Wegbereiter der Jungtrainer

FUSSBALL. Nach fünfeinhalb Jahren als Chef- und vorher vier Jahren als Co-Trainer ist Misko Rankovic als Trainer des FC Widnau zurückgetreten. Damit endet eine Trainer-Amtszeit abrupt, die erfolgreich verlaufen ist wie lange vor ihr keine im Rheintal.

Yves Solenthaler
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Misko Rankovic Trainer des FC Widnau von Juni 2010 bis Oktober 2015. (Bild: Ulrike Huber)

Misko Rankovic Trainer des FC Widnau von Juni 2010 bis Oktober 2015. (Bild: Ulrike Huber)

Zum Zeitpunkt der Trennung dominiert das Negative. Dass Widnau sechs der letzten sieben Spiele verloren hat, dass einige Stammspieler dramatisch ausser Form sind. Und hat die Mannschaft etwa im Heimspiel gegen Uzwil nicht das nötige Feuer vermissen lassen? Der Rücktritt von Misko Rankovic zeugt von Grösse – und er dürfte ihm einen würdigen Abschied vom FC Widnau ermöglichen. Aber der freiwillige Abgang war auch konsequent: Rankovic war nicht mehr in der Lage, das Ruder herumzureissen.

Obschon er das mit Widnau schon einige Male geschafft hatte. Und zwar so erfolgreich, dass in fünf Saisons der 2. Liga inter nur einmal ein Rang ausserhalb der Top 5 heraussprang. In 141 Meisterschaftsspielen war Rankovic für das Fanionteam des FC Widnau verantwortlich – man kann das eine Ära nennen. 65 Siege hat der FCW unter Rankovics Leitung errungen. 297 Tore schossen seine Spieler, mehr als 2,1 Treffer pro Spiel. Über einen so langen Zeitraum ist das ein beeindruckender Wert. Er steht für Offensivfussball, den Rankovic mit Widnau immer anstrebte und meist auch aufführte. In den über 1,8 Gegentoren pro Spiel steckt allerdings der Wert, der verdeutlicht, warum Widnau nie aufgestiegen ist.

Dennoch: Fünf Saisons an der Spitze der 2. Liga interregional hat noch nie ein Rheintaler Verein erlebt. Seit Widnau als letzter – und zweiter Rheintaler Vertreter nach Altstätten – in der 1. Liga gespielt hat, sind inzwischen mehr als 15 Jahre vergangen. Der Vergleich mit früheren Jahren ist ein bisschen irreführend, weil weitere Spielklassen eingeschoben worden sind. Aber Rankovic trainierte unbestritten während fünf Jahren einen Verein, der auf einem Niveau spielte, wie vorher lange keiner in der Region.

Vor seiner Zeit als Cheftrainer war Misko Rankovic lange Spieler und dann während vier Jahren Co-Trainer der ersten Widnauer Mannschaft. Jeder, der in den letzten zehn Jahren für Widnau spielte, hat mit Rankovic gearbeitet. Widnau hatte zumindest zu seiner Zeit als Cheftrainer keine grossen personellen Umbrüche – mir fallen spontan vier, fünf Akteure ein, als junge Spieler im Fanionteam schon Rankovics Bekanntschaft machten. Trainerarbeit ist zu einem grossen Teil Überzeugungsarbeit, und die fällt schwerer, je besser die Spieler die Ansprachen des Übungsleiters durchschauen – was mit der Zeit zwangsläufig der Fall ist. Das Repertoire eines Trainers kann noch so gross sein, unbegrenzt ist es nie.

Der beschriebene nahtlose Aufstieg vom Spieler zum Co- und schliesslich zum Cheftrainer zeigt, dass der Interregio-Verein Widnau Rankovics erste Trainerstelle war. Das war vor über fünf Jahren ein von vielen als mutig bezeichneter Entscheid des vor zweieinhalb Jahren verstorbenen Sportchefs Marco Zillig. Inzwischen kann man sagen, dass die Inthronisierung von Misko Rankovic wegweisend gewesen ist.

Denn seine Erfolge und auch seine Haltung – beim Amtsantritt war es Rankovics wichtigste Botschaft, dass es bei Widnau nicht mehr so viele Wechsel geben solle – sind auch bei benachbarten Fussballvereinen registriert worden. Plötzlich waren junge Trainer weniger ein Risiko als eine Chance. Daran haben auch einige Trainerkollegen von Rankovic ihren Anteil, aber keiner war dauerhaft erfolgreich wie der Widnauer Übungsleiter.

Ohne es angestrebt zu haben, ist Misko Rankovic somit zum Wegbereiter einer neuen Trainer-Generation in der Region geworden: Bei Montlingen, Altstätten, Diepoldsau, Rüthi, Staad und Heiden sind aktuell in der ersten Mannschaft Übungsleiter beschäftigt, die auf ihrer ersten Trainer-Station im Aktivfussball sind.

Ob auch der FC Widnau wieder einem Neuling das Vertrauen gibt, wird sich erst in den nächsten Tagen weisen. Bis dahin stapeln sich die Bewerbungen bei Sportchef Markus Hutter: Der FC Widnau mit dem (derzeit schlummernden) Potenzial einer Interregio-Spitzenmannschaft ist für viele ambitionierte Trainer ein attraktiver Verein.

Dasselbe gilt allerdings auch für den Trainer, der nach der 1:3-Niederlage gegen St. Margrethen zurückgetreten ist: Misko Rankovics erste Trainerstelle dürfte nicht die letzte gewesen sein.

yves.solenthaler @rheintalmedien.ch