WELTCUP U23: «Wann soll ich sonst etwas gewinnen?»

Letzte Saison waren Noah Blöchlinger und Simon Vitzthum noch Teamkollegen bei Bischibikes, Blöchlinger hat nun aber ins grössere Team BMC-Fischer gewechselt. Vitzthum setzt im letzten U23-Jahr hohe Ziele.

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Noah Blöchlinger fährt neu in einem grösseren Team und will nach Rückschlägen wieder voll angreifen.

Noah Blöchlinger fährt neu in einem grösseren Team und will nach Rückschlägen wieder voll angreifen.

Der 22-jährige Rheinecker Simon Vitzthum steht vor seinem letzten Jahr als U23-Fahrer, der ein Jahr jüngere Noah Blöchlinger aus Heiden hat noch eine weitere Saison in der höchsten Nachwuchskategorie vor sich. Diese unterschiedliche Perspektive hat Einfluss auf die persönlichen Ziele, die von Vitzthum offensiver formuliert werden.

Internationale Medaille und nationales Gold fehlen noch

Der Rheinecker hat sich mit Beharrlichkeit in der nationalen Spitze seiner Altersklasse behauptet. Er gewann, inklusive Querrennen, an Schweizer Meisterschaften schon dreimal Silber und einmal Bronze. In seinem letzten U23-Jahr möchte er auf die höchste Podeststufe fahren: «Wann soll ich sonst einen Titel gewinnen, wenn nicht in diesem Jahr?»

An Cross-Country-Weltmeisterschaften hat Vitzthum schon dreimal teilgenommen, einmal als Junior und zweimal als U23-Fahrer. In diesem Jahr hat er sich zum Ziel gesetzt, an Titelkämpfen eine Medaille zu gewinnen. Dazu muss er, verglichen mit seinen bisherigen Resultaten, aber einen grossen Schritt machen: An der U23-WM ist ein 29. Rang sein bestes Ergebnis, an der EM wurde Vitzthum immerhin mal Vierzehnter.

An den Kontinentalmeisterschaften scheint Edelmetall also eher in Reichweite zu liegen. Die ursprünglich in Istanbul geplante EM ist übrigens neu nach Italien vergeben worden. Sie findet Ende Juli statt, zwei Wochen nach dem nationalen Championat.

Vitzthum fährt immer noch fürs regionale Team Bischibikes-kopierpaier.ch. Der gelernte Tiefbauzeichner arbeitet im Geschäft des Ex-Profis Christof Bischof im 50-Prozent-Pensum: «Nimmt man meine Abwesenheiten, habe ich wohl weniger Arbeitszeit», sagt der Rheinecker. Er fühlt sich als Halbprofi wohl: «Die Arbeit bringt auch Ablenkung, so denke ich nicht den ganzen Tag ans Biken.»

Die Ränge in den Frühlingsrennen sagen nicht viel aus, weil Vitzthum meist in der Elite fährt: «Ausser im Weltcup könnte ich beides fahren. Aber Taktieren, um möglichst viele Punkte zu gewinnen, bringt’s nicht.»

Blöchlinger hat seine Ernährung umgestellt

So wählt er den Vergleich mit den stärkeren Fahrern – wie auch Noah Blöchlinger. Der Vorderländer hat aus gesundheitlichen Gründen zwei «Seuchensaisons» hinter sich. Für 2017 ist er wieder optimistisch.

Blöchlinger fand im Team BMC-Fischer Unterschlupf, für das bisher der zurückgetretene Bernecker Enea Vetsch gefahren war. «Dadurch bekam ich die Möglichkeit, einen Bluttest zu machen», sagt Blöchlinger. Dieser habe zur Umstellung der Ernährung geführt: «Ich esse in­zwischen nur noch glutenfreie Produkte. Das bedingt etwas Aufwand, zahlt sich aber aus.» So konnte er im Winter erstmals sechs Kilo abnehmen. Der gelernte Koch arbeitet noch an einem Tag pro Woche in seinem Beruf.

Blöchlinger konnte erst einmal an einer U23-WM teilnehmen. Ausgerechnet 2014 in seinem Debütjahr – was sonst sogar spätere Topfahrer nicht schafften. Als 23. hat er auch resultatmässig gute Erinnerungen an die WM. In dieser Saison soll der zweite Start an Welttitelkämpfen folgen.

Dank seines Teams kann Blöchlinger alle Weltcuprennen bestreiten. Vitzthum muss sich jeweils fürs Nationalteam qualifizieren, was vor allem beim Übersee-Weltcup in Kanada aus Kostengründen wichtig ist.

Yves Solenthaler