Weltweit grösste Briefmarkenauktion

In Wil findet die weltweit wichtigste Briefmarken- und Münzenauktion des Jahres statt. Unter den Hammer von Peter Rapp kommt auch eine Briefmarke, die es gar nicht geben dürfte.

David Scarano
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Unter den Hammer kommen 1800 Losnummern. Darunter befinden sich Briefmarkensammlungen, die über eine Viertelmillion Franken Wert sind. (Bild: Archiv)

Unter den Hammer kommen 1800 Losnummern. Darunter befinden sich Briefmarkensammlungen, die über eine Viertelmillion Franken Wert sind. (Bild: Archiv)

Wil wird ab Montag für drei Tage zum Nabel der Welt – wenigstens was Philatelisten und Numismatiker betrifft. Im Auktionshaus Rapp findet eine der weltweit grössten Briefmarken- und Münzenauktion des Jahres statt. Gross ist das Interesse: Zwischen 1000 und 1500 Sammler, Händler und Investoren werden erwartet.

Seltene Stücke

Unter den Hammer kommen 1800 Losnummern. Darunter befinden sich Briefmarkensammlungen, die über eine Viertelmillion Franken Wert sind. Als eines der Highlights bezeichnet Geschäftsführerin Marianne Rapp Ohmann die Sammlung Elb der Deutschen Reeder-Familie Harald Sommer. Einen neuen Besitzer sucht dabei die «Bayern Sarre 20 Mark». Der geschätzte Wert beträgt zwischen 30 000 und 40 000 Franken. Rapp wäre aber nicht erstaunt, wenn die Briefmarke einen weit höheren Preis erzielen würde. «Das Interesse im Vorfeld war gross.» Zu den Besonderheiten zählt auch der Gescheidle-Brief, «einer der wertvollsten Deutschen Briefmarken der Neuzeit.» Denn sie dürfte es gar nicht geben: Sie hätte zur Olympiade 1980 in Moskau erscheinen sollen, wegen des Boykotts der Spiele zog sie die Bundesrepublik Deutschland jedoch zurück. Nur drei Bögen wurden nicht vernichtet, diese erhielt Postminister Kurt Gscheidle. Aus versehen verwendete dessen Ehefrau eine Marke als Frankatur.

Boomender Markt

In den vergangenen Jahren sind die Preise stetig gestiegen. «Seit der Finanzkrise 2008 boomt der Briefmarken- und Münzenmarkt», sagt Marianne Rapp. Wegen des unsicheren Aktienmarkts finden Investoren in den seltenen Stücken eine sichere Anlage. Derzeit sind chinesische Münzen hoch im Kurs. Die Rapp-Kundschaft ist zum Teil gut betucht, sie erwartet eine entsprechenden gehobenen Service.

So werden die Sammler mit der Limousine am Flughafen Zürich direkt abgeholt. Der Standort Wil entpuppt sich nicht als Nachteil, im Gegenteil. «Die Logistik ist in Wil einfacher als in Zürich», sagt Rapp. Zudem würden die Gäste den ländlichen Charme schätzen, sie logieren bevorzugt in den Landgasthöfen. Die Sammler und Händler reisen aus den USA, aus China, Japan oder Südafrika nach Wil. Dies hängt zum Teil jedoch davon ab, welche Sammlungen angeboten werden. Denn Sammler seien häufig Patrioten, so würden Chinesen vorwiegend chinesische Briefmarken und Münzen kaufen, Russen nur russische Stücke, sagt Rapp. Doch wer in Wil Briefmarken ersteigern will, muss nicht zwingend vor Ort sein. Rund hundert Sammler werden an ihrem Computer von zu Hause aus mitbieten.