«Weinstube» ist bald wieder offen

Im Restaurant Weinstube war es die letzten zwei Monate dunkel. Nach der plötzlichen Schliessung steht bereits wieder eine Eröffnung mit neuen Pächtern bevor. Gleichzeitig steht die Liegenschaft zum Verkauf.

Hildegard Bickel
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«Die Leute im Dorf warten darauf, dass es mit der ‹Weinstube› weitergeht», sagt Geschäftsführer Robert Zünd (l.). Mit Pächter Bala So Thy begrüsst er die Gäste ab 1. Dezember im wiedereröffneten Restaurant. (Bild: hb)

«Die Leute im Dorf warten darauf, dass es mit der ‹Weinstube› weitergeht», sagt Geschäftsführer Robert Zünd (l.). Mit Pächter Bala So Thy begrüsst er die Gäste ab 1. Dezember im wiedereröffneten Restaurant. (Bild: hb)

Die «Weinstube» erlebt unruhige Zeiten. Maria Wüst, die zuletzt wirtete, musste den Gastro-Betrieb aus persönlichen Gründen aufgeben, und der Besitzer Bruno Ebneter will die gesamte Liegenschaft verkaufen. Trotz möglichem Besitzerwechsel herrscht im Restaurant eine zuversichtliche Stimmung. Robert Zünd und Bala So Thy werden die «Weinstube» wiedereröffnen. Voller Elan sind sie mit Reinigungsarbeiten beschäftigt, verhandeln mit Lieferanten und erwarten in den nächsten Tagen einen neuen Pizzaofen. Am 1. Dezember soll alles bereit sein für den Neustart.

Die beiden unterschrieben mit Bruno Ebneter einen Mietvertrag über drei Jahre. Robert Zünd als neuer Geschäftsführer und Bala So Thy als Pächter und Verantwortlicher in der Küche möchten an die erfolgreichen alten Zeiten des Gastro-Betriebs anknüpfen. «Mein Grossvater sass schon gern in der ‹Weinstube›», sagt Robert Zünd.

Saal steht zur Verfügung

Während Jahrzehnten war das Restaurant eine beliebte Adresse in Balgach. Wegen der guten Küche und den grosszügigen Räumen. Der Saal wurde regelmässig für Familienfeste und Vereinszusammenkünfte gebucht. Robert Zünd und Bala So Thy ist es ein Anliegen, den Saal ebenfalls für verschiedene Zwecke anbieten zu können. Im Dorf scheint man darauf zu warten. «Ich erhielt bereits mehrere Anfragen von Vereinen, ob der Saal reserviert werden kann», sagt Robert Zünd.

Ursprünglich war im Haus mit Baujahr 1919 eine Stickerei untergebracht, später entstand die Wirtschaft. 1936 übernahm die Familie Sonderegger die Führung des Restaurants. Diese Ära endete, als Marlene und Paul Sonderegger in den Ruhestand traten. Seit 2006 gab es mehrere Pächterwechsel und ein änderndes Angebot auf der Speisekarte, die gutbürgerliche Küche wurde mit Pizza ergänzt. Dieses Konzept wollen die neuen Pächter weiterführen und ein Weinsor­timent mit einheimischen wie auch ausländischen Tropfen anbieten. Bala So Thy betreibt bereits die Pizzeria Zorro in Rhein­eck sowie ein asiatisches Restaurant in St. Gallen. Er stammt aus Sri Lanka und lebt seit 1990 in der Schweiz. Erfahrung als Koch sammelte er unter anderem während zehn Jahren im Migros Restaurant in Gossau.

Robert Zünd, mit Balger Wurzeln, lebt in Wienacht-Tobel und war als Verkaufsleiter beim Näh- und Stickmaschinenhersteller Bernina tätig. «Eigentlich wollte ich nicht beizen», sagt er und lacht. Doch als ihm Bala So Thy, mit dem er seit Längerem bekannt ist, die Pläne für die Neueröffnung der «Weinstube» unterbreitete, stimmte Robert Zünd zu.

Auch wenn die rustikale Gaststube nicht abstreiten kann, in die Jahre gekommen zu sein, fühlen sich der Geschäftsführer und der Pächter wohl. «Als ich die ‹Weinstube› das erste Mal sah, gefiel sie mir sofort», sagt Bala So Thy. Sie übernehmen das Mobiliar und belassen die Einrichtung so, wie sie ist.

Zukunft der Liegenschaft ist ungewiss

Ein anderer möglicher Grund, von grösseren Investitionen abzusehen, ergibt sich aus dem Online-Verkaufsinserat der «Weinstube». Die Immobilienfirma, die im Auftrag von Besitzer Bruno Ebneter einen Käufer für die Liegenschaft finden soll, beschreibt das Objekt als «prädestiniert für den Umbau in ein modernes Wohn- und Geschäftshaus».

Bruno Ebneter unterschrieb zwar einen Mietvertrag mit den neuen Pächtern, doch wenn die Liegenschaft den Besitzer wechselt, bleibt offen, welche weiteren Interessen verfolgt werden. Vorerst freuen sich Robert Zünd und Bala So Thy darauf, die «Weinstube» beleben zu dürfen. Und einen Beitrag zu leisten, um das Beizensterben aufzuhalten.