Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WIDNAU: Bloss nicht ruhen

Der vorrangige Aspekt am Wirtschaftsforum? – Der Druck. Auf die Schweiz, auf die Wirtschaft. Von aussen, von innen. Immer wieder hiess es: Zeit bleibe uns wenig, um die Probleme zu lösen.
Gert Bruderer
Bundesrätin Doris Leuthard: «Den Binnenmarktzugang brauchen wir.» (Bild: Remo Zollinger)

Bundesrätin Doris Leuthard: «Den Binnenmarktzugang brauchen wir.» (Bild: Remo Zollinger)

Gert Bruderer

Eine Tagung mit Schweiz-Untergangs-Stimmung war auch das 24. Rheintaler Wirtschaftsforum natürlich nicht. Der Titel ist im Nachhinein jedoch zu ändern. Die Originalversion lautet so: «Werte, Wettbewerb, Wohlstand – was uns und unsere Wirtschaft aus- und erfolgreich macht.» Ein anderer Zusatz umschreibt die Kernaussagen der Vorträge eher: «…was dringend nötig ist, damit wir nicht abgehängt werden.»

Frage nach eigenem Nutzen zurückstellen

Zwar bescheinigt der ABB-Verwaltungsratspräsident Peter Voser der Schweiz eine Top-Ausgangslage. Als «innovativstem Land der Welt». Als stabilem Land, das sich besonderen Wohlstands erfreut.

Aber die Staaten um uns herum «ändern die Rahmenbedingungen» (Voser), und in einer zunehmend individualistischen Gesellschaft drängt die Frage nach dem eigenen Nutzen nach vorn. Aber «das ist nicht die Schweiz», sagte Bundesrätin Doris Leuthard, wenngleich sie von derartiger Mentalität eine Gefahr ausgehen sieht.

Die dringend nötigen Reformen rasch hinzukriegen, setze voraus, dass nicht jeder an seiner Maximalposition festhalte. Das gelte sowohl für die Steuerreform, als auch die Altersvorsorge. Zum Verhältnis der Schweiz zur EU meinte Leuthard: «Ich bin sicher, der Wirtschaft und den vernünftigen Parteien ist klar, dass wir den Binnenmarktzugang brauchen.»

Gerade das Rheintal mit seinem sehr hohen Exportanteil «hätte ohne den Zugang ein grosses Problem».

Ausser den bekannten Stärken des Landes und seiner Wirtschaft sieht Moderatorin Susanne Wille Fischlin die Leidenschaft als Erfolgsfaktor der Schweiz. Enthusiasmus empfahl Barbara Kux, Verwaltungsrätin in mehreren Unternehmen und Lehrbeauftragte an der Universität St. Gallen, nachdem sie von einer Nachhaltigkeitskrise gesprochen hatte. Und die «Fäaschtbänkler», die als Überraschungsformation auftraten, sangen unbeschwert die Zeile: «Glücklich muss man einfach sein.»

Bildungssystem ganz neu aufbauen

Der Wandel ist unumgänglich. 90 Prozent aller Daten in der Welt seien in den letzten zwei Jahren erzeugt worden, und 65 Prozent der Kinder, die in die Schule eintreten, «werden einmal einen Beruf haben, den es noch gar nicht gibt», sagte Barbara Kux.

Durch Automation und fortschreitende Digitalisierung würden neue Jobs geschaffen, meinte Peter Voser, das Bildungssystem sei aber völlig neu aufzubauen. In einem ganzen Arbeitsleben würden künftig drei, vier Lehren zu bewältigen sein – oder zwei, drei Studien. Der Stellenwert der praktischen Erfahrung werde deutlich steigen und Partnerschaften komme im Wirtschaftsalltag eine zunehmend hohe Bedeutung zu.

Im Kanton St. Gallen ist eine IT-Bildungsoffensive aktuell, an die der St. Galler Regierungspräsident Fredy Fässler erinnerte. Damit Unternehmen und Schüler bestmöglich mit der Digitalisierung zurechtkommen, sollen ab 2019 für acht Jahre insgesamt 75 Millionen Franken zur Verfügung stehen. Der Furcht, St. Gallen könnte viel Geld für die Ausbildung junger Menschen aufwenden, die dann in Richtung Zürich abwandern, begegnete Fässler mit «Arthur Philipp als Gegenbeispiel»; Philipp ist ein Zürcher, der im Rheintal unternehmerisch wirkt und mit dem Preis der Rheintaler Wirtschaft ausgezeichnet wurde.

Ehrlichkeit ist ein wichtiger Wert

Während Leuthard, Voser und Kux das Wifo-Thema umkreisten, nahm sich der Vorarlberger Matthias Sutter fast schon lehrbuchmässig seiner an. Der Professor der Universität Köln bezog sich bei seinem Vortrag auf eine aktuelle experimentelle Forschungsstudie. Diese hat eine interessante Erkenntnis gebracht.

Wenn Einkommensunterschiede durch Unehrlichkeit zustande kommen können (aber nicht müssen), gewinnt der Wunsch nach Umverteilung an Bedeutung. Umverteilung hat aber weniger Anreize für erfolgreiches Wirtschaften zur Folge, was sich nachhaltig auf unseren Wohlstand auswirken kann. Matthias Sutter legte dar, dass der Wert «Ehrlichkeit» einen Einfluss darauf hat, wie gut es einer Gemeinschaft geht. 26, 27

Mehr Bilder auf rheintaler.ch unter Bilderstrecken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.