Weisser Säntis im Juli

In den Bergen ist der Winter zurück – und das mitten im Sommer. In der Nacht auf Donnerstag fielen auf dem Säntis zehn Zentimeter Neuschnee. Die Lawinengefahr steigt.

Raphael Bucheli
Drucken
Teilen

Jedes Jahr im Juli wird im Appenzellerland getanzt. Doch diese Woche tanzten für einmal nicht Männer und Frauen bei einer Alpstobete, sondern Schneeflocken auf dem Säntis. Gestern präsentierte sich der Säntisgipfel auf 2501 Metern über Meer in einem weissen Kleid. «Zehn Zentimeter Schnee sind es etwa», sagt Ruedi Manser, Wirt des Berggasthauses Alter Säntis.

Kein Schneetourismus

Auch auf dem Chäserrugg (auf 2262 Metern über Meer) liegt Schnee – circa fünf Zentimeter. «Bei schlechtem Wetter kommen weniger Tagestouristen zu uns. Dafür haben wir den Kamin angefeuert, und die winterliche Stimmung hält die Gäste länger im Lokal», sagt Sibylle Giger vom Gipfelrestaurant im Toggenburg.

«Der Schnee ist auf dem Säntis nichts Besonderes, im Durchschnitt fällt er hier jeden Sommer einmal. Familien und Reisegruppen, die eine Reise auf den Säntis geplant haben, kommen trotzdem», sagt Andreas Marty von der Säntis-Schwebebahn.

Dölf Dobler, Wirt des Berggasthauses Schäfler im Alpstein, stellt fest: «Keiner kommt extra wegen des Schnees zu uns.» Dobler sieht für Wandernde beim Aufstieg keine Gefahr durch den Schnee. Sein Restaurant sei auch bei Schnee geöffnet, sagt Dobler. Sepp Manser ist für die Wanderwege im Bezirk Schwende zuständig und gleichzeitig Wirt des Berggasthauses Meglisalp. Er sagt: «Ich sehe keine Veranlassung, die Wanderwege zu sperren. Bis zum Samstag wird der Schnee hoffentlich abgeschmolzen sein.»

Vorsicht an diesem Wochenende

Mit den wärmeren Temperaturen steigt in den Bergen allerdings die Lawinengefahr. Lukas Dürr vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos warnt vor Lockerschneelawinen, die aus dem Neuschnee entstehen können und die Absturzgefahr erhöhen: «Ich rate Wandernden davon ab, in der Zeit zwischen heute und morgen in frisch verschneitem Gelände, wo Absturzgefahr besteht, zu wandern.» Die Sonne und die steigenden Temperaturen würden den Schnee zum Schmelzen bringen und er werde sich an steilen Grasflanken und auf Felsplatten lösen, fügt der Lawinenexperte an. Deshalb ist Vorsicht geboten. Grund für den Wintereinbruch inmitten des Sommers ist ein Tiefdruckgebiet, das das Wetter in der Schweiz seit Montagmittag bestimmt. Kräftige Niederschläge sind die Folge. Hinzu kommen eine tiefe Schneefallgrenze und tiefe Temperaturen. In der Nacht auf gestern sank die Schneefallgrenze zum Teil auf 1600 bis 1800 Meter. Auch gestern lag die Grenze bei etwa 2000 Metern mit tiefen Temperaturen.