Wetter

Garten

Urs Stieger
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Abendliche Wolkenmalerei. (Bild: Urs Stieger)

Abendliche Wolkenmalerei. (Bild: Urs Stieger)

In letzter Zeit zeigt der Himmel Gemälde von unüblicher Qualität. Ein strahlend blauer Himmel ist ja dagegen von grenzenloser Langweiligkeit. Wetter und Garten beschäftigen mich gleichermassen. Das eine bestimmt, mehr oder weniger, wie das andere läuft und gedeiht. Mindestens bei uns war der Himmel fast immer gnädig, wie immer man das interpretieren will. Kein Hagel, keine ausgeprägte Trockenheit.

Wenn abends über der Kugel im Vorarlberg die Wolken erröten, denke ich an … nein, nicht an «trittst im Morgenrot …», sondern an ein Lied, das uns in der sechsten Klasse, Schulhaus Bild in Altstätten, ein pensionierter Aushilfslehrer vorsang: «Rote Wolken am Himmel, auf den Bergen der Föhn …». Wenn mich das als Bub auch kaum interessiert hat, ich kann es noch, und mag es.

Die roten Wolken gibt es ja nicht nur am Himmel. In den Ferien, wo ich mich in alten Kirchen herumtreibe, und das oft, staune ich, wie diese Künstler eine Meisterschaft entwickelt haben, Wolken nicht nur als Wetterphänomene darzustellen, sondern metaphorisch eine Welt zu malen, die unsere Erde von dem Nichts darüber trennt. Die vielen Steinsäulen in barocken und späteren Kirchen aus Holz, die als Steinimitationen daherkommen und wie Wolken in Säulenform an den Altären stehen, zeugen von einem künstlerischen Beruf, den es (fast) nicht mehr gibt: Den Marmormaler. Er imitiert Steine (und Wolken) perfekt und verhilft Kirchen und Schlössern zu einem pompösen Auftritt, wo die Finanzen für richtigen Stein fehlen.

Steinsäulen und Wolkenmalereien interessieren die Gartenpflanzen und wohl die meisten Gärtner nicht, was die richtigen Wolken ausleeren schon. Oder aber, wenn sie nichts hergeben. So richtig zufrieden ist man als Gärtner und Bauer ja fast nie mit ihnen.

Obwohl, jetzt einmal ohne «Gjöömer»: Das war doch bis jetzt ein guter Sommer heuer! Sicher nicht wie am Mittelmeer. Aber für das Alpenvorland – nicht schlecht. Die vielen Phänomene, die wir beeinflussen wollen/können, werden immer mehr. Bei Wolken sind wir in diesem Bestreben noch ziemlich am Anfang, und das ist gut so! Das Gemüse wächst wie selten gut, Blumen und Sträucher sind weder ersoffen noch vertrocknet. Könnte man den späten Frost streichen, es wäre für meine Erwartungen sogar ein Supersommer gewesen. Gewesen, leider! Die Trösterli wie Altweibersommer, goldener Herbst usw. machen auch Freude, aber Sommer sind sie nicht.

Schon wieder voll drin im «Gjöömer.» Würd ich nicht jammern, wär ich kein Gärtner …

Urs Stieger

Berneck

www.u-stieger.com