«Weisst du, wo der Himmel ist?»

Diese Frage eines Kleinkindes ist so einfach zu beantworten: «Schau doch hinauf! Dort oben, das Blaue, das ist der Himmel!» Wenn sich aber das Himmelsgewölk zusammenzieht und verdunkelt, es blitzt und kracht und manche sogar das Wort von der Weltuntergangsstimmung in den Mund nehmen, dann ist es

Gabi Ceric, Pastoralassistentin In Oberriet
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«Weisst du, wo der Himmel ist?» – «Schau doch hinauf! Dort oben, das Blaue, das ist der Himmel!» (Bild: Gabi Ceric)

«Weisst du, wo der Himmel ist?» – «Schau doch hinauf! Dort oben, das Blaue, das ist der Himmel!» (Bild: Gabi Ceric)

Diese Frage eines Kleinkindes ist so einfach zu beantworten: «Schau doch hinauf! Dort oben, das Blaue, das ist der Himmel!» Wenn sich aber das Himmelsgewölk zusammenzieht und verdunkelt, es blitzt und kracht und manche sogar das Wort von der Weltuntergangsstimmung in den Mund nehmen, dann ist es alles andere als das, was wir geläufig mit «himmlisch» bezeichnen. Spätestens dann fängt es an schwierig zu werden, wenn das Kleinkind aber hört, dass die Oma nun im Himmel ist, nachdem man sie zu Grabe getragen hat. Was ist nun der Himmel, wo fängt er an, und wo hört er auf?

Da tun es sich die englischsprachigen Erdenbewohner schon etwas leichter, wenn sie zwischen Himmel und Himmel, zwischen «sky» und «heaven», unterscheiden. Der Himmel, «sky», ist jene Sphäre, die die Wolkenkratzer erstürmen und die von Vögeln und Flugzeugen erobert wird. Der andere Himmel, «heaven» genannt, beschreibt keine lokale Dimension, sondern vielmehr jene himmlische Herrlichkeit, die Gott zu eigen ist.

Mein erstes Sommerlager als Kind verbrachte ich an einem Ort, der Himmelreich genannt wird. (Davon gibt es gewiss über 20 im deutschsprachigen Raum.) Es hat mir mächtig Eindruck gemacht, einmal ins Himmelreich fahren zu dürfen. Tatsächlich verbrachte ich dort eine «himmlische» Zeit im Jungscharlager, zusammen mit allen anderen Kindern, gut betreut von den Leitern und umsorgt von den Köchinnen. Wahrscheinlich habe ich dort tatsächlich etwas von dem erahnen und erleben dürfen, was wir uns vom Himmelreich, vom Reich Gottes, erhoffen, jenem Reich, das mit Jesus Christus auf Erden Einzug gehalten hat, an dem wir Christen aus dem Glauben heraus in und mit unserem Leben mitarbeiten und dessen Vollendung wir erwarten dürfen.

Der bekannte Film «As It Is in Heaven» (übersetzt «Wie im Himmel») aus dem Jahr 2004 vermag auf anschauliche Weise zu vermitteln, was noch Himmel sein kann: wo Menschen glücklich sind, sie so sein können, wie sie sind: frei. Diesen Himmel suchen die Figuren der Geschichte, jede ihr eigenes Stück Himmel. Für die eine ist es die grosse Liebe, für die andere die Befreiung von der Gewalttätigkeit des Ehemannes … Den Himmel wird Gabriella, so wie es in einem Lied in diesem Film singt, irgendwo finden. Ein Stück davon erfährt sie aber auch schon in und durch die Gemeinschaft des Chores, in dem sie mitwirkt.

So gibt es wohl für jeden Menschen immer wieder Momente, Augenblicke und Erfahrungen, wo sich ein Stück des ersehnten Himmels auftut. Am 15. August hat die katholische Kirche das Hochfest Maria Himmelfahrt gefeiert. Sie gilt als Vorbild für viele Gläubige. Zuallererst zeigte Gott an ihr, was er auch für uns gedacht hat: dass wir alle einmal ganz und gar geborgen und aufgehoben sind bei ihm und in seiner allumfassenden Liebe.