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WIDNAU: Besuch in der Wohnanlage für Flüchtlinge

Seit Mitte April betreibt die politische Gemeinde in der ehemaligen Schulanlage Nefenfeld eine Wohnanlage für Asylsuchende und vorläufig aufgenommene Ausländer. Momentan wohnen dort 35 Personen aus neun verschiedenen Nationen.
Susi Miara
Die Wohnanlage Nefenfeld mit dem Ziegelbau, dem alten Schulhaus und dem Pavillon. (Bilder: Susi Miara)

Die Wohnanlage Nefenfeld mit dem Ziegelbau, dem alten Schulhaus und dem Pavillon. (Bilder: Susi Miara)

Susi Miara

Vor einem halben Jahr zogen die ersten Asylsuchenden ins ­ehemalige Schulhaus Nefenfeld. Heute sind ausser einem Zimmer alle belegt. Gemeinsam mit der Asylverantwortlichen der Gemeinde Widnau, Anita Bosser, durfte die Redaktion die Wohnanlage besichtigen. Wir lernten nicht nur die Bewohner, sondern auch ihre persönlichen Schicksale kennen. So zum Beispiel die 72-jährige Frau aus Syrien, die von allen liebevoll Mama genannt wird. Mit Tränen in den Augen zeigte sie die Fotos ihrer Kinder und Enkel, die in Holland leben. Gerne würde auch sie zu ihnen ziehen. Bei Fotoaufnahmen im Zimmer von Mahdi Eghabali bat er, mit dem Bild seiner Tochter, das er an die Wand neben dem Bett gehängt hat, fotografiert zu werden. Zwei Jahre habe er sie nicht mehr gesehen und er vermisse sie sehr. Was sofort auffiel, war der liebevolle, aber doch bestimmte Umgang der Betreuer mit den Bewohnern. «Wir sind kein Flüchtlingsheim und auch kein Gefängnis», sagt Anita Bosser. Die Bewohner können sich frei bewegen. Bleibe jedoch ein Bewohner ohne Abmeldung 14 Tage weg, werde er abgemeldet und somit werde auch sein Asylverfahren geschlossen.

Im Schulhaus Nefenfeld entstanden verschiedene Gebäudeteile, die sich für unterschiedliche Wohnformen und Zielgruppen eignen. Im Frauenhaus, im alten Schulhaus, sind Frauen und Mütter mit Kindern untergebracht, im Pavillon, dem ehemaligen Kindergarten, wohnen Familien, ältere Personen oder Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen und im Ziegelbau wohnen alleinreisende Männer. Ausserdem stehen allen Bewohnern Gemeinschaftsküchen, sanitäre Anlagen, Aufenthaltsräume, ein Schulzimmer und die Waschküche zur ­Verfügung. «Unsere Bewohner müssen selbst einkaufen und ­kochen», erklärt Anita Bosser. Dabei sei es ihnen freigestellt, ob sie dies einzeln oder gemeinsam tun. Mehrheitlich jedoch werde in Gruppen gekocht. Wer möchte, kann zudem beim internen Beschäftigungsprogramm mitmachen. «Wir haben mehr Interessenten als Arbeiten zu vergeben», sagt Anita Bosser. Wer nämlich seine Arbeit gut macht, bekomme von der Gemeinde einen zusätzlichen Obolus.

Ansonsten erhalten alle Bewohner einen vom Bund festgelegten Betrag für ihren Lebensunterhalt. Ausserdem können sie jeden Mittwoch eine Tasche Lebensmittel, geliefert von der Schweizer Tafel, zum symbolischen Betrag von einem Franken beziehen. Auch Kleider aus dem Second-Hand-Lädeli gibt es gegen ein kleines Entgelt. Die Kleider werden von der Bevöl­kerung gespendet. «Mit dem erzielten Gewinn werden ausser­ordentliche Anschaffungen getätigt», sagt Anita Bosser.

Obwohl neun verschiedene Nationen (Afghanistan, Somalia, Äthiopien, Sri Lanka, Iran, Syrien, Türkei, Eritrea, Sudan) in der Wohnanlage leben, habe es bis jetzt keine Randale gegeben. Auch mit den Quartierbewohnern gebe es keine Probleme. Vielmehr spielen die Kinder aus der Nachbarschaft mit den Bewohnern des Wohnheims gemeinsam Fussball.

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