Wettbewerbsfähiger werden

Drei Referenten, eine Meinung: Die Wettbewerbsfähigkeit ist zu stärken, die Produktivität zu erhöhen. Dafür sprachen sich gestern Regierungsrat Beni Würth, Avenir-Suisse-Direktor Gerhard Schwarz und AGV-Präsident René Wuffli aus.

Gert Bruderer
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Gerhard Schwarz, Direktor von Avenir Suisse: «Eine schrittweise Anpassung des Rentenalters wäre nötig.» (Bild: Gert Bruderer)

Gerhard Schwarz, Direktor von Avenir Suisse: «Eine schrittweise Anpassung des Rentenalters wäre nötig.» (Bild: Gert Bruderer)

OBERRIET. Zwar sei die Schweiz sehr glimpflich durch die Krise gekommen, meinte Gerhard Schwarz an der AGV-Hauptversammlung, doch unser Land sei «zunehmend auch Opfer seines eigenen Erfolgs». So habe sich der Franken in kurzer Zeit stark aufgewertet – mit der Folge, dass die Lohnstückkosten kräftig stiegen und die Wettbewerbsfähigkeit litt. In Franken sind es 15 Prozent, in Euro 45 Prozent – und «da liegen wir plötzlich in der gleichen Grössenordnung wie Griechenland», sagte René Wuffli. Zumal das Rheintal zum St.Galler Export fast 36 % beisteuert, leidet die Wirtschaft unserer Region besonders unter dem starken Franken.

Kopf nicht in den Sand stecken

Obschon sich von einer Entspannung nicht sprechen lasse und der Abwärtstrend der Konjunktur gesamtschweizerisch unverkennbar sei, könne es freilich nicht darum gehen, den Kopf in den Sand zu stecken, meinte Regierungsrat Benedikt Würth. Er vertraue auf die Rheintaler Arbeitgeber: dass sie «die richtigen Massnahmen treffen und dem Rheintal die Treue halten».

Der Staat müsse seinerseits günstige Rahmenbedingungen schaffen und so zur Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beitragen – mit massvoller Steuerbelastung, ausreichender Infrastruktur, genug verfügbaren Nutzflächen für die Wirtschaft und guten Rahmenbedingungen für den Wissens- und Technologietransfer.

Personenfreizügigkeit wichtig

Als wichtig bezeichnete Würth die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften, die mit einer effizienten Hochschulpolitik und der Personenfreizügigkeit sicherzustellen sei. Mit Sorge registriere er, dass die Personenfreizügigkeit als wichtiges Instrument zur Erhaltung eines flexiblen Arbeitsmarktes teils «durch unsachliche Kritik und die Vermischung mit anderen migrations-politischen Aspekten» zunehmend unter Druck gerate.

Der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements plädierte dafür, den beruflichen Nachwuchs nach Kräften im eigenen Land heranzuziehen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter im Auge zu haben und der Flexibilisierung des Altersrücktritts Bedeutung beizumessen. Auch gelte es, die Landesgrenzen so durchlässig zu gestalten, dass das wirtschaftliche Potenzial auf beiden Seiten des Rheins sich optimal nutzen lasse.

Als in der Deutschschweiz einzigartiges Projekt bezeichnete Benedikt Würth das in Buchs entstehende Innovations- und Forschungszentrum, das den Unternehmen neue Möglichkeiten eröffne.

Problem Sozialversicherungen

Die Wichtigkeit eines offenen Arbeitsmarktes betonte auch Gerhard Schwarz; Offenheit und Personenfreizügigkeit gelte es zu verteidigen. Der Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse sprach sich zudem für die Einführung einer Schuldenbremse bei den Sozialwerken aus, denn die vom Eidgenössischen Finanzdepartement berechnete Langfristprognose für die Schweizer Schuldenquote zeige klar: das grösste Problem sind die Sozialversicherungen.

Als dringend nötig bezeichnete Schwarz die Anpassung des BVG-Umwandlungssatzes, die aber vor zwei Jahren vom Volk abgelehnt worden war. Auch die Aufhebung innovationshemmender Strukturpolitik sowie eine Verbesserung des Steuersystems «müssen angepackt» werden.

Gastgeber und Gast: Christoph Jansen (links) führt Regierungsrat Benedikt Würth durchs neue Jansen-Gebäude, den Campus.

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Peter und Edith Bürki: Haben nun wieder mehr Zeit für einander. (Bilder: Gert Bruderer)

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Barbara Hulsbergen, neues AGV-Vorstandsmitglied, hier mit Marcel Stieger (Firma CDS, Heerbrugg) und Vorstandskollege Roger Stieger.

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Kennen sich seit Jahrzehnten: (von links) der frühere Kantonsrat Josef Dietsche, Joachim Gallusser aus Berneck und Hans Kürschner aus Rebstein.

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Brigitte Lüchinger: im AGV Rheintal und im AGV Schweiz im Vorstand.

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Unterwegs zum nicht nur architektonisch bestechenden Campus.

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Zum Scherzen aufgelegt: Werner Bänziger und Walter Zwingli.

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