Weber platzt der Pelzkragen

Der Tierschützer Erwin Kessler hat für heute bei Mode Weber in St. Gallen wieder eine Flugblattaktion gegen Pelzmode angekündigt. Erich Weber kann das nicht verstehen.

Daniel Wirth
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«Die Pelze sind von kanadischen Kojoten, wild gefangen, ohne Fallen»: Erich Weber findet die angekündigte VgT-Aktion «unverhältnismässig». (Bild: Ralph Ribi)

«Die Pelze sind von kanadischen Kojoten, wild gefangen, ohne Fallen»: Erich Weber findet die angekündigte VgT-Aktion «unverhältnismässig». (Bild: Ralph Ribi)

Der im Rheintal aufgewachsene 52-jährige Erich Weber will sich vom bekannten Thurgauer Tierschutz-Aktivisten Erwin Kessler nicht schon wieder in die Tierquäler-Ecke schieben lassen. Was heisst schon wieder? Die Vorgeschichte: Bereits im vergangenen Jahr nahm Kessler ein sehr provokatives Inserat aus Tierschutzkreisen, das mit «Weber»-Logo im «Tagblatt» erschienen war, zum Anlass, Mode Weber wegen des Verkaufs von Pelz aus Fallenjagd und Käfighaltung anzuprangern – medienwirksam, das ist bei Kessler Programm. Am 20. Dezember 2014 verteilte er auf dem Trottoir vor dem St. Galler Modehaus Weber Flugblätter. Polizisten der Stadtpolizei führten ihn ab. Daraufhin erstattete Kessler Anzeigen gegen die Polizei und gegen die Stadt St. Gallen. Die Verfahren sind hängig. Kessler wirft den Behörden vor, die Verfahren zu verschleppen.

Aktion gegen die Polizei?

Abgeführt wurde Kessler im vergangenen Jahr nicht, weil er ohne Bewilligung als Einzelperson Flugblätter verteilt hatte, sondern weil er mit seiner Aktion an der stark befahrenen St. Leonhard-Strasse die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gefährdete, wie es bei der Stadtpolizei heisst. Diese Woche hat Kessler wieder eine Anti-Pelz-Aktion angekündigt und stellt die Frage: «Kommt es wieder zu einem gewalttätigen Einsatz einer Polizeitruppe?» Man werde sehen. Genau diese Formulierung Kesslers kann Erich Weber nicht nachvollziehen. «Der Verein gegen Tierfabriken will auf unserem Rücken die Stadtpolizei beüben.» Webers Eindruck kommt nicht von ungefähr, denn in Kesslers angekündigter Aktion geht es vor allen Dingen um die Polizei und nicht um Pelze. Kessler sagt dazu: «Die Flugblatt-Aktion richtet sich gegen Pelzmode und gegen Mode Weber.» Erich Weber versteht nicht, weshalb sein 1919 gegründetes Familienunternehmen erneut vom Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT) angeprangert wird. «Wir haben noch nie gegen die Tierschutzgesetzgebung verstossen und stets vorschriftsgemäss deklariert.» Zudem verkaufe er keine eigentliche Pelzmode. Er habe nur ganz wenige Jacken im Angebot, die mit einem Pelzkragen oder einer Pelzkapuze ausgestattet seien. Von diesen Krägen oder Kapuzen seien die allermeisten aus Kunstpelz. Er verkauft auch Jacken mit Kragen aus Fell von geschlachteten Lämmern, Strickmützen mit einem Bommel aus Fuchsfell aus Schweizer Jagd und Parkas mit Kragen mit Fell von Kojoten aus einem kanadischen Wildfang-Projekt ohne Fallen. Ein italienisches Hochpreis-Label hat Erich Weber, als dieser auf Einkaufstour war, versichert, seine Jacken hätten Krägen mit Fell aus dem kanadischen Kojotenkontingent. Weber kaufte sechs Jacken. Als er in Italien, sensibilisiert durch Kesslers letzte Aktion, nachhakte und ein Zertifikat einforderte, wurde er hingehalten. Er erhielt es nie. Weber hängte die Jacken an Ständer und deklarierte, das Fell sei von wild gefangenen Kojoten; es könnte aber auch aus Fallenjagd oder Käfighaltung stammen. «Zu dieser Deklaration bin ich verpflichtet», sagt er. Auf die Frage, warum er die Jacken dem Hersteller nicht zurückgegeben habe, antwortet Weber: «Ich lasse mich wegen sechs Jacken nicht von Kessler erpressen. Wir verkaufen eine halbe Million Teile im Jahr.»

VgT schadet Mode Webers Ruf

Weber nimmt an, dass Kessler noch nie in einem seiner Läden war, und versichert, bei Mode Weber würden ganz bewusst keine Kleider mit Pelzen von Tieren aus Käfighaltung oder Fallenjagd verkauft. «Das wollen wir nicht und das will unsere Kundschaft nicht.» Die VgT-Aktion schade Mode Webers Ruf.

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