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WIDNAU: Das Ohr des Rheins

Am Freitag lud der Kulturverein zum Kunstexperiment «Grüüsch am Rii-Fass» ein. Dabei konnte man in die Klangwelt des Rheins abtauchen und alten Erzählungen über den Fluss horchen.
Anina Gächter
Gespannt lauschen die Besucher Berta Thurnherrs Geschichten. (Bild: Anina Gächter)

Gespannt lauschen die Besucher Berta Thurnherrs Geschichten. (Bild: Anina Gächter)

Anina Gächter

Es fühlt sich an, als würde man in einem U-Boot durch die Tiefen des Rheins gespült, wenn man in der knapp zwei Kubikmeter grossen Stahlblechkapsel sitzt. Man hört das Rauschen der Strömung, wie sie Kies entlang des Grundes spült, dazwischen Vogelgezwitscher, Fahrradklingeln und immer wieder Windböen. Eineinhalb Stunden dauert der Ton- sampler, der von Tonkünstler Fa Ventilato aufgezeichnet und am vergangenen Freitag an dem Kunstexperiment «Grüüsch am Rii-Fass» abgespielt wurde.

Mit dem Mikrofon im und am Rhein

Das Experiment «Grüüsch am Rii-Fass» ist Teil der grenzüberschreitenden Kunstaustellung arthur017 zum Thema «Wir und der Rhein» und wurde vom Kulturverein Widnau organisiert.

Der Verein installierte unter der Wiesenrainbrücke ein Fass, in dem man den Geräuschen des Rheins lauschen konnte. Umgesetzt wurde das Projekt vom Widnauer Eisenplastiker Roger Federer. Er baute ein beinahe schalldichtes Stahlblechfass mit sechs Elektroschläuchen, die einem akustischen Zugang ins Innere des Fasses verschaffen.

Für die Gestaltung der Klangwelt wurde der in New York lebende Balgacher Klangkünstler Fa Ventilato angefragt. «Um ein möglichst umfassendes Klangabbild des Rheins zu schaffen, war ich Tag und Nacht unterwegs und habe an verschiedenen Stand- orten Geräusche aufgezeichnet. Die Aufnahmen nachts sind besonders interessant, da man dann viel weniger Autos im Hintergrund hat und so das Zirpen der Grillen und das Rauschen des Winds in den Wiesen besser hört.» Zwischen den Tonsequenzen wurde immer wieder eine Unterwasseraufnahme abgespielt. Für diese habe Fa Venti- lato eigens eine Mikrofonhalterung bauen müssen. Das Aufzeichnen sei schwierig gewesen, da die Konstruktion den Rhein hinab getrieben und angespült wurde. Trotz der Schwierigkeiten war das Ergebnis ein Erfolg und erlaubte den Besuchern, durch die tentakelartigen Schläuche in die Tiefen des Rheins abzutauchen.

Geschichten und Gedichte über den Rhein

Der Höhepunkt des Anlasses war die Lesung der Diepoldsauer Mundartautorin Berta Thurnherr. «Das Wasser, das den Rhein hinab fliesst, kommt und geht, aber der Rhein ist uns immer geblieben. Das ist der Kern der Geschichten», erklärte Berta Thurnherr, bevor sie sich ins Fass begab. Dort verharrte sie eine ganze Stunde lang und trug alte Erzählungen und selbst geschriebene Gedichte über den Rhein vor. Ihre Vorstellung begann mit Schmugglergeschichten aus den Weltkriegen und führte durch die Jahre bis zur heutigen Zeit. Wer der Lesung horchen wollte, musste sich einen der orangen Elektroschläuche ans Ohr halten und genau hinhören. Das sei ein spezielles Gefühl, denn sonst würde man bei Lesungen auch die Mimik der Autoren interpretieren. So müsse man sich selbst ein Bild machen, meinte Carola Larcher. Der Berneckerin mit Vorarlberger Wurzeln gefiel die Darbietung gut. «Sie liest inbrünstig und bringt so den starken Diepoldsauer Dialekt gut rüber.» Nach der Lesung waren die Besucher eingeladen, selbst im Fass Platz zu nehmen und etwas vorzutragen.

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