestens zwei Mal pro Tag gestreichelt werde.

«Obwohl die Arbeit hart war, habe ich sie gern gemacht. Mein Einsatz wurde stets sehr geschätzt. Ich würde es auch trotz der teilweise unschönen Erlebnisse wieder machen», meint Anja Näf. Zu jenen unschönen Erlebnissen zählt sie zum Beispiel die Art, wie viele Mexikaner ihre Hunde behandeln. Sie würden als Alarmanlage eingesetzt, seien den ganzen Tag an einen Pfosten gebunden, würden nicht gefüttert oder als Handtaschenhündchen dienen, das ausgesetzt werde, sobald es zu gross sei. Sterilisierungen der Hunde seien nicht üblich. Auch nicht, wenn die Stadt sie gratis anbiete.

So kam es manchmal vor, dass Anja Näf während ihrer Arbeit auf dem Gelände des Heims Hundebabys in Plastiksäcken fand, die man über den Zaun geworfen hatte. «Aus diesen Gründen gaben wir die Hunde ungern Mexikanern, wenn sie zur Adoption standen. Oft brachten die neuen Besitzer sie nach einer Weile wieder zurück oder sie wurden wieder ausgesetzt», erklärt die 24-Jährige.

Unabsichtlich einen ­Strassenhund gerettet

Um ein Uhr nachmittags hatte Anja Näf Feierabend. Völlig fertig und von Kopf bis Fuss mit Schlammflecken und Kratzern übersehen, trank man dann ein Glas Cola. «In der Schweiz trinke ich nie Cola, aber nach der Arbeit im Perros en Puerto war das Glas Cola der Himmel auf Erden für mich», erzählt Angela Näf. Die Mutter der 24-Jährigen besuchte sie in Mexiko und half im Hundeheim mit. Bei einem gemeinsamen Spaziergang durch die Stadt trafen sie auf Feliz. Er war verwundet und abgemagert, weshalb die beiden ihn fütterten. Obwohl es kein schöner Anblick war, liess es ihnen keine Ruhe und so kamen sie zwei Tage später zurück und fuhren ihn, begleitet von Annette Bodier, zum Tierarzt. Dort teilte man ihnen mit, der Hund gehöre nun ihnen und sie könnten ihn unter Einfluss der Medikamente nicht mehr zurück auf die Strasse schicken. «Im ersten Moment dachte ich ‹Na toll, was soll ich jetzt machen? Ich möchte keinen Hund›, aber dann beschloss ich, ihn zu behalten», erzählt Anja Näf.

Vor einiger Zeit erhielt Annette Bodier das Angebot, kostenlos ein Grundstück für ihr Hundeheim zu übernehmen. Dieses wäre etwas ausserhalb der Stadt gelegen und somit ideal, um den Hunden Auslauf zu gewähren. Das Problem sei jedoch das Geld. Momentan lebt die Deutsche von ihrem Ersparten, das etwa noch neun Monate reichen wird. «Schon jetzt lebt sie am Limit», sagt Anja Näf. Die Hunde erhielten zwar zweimal pro Tag Futter, die Besitzerin aber esse meistens nur eine Mahlzeit am Tag.

Anja und Angela Näf möchten die Deutsche auch von der Schweiz aus unterstützen und haben deshalb ein Spendenkonto eröffnet. Momentan planen sie noch geeignete Spendenaktionen.

Im Januar fliegt Anja Näf dann zurück nach Mexiko, um das gesammelte Geld zu übergeben und weiter im Heim zu helfen. Die Tickets für die Reise nach Puerto Escondido sind bereits gebucht.

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