«Wenn ich auf der Terrasse stehe, habe ich das Gefühl, ich sei in Rotterdam»: Warum sich eine Altstätterin in eine über zweihundertjährige Wohnung verliebt hat

Regula Wüst wohnt seit eineinhalb Jahren im Era-Graba in Altstätten. Das Haus wurde 1741 erbaut. Sie erzählt, warum sie eine neue Wohnung gegen die Altbauwohnung getauscht hat.

Susi Miara
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Das Haus aus der Sicht der Marktgasse.

Das Haus aus der Sicht der Marktgasse.

Bilder: Susi Miara

Der Era-Graba ist der schmale Streifen hinter den Häusern der Markt- und der Obergasse. Die sogenannte Ehgräben wurden einst zur Beseitigung von Fäkalien und Abfallprodukten aller Art benutzt. Heute finden dort die Bewohner ein ganz spezielles Ambiente. So auch Regula Wüst, die sich entschied, eine moderne Wohnung gegen das alte Haus einzutauschen. Sie sagt:

«Ich habe mich in das Haus sofort verliebt.»

Die Eigentümerin Judith Schmidheiny konnte die Liegenschaft vor 24 Jahren ersteigern. Noch bis vor drei Jahren wohnte sie selbst mit ihrer Familie darin. Bis 2001 führte die Bäckerei Wäger im Haus eine Filiale, dann zog das Blumengeschäft Judith ein.

Alles wurde herausgerissen

Die Renovation des Hauses war jedoch viel aufwendiger als gedacht. Bis auf die Grundmauern wurde alles herausgerissen und der Estrich ausgebaut. Dort hat sich heute der Sohn von Regula Wüst eingerichtet. «Das Zimmer ist riesig, fast wie eine kleine Wohnung», sagt Regula Wüst. Ihr Schlafzimmer ist das kleinste, hat dafür aber eine grosse Terrasse. Sie ist eine kleine Oase mit Kräutern, Blumen und Liegestühlen zum Relaxen.

Gleich drei Terrassen können die Bewohner des Hauses nutzen. Über eine Gittertreppe erreicht man die Eingangstüre, wo bequeme Gartenstühle stehen. Tritt man ein, wird man von einer grossen Fensterfront mit Blick auf die Gasse überrascht. Durch die moderne Küche geht es ins Wohnzimmer mit Aussicht auf die belebte Marktgasse. Dort findet man noch einen alten Einbauschrank und den alten, funktionstüchtigen Ofen. «Der ist genial, vor allem in der Übergangszeit», schwärmt Regula Wüst. Ausserdem erwärmt er im ersten Obergeschoss zwei Ofenbänke. Ein weiteres, grosses Zimmer gehört ihrem zweiten Sohn. Im ersten Stock ist ausserdem das grosse Badezimmer.

Die Wohnung einzurichten sei nicht leicht gewesen. Die grosse Polstergruppe musste weg, genauso wie andere grosse Möbel. Sie wollte die Räume nicht vollstopfen. Überrascht hat Wüst jedoch die Isolation der Fenster. Wenn die Fenster geschlossen sind, höre sie nicht einmal die Guggenmusik. Regula Wüst gefällt die Mischung von Alt und Neu. «Das Knistern der Böden ist heimelig und wenn ich auf der Terrasse stehe, habe ich das Gefühl, ich sei in Rotterdam.» Im Era-Graba lebt man zusammen. Man kennt sich und ruft sich von der Terrasse zu. «Wenn ich nach Hause komme, fühle ich mich einfach wohl», sagt Regula Wüst. Oft sitze sie im Café gegenüber ihres Hauses und fühle sich stolz, dort wohnen zu dürfen.

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