Wenig Zeit für Fussgänger

WIDNAU. Ein Schutzengel begleitete am Dienstagmittag Widnauer Kindergärtler. Bei einer Ampel entstand eine gefährliche Situation. Das Lichtsignal wurde anschliessend überprüft.

Bea Sutter
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Aktuelle Situation am Zebrastreifen mit Ampel: Kindergartenkinder überqueren in Begleitung ihrer Eltern die Diepoldsauerstrasse. (Bild: Bea Sutter)

Aktuelle Situation am Zebrastreifen mit Ampel: Kindergartenkinder überqueren in Begleitung ihrer Eltern die Diepoldsauerstrasse. (Bild: Bea Sutter)

Den Dienstag, 14. August, werden einige Eltern und Grosseltern von Widnauer Kindergärtlern wohl nicht so schnell vergessen. Sie erwarteten um 11.30 Uhr die Kleinen beim ehemaligen Türmli-Pub an der Diepoldsauerstrasse, um sicher zu sein, dass die Sprösslinge gefahrlos die stark befahrene Strasse überqueren. Die Erwachsenen hatten das Bedienen der Fussgängerampel und das Verhalten vor und auf dem Zebrastreifen bereits im Vorfeld mit den Kindern geübt.

Am Montag, dem ersten Kindergartentag, sei alles gut gegangen, sagt eine Mutter. Am Dienstag kam der Schock. Die Kinder drückten auf den Knopf bei der Ampel, begaben sich aber bei Grün nicht sofort auf die Strasse. Zum Glück, denn ein Auto fuhr mit unverminderter Geschwindigkeit vorbei.

Einen Schutzengel gehabt

«Die Kinder hatten einen Schutzengel», sie hätten grosses Glück gehabt, dass keines vom Auto erfasst wurde, sagt eine Augenzeugin. Eine erwachsene Begleiterin konnte sich das Kennzeichen der aus Richtung Diepoldsau kommenden Automobilistin merken. Der Vorfall wurde auf dem Polizeiposten Widnau gemeldet. Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, erläutert auf Anfrage, dass die Kantonspolizei mit beiden Parteien gesprochen habe. Sowohl die Eltern als auch die Autolenkerin sagten aus, sie hätten Grün gehabt. Daraufhin liess die Polizei die Ampel kontrollieren. Die Eltern wurden informiert, dass die Ampel in Ordnung ist. Sie seien damit einverstanden, dass aufgrund der polizeilichen Abklärungen der Fall abgeschlossen ist, sagt Hanspeter Krüsi.

Gelb ist Schutzzone

Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik, Tiefbauamt Kanton St. Gallen, nahm gestern Nachmittag höchstpersönlich einen Augenschein vor Ort. Er habe dabei festgestellt, dass die Anlage einwandfrei funktioniert und die Schaltungen von Grün auf Gelb und Rot den gesamtschweizerischen Normen entsprechen. Die Grünphase beträgt sechs Sekunden, die Gelbphase acht Sekunden. Fussgänger haben somit 14 Sekunden Zeit, eine acht Meter breite Strasse zu überqueren. Werner Lendenmann erklärt die Bedeutung von Grün und Gelb: Die Strasse darf nur bei Grün betreten werden, bei Gelb nicht mehr. «Gelb dient als Schutzzone für den Fussgänger. Das heisst, er befindet sich bereits auf der Strasse, derweil haben die Autofahrer noch Rot.»

Werner Lendenmann weiss, dass die Phase von 14 Sekunden für Kinder und gehbehinderte Leute sehr kurz ist. Er versteht das Problem der Eltern. Vor allem am Schulanfang bestehe Unsicherheit. Er rät den Eltern, die Kinder solange zu begleiten, bis sie gelernt haben, bei Grün zuerst nochmals genau zu schauen und dann die Strasse zügig zu überqueren.