«Weg von mir, Satan!»

Harte Jesusworte finden sich in den Evangelien eine ganze Reihe, doch das vom morgigen Sonntag ist eindeutig das extremste.

Christoph Klein Altstätten
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Harte Jesusworte finden sich in den Evangelien eine ganze Reihe, doch das vom morgigen Sonntag ist eindeutig das extremste.

Jesus bezeichnet Petrus im Streit als «Satan». Vorausgegangen war, dass dieser Jesus Vorwürfe gemacht hatte, als Jesus sagte, der Menschensohn müsse leiden und getötet werden und werde nach drei Tagen auferstehen.

«Weg von mir, Satan!» sind mit Sicherheit Worte des historischen Jesus, denn so einen Satz wird der Autor des Markusevangeliums nicht erfunden haben. Weiter sagt Jesus zu Petrus: «Denn du denkst nicht, was Gott will, sondern was die Menschen wollen!»

Auch im Abstand von zwei Jahrtausenden ist es geradezu erschreckend, wie klar Jesus das kommende Leiden und Sterben als Willen Gottes begriffen hat.

Warum? War ein Opfer nötig, damit die Schuld der Welt gesühnt wurde? Dies ist die klassische und zugleich einfachste theologische Erklärung. Doch: Was ist das für ein Gott, der darauf angewiesen ist, dass sein Mensch gewordener Sohn zu Tode gefoltert wird, um den Menschen ihre Schuld vergeben zu können?

Predigte Jesus denn nicht, dass Gott bedingungslos vergibt – wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn? Und: Liegt in der klassischen Erlösungslehre nicht auch das Problem, dass man sich heute bequem zurücklehnen kann, da das Entscheidende Ja vor zwei Jahrtausenden in einem anderen Land passiert ist?

Heute hört man in den Predigten meist, dass Jesus eben seiner Botschaft treu geblieben sei bis zum bitteren Ende. Doch das ist gar nicht so leicht: Denn treu geblieben wäre Jesus seinen Worten und Taten auch, wenn er nach dem letzten Abendmahl normal in seine Unterkunft auf dem Ölberg gegangen wäre, statt im Garten Getsemani stundenlang auf seine Verhaftung zu warten. Ein anderer Ansatz: Jesus wollte, dass sich die Aggression an ihm ein- für allemal totläuft. Dies scheint eindeutig nicht geklappt zu haben, wie schon ein kurzer Blick auf andere Seiten dieser Zeitung zeigt.

Oder aber: Er stellte sich solidarisch an die Seite aller Leidenden, und erst in der Extremsituation seines Leidens und Sterbens kam sein Vertrauen zum Vater im Himmel zu seiner letzten Entfaltung – wobei das «Mein Gott, warum hast du mich verlassen?» am Kreuz gefolgt wurde von «Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist».

Und, damit zusammenhängend: Jesus musste sterben, damit der Vater dieses unbedingte Vertrauen bestätigen, ihn also auferwecken konnte. Dies ist zumindest ein Ansatz, der im Heute trägt, da der leidende Mensch Jesus an seiner Seite weiss und wie Jesus das Vertrauen wagen darf.

Trotzdem aber bleibt die Frage nach dem Wozu des Leidens prinzipiell unbeantwortbar – womit das Leid noch zusätzlich ernster wird. Klar ist nur: Der historische Jesus sah darin einen unbedingten Sinn, und: Leid und Tod hatten nicht das letzte Wort.