WIDNAU: Der zielstrebige Planer

Hat Richard Dünser sich ein Ziel gesetzt, gestaltet er sein Leben so, als wäre es bereits erreicht. Für eine Diplomfeier vor zwölf Jahren in Bern hat er das Zimmer ein halbes Jahr vor der Abschlussprüfung gebucht.
Gert Bruderer
Richard Dünser: «Möglichkeiten, die man hat, sind dazu da, genutzt zu werden.» (Bild: Gert Bruderer)

Richard Dünser: «Möglichkeiten, die man hat, sind dazu da, genutzt zu werden.» (Bild: Gert Bruderer)

Gert Bruderer

Die Ausbildung zum Personalleiter war anspruchsvoll. Zu zwölft fing man an, drei bestanden am Ende. Richard Dünser und zwei andere. Er hatte sich für den Erfolg entschieden und das hiess: Die Möglichkeit des Scheiterns wurde in den entlegensten Zipfel einer Gehirnwindung verbannt.

Auch jetzt, als Kandidat für das Widnauer Schulpräsidium, plant der 51-Jährige schon für die Zeit nach der Wahl. Weil das Amt einem 80-Prozent-Pensum entspricht, hat Richard Dünser bereits einen Dozentenvertrag an der Akademie St. Gallen unterschrieben, um wieder wie früher zu lehren. Er richtet sein Leben strikt auf das Präsidium aus.

Schon seinen Kindern, dem 16-jährigen Sohn Yanik und der 14-jährigen Tochter Chiara, hat Richard Dünser früh zu vermitteln versucht, wie wichtig Ziele sind. Um die langfristige Per­spektive gehe es, um die Fähigkeit, Freiräume sinnvoll zu nutzen. Mangelnder Einsatzwille missfällt ihm. Möglichkeiten, die man hat, sind dazu da, genutzt zu werden.

Immer viel mit Menschen zu tun gehabt

Der rote Faden durch Dünsers Leben heisst Konstanz. Seit 24 Jahren wohnt er mit Andrea, seiner Frau, zusammen, doch schon vorher waren sie sechs Jahre lang ein Paar. Auf eine weisse Hochzeit hätte keiner von ihnen verzichten wollen. Beide sind katholisch und verstehen die christ­lichen Werte als hilfreiche Leitplanken für das Zusammenleben.

Der zweite rote Faden, den Dünser selbst als solchen nennt, ist sein Bestreben, «mit de Lüt uszcho», das sei immer matchentscheidend. Der Widnauer, ausgestattet mit einem Flair für Zahlen und einziger Nichtakademiker in der Geschäftsleitung von Stadler Altenrhein, sagt ohne Umschweife: «Ich führe gern.» Erfordert ein Ziel einen unpopulären Entscheid, scheut er ihn nicht, aber gemeinsame Nenner zu finden, entspricht seiner Wesensart eher. Dünser sieht sich selbst als «klassischen Verhandler». Sein ganzes Berufsleben lang hat er «sehr intensiv» mit Menschen zu tun gehabt.

Strukturen gefestigt

Richard Dünser, aufgewachsen mit fünf Brüdern und einer Schwester in Eichenwies, hat seine Berufslaufbahn dort begonnen, wo er seit sechs Jahren für gut tausend Mitarbeiter als Personalchef wirkt, bei Stadler Altenrhein bzw. der ehemaligen FFA. Er nimmt für sich in Anspruch, Strukturen nachhaltig gefestigt zu haben, nachdem grosses Wachstum in kurzer Zeit sie geschwächt hatten. Mit einem Lächeln erinnert er sich an den von ihm durchgesetzten Teambildungsanlass für die Geschäftsleitung, der gegenseitiges Kennenlernen und die Verständigung auf ein einheitliches Wertesystem zum Ziel hatte. Seither bildete der Präsidentschaftskandidat bei Stadler rund 400 Führungskräfte aus, auch Mitglieder der höchsten Führungsebene.

Den Jakobsweg allein beschritten

Schon in der Schule hatte sich Richard Dünser begeistert hervorgetan, wenn es ums Organisieren ging. Der gelernte Werkzeugmacher, der sich als Produktionsplaner und anschliessend als Personalberater betätigte, hat sich berufsbegleitend Schritt für Schritt weitergebildet. Als Personalchef begann er bei Soplar, weitere fünf Jahre wirkte er in dieser Funktion bei Leica, ehe er zu Stadler wechselte.

Im Widnauer Sekundarschulhaus hält Richard Dünser sich schon heute regelmässig auf. Als Mitglied zweier Kochclubs benützt er mit seinen Kollegen die Schulküche. Er reist und wandert gern und sagt: «Als Führungskraft muss man sich auch entbehrlich machen können.» Das gelang ihm letztes Jahr, als er sich zehn Wochen Ferien gönnte und sich allein auf den Jakobsweg begab. An vier Tagen legte er – von Oberriet bis Einsiedeln – je 25 Kilometer zurück. Bei der Jungen Wirtschaftskammer ist er als «Senior» sozusagen Ehrenmitglied, im Verein Pro Bild betätigte er sich bis im vorletzten Jahr während eines Jahrzehnts als Vorstandsmitglied fürs Altstätter Kinder- und Jugendheim Bild. Die Idee, mit fünfzig nochmals etwas völlig Neues anzupacken, als Schulpräsident zu wirken und zugleich dem Gemeinderat anzugehören, liess ihn nicht mehr los. «Unterwegs sein in zwei aufeinander angewiesenen Welten» und möglichst auch gestaltend aufzutreten, das gefiele ihm. Die «spürbare Lohneinbusse» nähme er dafür gern in Kauf; Sachpolitik habe ihn stets interessiert, sagt Richard Dünser. In Anbetracht seiner beruflichen und privaten Situation könnte Richard Dünser frei von Druck kandidieren. Trotzdem gibt es welchen; Richard Dünser hat ihn sich selbst aufgebaut.

Hinweis

Der neue Widnauer Schulpräsident wird am 4. März gewählt. Ausser Richard Dünser tritt Niklaus Köppel zur Wahl an. Ihn stellen wir morgen vor.

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