«Weisst du noch, 1970 in Berlin?»: Ein Team aus Widnau nahm bei der internationalen Fernsehshow «Spiel ohne Grenzen» teil

Vor 50 Jahren nahm ein Team aus Widnau bei der internationalen Fernsehshow «Spiel ohne Grenzen» teil. Es wurde Vierter.

Benjamin Schmid
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Die Würfel sind gefallen. Nach intensivem Training wurden aus rund 40 Kandidaten die endgültigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die internationale Fernsehsendung «Spiel ohne Grenzen» selektioniert und mit dem von der Viscosuisse gestifteten einheitlichen Trainer eingekleidet.

Die Würfel sind gefallen. Nach intensivem Training wurden aus rund 40 Kandidaten die endgültigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die internationale Fernsehsendung «Spiel ohne Grenzen» selektioniert und mit dem von der Viscosuisse gestifteten einheitlichen Trainer eingekleidet.

Bild: Archiv

Die über 8000 Personen fassenden Zuschauertribünen vor der im gleissenden Licht der Fernsehscheinwerfer erstrahlenden Kongresshalle am Ufer der Spree waren hoffnungslos überfüllt. Eine spannungsgeladene Atmosphäre herrschte. Überall im Rund schwenkten Fangruppen aus halb Europa ihre Transparente und unterstützten ihre Lieblinge.

Singend und Spruchbänder schwenkend zogen die einzelnen Mannschaften an den Zuschauern vorbei. Es war ein imposantes und festliches Bild, als der Präsentator des «Spiels ohne Grenzen», punkt 21.05 Uhr am Bildschirm die Mannschaften einem Millionenpublikum vorstellte.

«Wer einen TV besass, sass davor und schaute zu»

Unter den 23 Athletinnen und Athleten war auch Walter Heule dabei. «Es war ein unvergessliches Erlebnis», sagt der 71-jährige Widnauer, «es war ein Abenteuer, an welches wir uns heute noch gerne erinnern.» Die meisten Sportler betraten zum ersten Mal ein Flugzeug. Berlin war in vier Besatzungszonen geteilt, und eine ganze Region fieberte am Bilderschirm mit. «Wer einen TV besass, sass davor und schaute zu», erinnert sich Walter Heule. Für Widnau war es das Ereignis des Jahres.

Die Freude, daran teilnehmen zu dürfen, hatte den Ärger über das durchschnittliche Abschneiden überwogen. Das «Spiel ohne Grenzen» hatte für Widnau doch seine Grenzen. Hinter den Vertretern aus Deutschland, den Niederlanden und Grossbritannien kam Widnau auf den vierten Platz. Noch vor den Mannschaften aus Belgien, Frankreich und Italien. «Wir hatten berechtigte Hoffnung, vorne mitmischen zu können», sagt Walter Heule, «obwohl wir zufrieden mit dem Ergebnis waren, hatten wir insgeheim mehr erhofft.»

14 Fässer brachten (v. l.) Armin Sieber, Markus Heule und Albert Heule als «Berliner Bierkutscher» ins Ziel.
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Bei der Generalprobe Erste, mussten sich Rosmarie Sieber und Wendelgard Heule bei den Giraffen geschlagen geben.
Erich Sieber (rutschend) und Pirmin Sieber verbuchten im Zwischenspiel auf der grossen Rutschbahn sieben Punkte.
Im vierten Spiel entschloss sich der Mannschaftsleiter zum Einsatz des Jokers. Seine beiden Bären, «alter» Heule (rechts) und Albert Heule (nicht sichtbar), schnitten als Zweitbeste ab und holten damit zehn wertvolle Punkte.
Der regierende Bürgermeister von Westberlin, Klaus Schütz (rechts), und der Widnauer Gemeindammann Hans Spirig.

14 Fässer brachten (v. l.) Armin Sieber, Markus Heule und Albert Heule als «Berliner Bierkutscher» ins Ziel.

Bild: Archiv

Mischung aus Sport- und Unterhaltungsshow

«Spiel ohne Grenzen» war eine in den 1960er- und 1970er-Jahren beliebte europäische Spielshow. Ausgewählte Städte traten mit ihren Mannschaften im internationalen Vergleich bei diversen, auch sportlich herausfordernden Geschicklichkeitsspielen gegeneinander an. In Berlin kamen neun Spiele zur Austragung: «Berliner Bierkutscher», «Berliner Polizist», «Die Giraffe», «Berliner Bär», «Die Hühner», «Die Frösche», «Berliner Originale», «Das Flusspferd» und als Zwischenspiel «Die grosse Rutschbahn». Die Kosten der Reise betrugen 400 Franken pro Teilnehmer. «Eine einmalige Gelegenheit, so billig für fünf Tage nach Berlin zu reisen», sagt Walter Heule.

Sie wollten gewinnen und seien ehrgeizig gewesen – und trotzdem stand das Erlebnis im Mittelpunkt. Laut Heule fehlte das Quäntchen Glück. Der Zufall habe bei allen Spielen eine entscheidende Rolle gespielt. «Die Gunst des Augenblicks war andern hold. Was macht’s? Berlin war eine Reise wert.»

Auch heute noch erinnern sie sich gerne daran und an den Vereinsabenden heisse es dann: «Weisst du noch, 1970 in Berlin?», sagt Walter Heule.