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Weihnachtszeit, Familienzeit

Aus christlicher Sicht
Ingrid Grave
Familie in einer Zerreissprobe. (Bild: depositphotos/Mukhina1)

Familie in einer Zerreissprobe. (Bild: depositphotos/Mukhina1)

Die Weihnachtstage sind vorbei, die Familie bleibt. Weihnachten ist ein richtiges Familienfest, und Familie ist ein Beziehungsgeflecht, zu dem oft auch Freunde und Freundinnen gehören. In unseren Beziehungen dürfen wir uns gehalten fühlen, aber wir können auch daran leiden. Manchmal bis zur Zerreissprobe.

Mit der biblischen Weihnacht ist es ähnlich. Die ersten spontanen, vom Kind faszinierten Besucher waren Hirten, Menschen aus dem sozialen Abseits. Dass noch Weise aus dem Osten nach Bethlehem gekommen sind, erfahren wir nur beim Evangelisten Matthäus (2, 1 – 12). Es sollen Sterndeuter gewesen sein, hochgebildete Männer, die sich als Freunde des neugeborenen Kindes und seiner Eltern erwiesen haben. Seit ihrem Auftreten gehören auch sie irgendwie zur Familie. In der Volksfrömmigkeit und an unseren Krippen werden sie als Könige dargestellt, und sie haben in unserem Kalender einen festen Tag: 6. Januar.

Bis hierhin erscheint uns die junge Familie als einzige Idylle. Die Bibel jedoch deutet im weiteren Verlauf mehr als eine «Störung» an. Sie hält sich nicht allzu lange bei der Kindheit Jesu auf, während der die Eltern mindestens einmal ihren Sohn überhaupt nicht verstanden haben. Auf einer Pilgerreise nach Jerusalem haben sie ihn verloren, während drei Tagen verzweifelt gesucht, und der Zwölfjährige zeigt kein Verständnis für die Not der Eltern. Kennen nicht alle Eltern ähnliche Erfahrungen? Familie ist anstrengend. Der heute im Christentum hochverehrte Jesus hat als Erwachsener seine Herkunftsfamilie verlassen, ist eigene Wege gegangen. Als Wanderprediger zieht er umher, von den einen bewundert, von anderen abgelehnt. Wo steht die Familie? In den biblischen Texten finden wir Spuren von Spannungen: Seine Angehörigen sind gekommen, um ihn nach Hause zu holen, denn sie haben geglaubt, er sei von Sinnen (Mk 3, 21). Jesus hat sie stehen gelassen! Familie in der Zerreissprobe? Es werden etwa drei Jahre gewesen sein, in denen Jesu Familie sich mit dem aussergewöhnlichen Lebensentwurf dieses Sohnes auseinanderzusetzen hatte. Ohne sie zu fragen, dehnte er den Familienbegriff aus auf all jene Menschen, die den Glauben an einen lie­benden und verzeihenden Gott mit ihm teilten. Unabhängig von Blutsbanden und sozialer Stellung! Das ist die Herausforderung: Mich selbst hineinbegeben in das Beziehungsgeflecht einer einzigen grossen Menschheits­familie. Denn da will Gott einsteigen – durch uns.

Ingrid Grave

Dominikanerin in Zürich

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