Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Wer bin ich?

«Wissen Sie, Herr Pfarrer, manchmal bin ich gar nicht mehr ich selber.» Der Mann im Spitalbett schaut mich mit grossen, erschrockenen Augen an. Die Augen gehen unruhig hin und her und ich spüre eine grosse Angst und Verunsicherung.
Andreas Brändle
Die Frage nach dem eigenen Ich stellt sich nicht nur dieser Vogel. (Bild: depositphotos)

Die Frage nach dem eigenen Ich stellt sich nicht nur dieser Vogel. (Bild: depositphotos)

«Wissen Sie, Herr Pfarrer, manchmal bin ich gar nicht mehr ich selber.» Der Mann im Spitalbett schaut mich mit grossen, erschrockenen Augen an. Die Augen gehen unruhig hin und her und ich spüre eine grosse Angst und Verunsicherung.

Ein Mensch, der in Gefahr steht, seine Identität zu verlieren. Dahinter steht die uralte Frage: Wer bin ich? Bin ich das, was ich von mir selber weiss? Oder bin ich das, was andere über mich sagen? Wer bin ich? Dietrich Bonhoeffer hat ein schönes Gedicht darüber geschrieben, und viele grosse Denker und Dichter haben sich ihre Gedanken zu diesem Thema gemacht. Bob Dylan, der vor Kurzem den Literatur Nobelpreis bekam, schrieb ein Lied mit dem Titel: «What good am I?» (Für was bin ich eigentlich gut?) Er schrieb dieses Lied, als er schon ein weltbekannter und bewunderter Sänger und Dichter war. Die Frage nach dem eigenen Ich, der eigenen Identität beschäftigt alle Menschen, unabhängig von ihrem sozialen und kulturellen Hintergrund.

Manchmal ist man auch froh, dass man nicht immer sich selber sein muss. Rumpelstilzchen tanzt ums Feuer herum und singt: «Ach, wie gut, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiss.» Die Freude daran, dass niemand seinen Namen, seine Identität kennt, lässt den Mann ums Feuer herumtanzen. Wir alle kennen diese Erfahrung: Ach, wie gut, dass nicht alle wissen, wie es in mir drinnen aussieht. Zum Glück wissen die Leute nichts über meine Träume, Begierden, Sehnsüchte und Defizite. Zum Glück kann ich meine Fassade gut aufrechterhalten und sehen die Leute nicht, wie es tatsächlich in meinem Innern ausschaut. Zum Glück gibt es die Masken, die Fasnacht, wo man sich für eine gewisse Zeit eine neue Identität geben kann. Man ist froh, wenn man nicht immer sich selber sein muss. Aber wo kann ich wirklich mich selber sein?

Mir kommt das Lied von Albert Frey in den Sinn, dass er in Anlehnung an den 139. Psalm geschrieben hat: «Wo ich auch stehe, du warst schon da. Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah. Was ich auch denke, du weisst es schon. Was ich auch fühle, du wirst verstehen. Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst. Und, dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst. Herr, du richtest mich wieder auf und du hebst mich zu dir hinauf. Ja ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.»

Es gibt einen, der mich durch und durch kennt und mich trotzdem liebt. Was für eine tolle und froh machende Erfahrung. Es gibt einen, der meine Defizite und Fehler kennt und mich trotzdem annimmt. Mit diesem Wissen und diesem Zuspruch lässt sich gut leben!

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.