Wenn die Tochter und der Vater …

MOUNTAINBIKE. Für Weltmeisterin und Weltcup-Gesamtsiegerin Jolanda Neff hat die Saisonvorbereitung begonnen. Vieles wird im Jahr vor den Olympischen Spielen für die Rheintalerin neu sein.

Urs Huwyler
Drucken
Teilen
Weltmeisterin Jolanda Neff unterstützt in den nächsten Wochen auch Schwingerkönig Nöldi Forrer bei dessen Training für das Bike-Rennen Cape Epic. Im neuen Team wird sie nicht mehr Fahrerinnen um sich haben, die auf gleich hohem Niveau fahren. Dafür hat die Thalerin aber die Chance, etwas Neues aufzubauen. (Bild: Urs Huwyler)

Weltmeisterin Jolanda Neff unterstützt in den nächsten Wochen auch Schwingerkönig Nöldi Forrer bei dessen Training für das Bike-Rennen Cape Epic. Im neuen Team wird sie nicht mehr Fahrerinnen um sich haben, die auf gleich hohem Niveau fahren. Dafür hat die Thalerin aber die Chance, etwas Neues aufzubauen. (Bild: Urs Huwyler)

Dieses Jahr wird bei Jolanda Neff (Thal) nicht alles, aber vieles anders sein als im äusserst erfolgreichen Jahr 2014. Mit Ausnahme des EM-Titels hat die am 5. Januar erst 22 Jahre alt werdende, weltbeste Bikerin die möglichen Einzeltitel gewonnen. Herausragend neben dem fast erwarteten U23-WM-Titel und Gold an der Elite-Schweizer Meisterschaft war: Als jüngste Fahrerin der Geschichte sichert sich die von Swiss Cycling zur «Radsportlerin des Jahres» ausgezeichnete Rheintalerin schon vor dem letzten Rennen den Gesamtweltcup.

Ein spezieller Transfer

Nach einer derart beeindruckenden Bilanz müsste der Ausblick eigentlich mit dem Satz «Es soll alles bleiben, wie es war» erledigt sein. Doch weil sich die Verhandlungen mit dem bisherigen ausländischen Arbeitgeber dahinzogen und zugleich eine Schweizer Firma Interesse an einer Zusammenarbeit zeigte, kam es bei den Bikern zu einem speziellen Transfer: So als würde im Fussball Argentiniens Lionel Messi von Barcelona zu River Plate Buenos Aires wechseln, wo er dann als Teamstütze auch für den Aufbau der Mannschaft wichtig wäre.

Die bisher vor allem durch ihre Skier bekannte Firma Stöckli möchte dank Jolanda Neff und Mathias Flückiger auch im boomenden Cross-Country-Radsport Impulse setzen. «Das Bike und auch Skier habe ich erhalten. Es kann losgehen», stellt die Hobby-Wintersportlerin die Ampel auf Grün. Der neue Ausrüster hat logischerweise keine Probleme, wenn sich Jolanda Neff auch als Skifahrerin betätigt. Firmenkollegin Tina Maze braucht sich allerdings keine Sorgen über eine neue firmeninterne Konkurrentin zu machen.

Familieninterne Lösung

Bei den Schweizern wird die Olympia-Kandidatin allerdings nicht im bisherigen Rahmen in ein funktionierendes Team mit Weltklasse-Fahrerinnen und Betreuern eingebettet, sondern als «Alleinunterhalterin» unterwegs sein. So stellte sich die Frage nach einem Mechaniker, dem die Frau vertraut. Die Lösung wurde familienintern gefunden. «Mein Vater wird mich betreuen. Dann weiss ich, dass alles klappt. Zudem kennt er die Bike-Szene seit Jahren», freut sich die Tochter. Bedenken, Meinungsverschiedenheiten seien bei einer solchen Konstellation vorprogrammiert, teilt sie nicht. Trainer, Coach und Mechaniker Markus Neff kümmert sich schon seit ihrer Jugend um die Bikes, kann auch Lastwagen fahren, hilft beim Auf- und Abbau. «Im ersten Jahr ist es wichtig, eine Person an meiner Seite zu wissen, mit der es keine langen Absprachen braucht», betont das Ausnahmetalent. Neben dem Teamchef, Allrounder Markus Neff und Mathias Flückiger gehört eine Physiotherapeutin zur Stöckli-Equipe.

Start am 12. April

Nach Möglichkeit wird sie in den nächsten Wochen mit ihren Micarna-Teamkollegen Ralph Näf und Michael Albasini unterwegs sein. Weil der Bike-Weltcup erst Ende Mai beginnt, könnte es vorgängig zum einen oder anderen Start auf der Strasse kommen. «Die Planung und Abklärungen laufen. Fest steht, dass meine eigentliche Bikesaison am 12. April beim Racing Cup in Schaan beginnt. Nach Möglichkeit werde ich oft Rennen in der Schweiz bestreiten.»

Jahr der Titelverteidigung

Über die Ziele muss mit der Technikerin des RV Altenrhein nicht gross diskutiert werden. «Ich versuche gleich erfolgreich zu sein wie 2014. Obwohl es bekanntlich schwieriger ist, Titel zu verteidigen als sie erstmals zu gewinnen. Doch ich bin gespannt und zuversichtlich. Das neue Bike passt», so Jolanda Neff, «und wir haben noch Zeit, um Anpassungen und Korrekturen vorzunehmen.» Vater Markus Neff wird ihr beratend zur Seite stehen.