Weggeworfenes wird Kunst

Der Umweltschutz ist Lorena Simone aus Oberriet wichtig; die Kunst ist ihr grosses Hobby. Mit ihren Kunstwerken aus Abfallprodukten verbindet sie beides.

Benjamin Schmid
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Lorena Simone und ihr Bruder Enea zeigen ein Abbild vom Kunstwerk «Musikzeremonie im Indianerdorf». Das Original wurde Pro Infirmis gesponsert. (Bild: Benjamin Schmid)

Lorena Simone und ihr Bruder Enea zeigen ein Abbild vom Kunstwerk «Musikzeremonie im Indianerdorf». Das Original wurde Pro Infirmis gesponsert. (Bild: Benjamin Schmid)

«Mir gefällt es, zu sehen, wie aus Abfallprodukten Kunstwerke entstehen», sagt die 14-jährige Schülerin. «Ausserdem sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt und die Möglichkeiten unerschöpflich.»

Dass die Endprodukte gleichzeitig als Kunstwerke und als Botschafter für Umweltschutz und Nachhaltigkeit dienen, wertet die 14-Jährige als zusätzlichen Pluspunkt. Seit sie sich erinnern kann, zeichnet und malt Lorena Simone in ihrer Freizeit. Bereits in jungen Jahren nahm sie mit ihren Kunstwerken an Wettbewerben teil und suchte den Vergleich mit anderen Hobbykünstlern. Vor drei Jahren kam sie erstmals mit Recyclingkunst in Kontakt. Gemeinsam mit ihrer Klasse nahm sie am nationalen Wettbewerb für Recyclingkunst teil, der seit 1997 von den beiden Recyclingorganisationen Igora und Ferro Recycling durchgeführt wird. Letztes Jahr nahm Lorena Simone zum ersten Mal in der Kategorie jugendliche Einzelkünstler teil, verpasste dabei aber den Sieg.

Viel Feingefühl erforderlich

Obschon Metallverpackungen wie Getränkedosen, Senftuben, Tierfutterschalen aber auch Kaffeekapseln aus Aluminium sowie Konservendosen und Schokoladenverpackungen robust wirken, bedarf es bei ihrer Verarbeitung Fingerspitzen– und Feingefühl. «Je feiner und detaillierter die Elemente sind, desto instabiler wird das Kunstwerk», sagt Lorena Simone. Letztes Jahr wurde ihr das zum Verhängnis. In diesem Jahr verarbeitete sie die filigranen Elemente besonders genau und gab ihnen eine stabile Grundstruktur. So war beispielsweise bei der Herstellung der Haare und Federn der Indianer, aber auch bei ihren Instrumenten äusserste Vorsicht geboten. «Ein Jahr habe ich am Kunstwerk gearbeitet», sagt die Künstlerin. Meistens bastelte sie nach der Schule und an den Wochenenden.

Musikzeremonie im Indianerdorf

«Meine Familie und meine Freundinnen haben mir beim Sammeln der Recyclingmaterialien geholfen», sagt die Oberrieterin. Kaum war das Wettbewerbsthema «Wilder Westen» veröffentlicht, kamen der 14-Jährigen viele Ideen in den Sinn.

«Mir war klar, dass ich etwas mit Indianern machen wollte, mit Tipis, einer Feuerstelle und Musikinstrumenten.» So wurde das Kunstwerk mit der Zeit immer konkreter und detailreicher. Trotz des grossen Aufwands haben sich die Mühen gelohnt. Lorenas «Musikzeremonie im Indianerdorf» setzte sich gegen 167 andere Kunstwerke durch und wurde zusammen mit 34 weiteren Projekten ausgezeichnet. Als Lohn gab es an der Preisverleihung in Knies Kinderzoo ein Goldvreneli im Wert von 250 Franken. «Ich habe bis zuletzt gezittert», sagt Lorena Simone und fügt hinzu: «Gegen Ende der Preisverleihung habe ich die Hoffnung auf den Sieg begraben.» Umso erstaunter war sie, als ihr Kunstwerk doch gekürt wurde. Ihre Freude war riesig und die Eltern sichtlich stolz. Nebst der Anerkennung für ihre Leistung durfte die angehende Fachfrau Betreuung viele Erfahrungen sammeln, die ihr künstlerisches Handwerk verbessern. «Besonders schön finde ich, dass die Organisatoren für jedes Kunstwerk 70 Franken an Pro Infirmis spendeten», sagt die 14-Jährige. «Die Teilnahme war erfolgreich und hat enorm Spass gemacht.» Ob sie bei der 22. Durchführung des Wettbewerbs wieder teilnehmen wird, weiss Lorena Simone noch nicht.