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Wer zahlt für das giftige Erbe?

Am Rheintaler Binnenkanal soll ein altes Fundament weg. Die Entsorgung des Erdreichs ist aufwendig und teuer, weil im Boden polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) festgestellt wurden.
Kurt Latzer

Der Letten am Rheintaler Binnenkanal in Au ist abgetragen. Ausser dort, wo das Überbleibsel aus der Zeit der Rheinregulierung steht. Die etwa 100 Meter lange Mauer auf der Höhe der Firma Indosa diente einst als Fundament für eine Dienstbahn-Brücke für den Bau der Dämme. Nun soll die Betonwand weg. «Die Mauer stört das Abflussverhalten des Wassers im Kanal», sagt Urs Müller, Geschäftsführer des Zweckverbandes Rheintaler Binnenkanal (RBK).

Altlasten verteuern den Abbruch erheblich

Sogenannte polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die man bei Bodenproben gefunden hat, verhindern die rasche Umsetzung des Geplanten. Der Fund verteuert alles, weil das belastete Erdreich in einer Reaktordeponie gelagert werden muss.

Deshalb sind nun Experten des Amtes für Umwelt in St. Gallen (AfU) dabei herauszufinden, wer die Altlasten verursacht hat. «Zurzeit gehen wir davon aus, dass die PAK vom Bahnunglück von 1988 stammen», sagt Heinrich Adler, Altlastenexperte beim AfU. Am 19. September 1988 entgleisten im Bahnhof Au mit Kerosin beladene Zisternenwagen eines Güterzuges und brannten aus. Die Untersuchungen sind laut Adler allerdings noch nicht abgeschlossen. Ausser dem verbrannten Kerosin könnte etwas anderes zur Bodenbelastung beigetragen haben.

Möglichweise ein Erbe der Dampfloks

In einem Artikel in den «Vorarlberger Nachrichten» aus dem Jahr 2014 mit dem Titel «Giftiges Erbe der Dampflok-Ära» wurde über eine hohe Arsen-Belastung im Grundwasser bei Lindau berichtet. Eine Mitschuld gab man Altlasten, die «seit Jahren bekanntermassen unter dem Lindauer Bahnhof schlummern», hiess es.

«In der Zeit, als hier noch mit Kohle betriebene Lokomotiven fuhren, hat man die Bahnschlacke einfach vergraben», wurde im Artikel der Lindauer Landrat Elmar Stegmann zitiert. Da seien jede Menge Schwermetalle drin, auch polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, wie etwa Benzopyren, das auch im Kohlenteer vorkomme. Beim Zweckverband Rheintaler Binnenkanal und im AfU erinnert man sich an den Erweiterungsbau der Firma Indosa in Au. Beim Aushub wurden ebenfalls Schlackerückstände des einstigen Dampflok-Betriebs festgestellt. «Im Altlastenkataster sind Schlacken vom Bahnbetrieb auf der Seite der Firma Indosa festgestellt worden», sagt Friedrich Adler. Einen Teil der Altlasten habe man entsorgt, ein Teil liege noch dort. Der AfU-Experte schliesst nicht aus, dass es auch auf der gegenüberliegenden Seite Schlacke im Boden haben könnte. «Zurzeit aber gehen wir eher vom Bahnunglück als Verursacher aus», sagt Adler.

Den Letzten beissen die Hunde

Beim Amt für Umwelt ist man dabei, den Verursacher zu ermitteln, was laut Experte nicht einfach ist.

«Wegen des Bahnunglücks oder auch des Betriebs von Dampfloks kommen die SBB als Verursacher in Frage», sagt Heinrich Adler. Ob ein Verursacher zahlen muss, ist im Umweltschutzgesetz geregelt. Ist der Verschmutzer bekannt, verteilt der Kanton die Kosten. «In dem Fall könnte man versuchen, die SBB für eine Aufteilung der Kosten ins Boot zu holen. Allerdings in dem Fall nur für den Teil der Altlast, die für den Binnenkanal gefährlich ist», sagt Adler. Wenn aber ein Bauherr, wie etwa RBK, belastetes Aushubmaterial hat, das für das Wasser nicht gefährlich ist und kein Sanierungsbedarf gegeben ist, muss er die Entsorgungskosten alleine tragen.

Noch kniffliger würde die Situation mit den Arbeiten in Au, wenn man neben den SBB die internationale Rheinregulierung (IRR) als mögliche Verursacher in einbeziehen würde. Denn die IRR betrieb einst ebenfalls Dampfloks, und zwar auch bei der einstigen Dienstbrücke beim Auer Bahnhof.

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