WALZENHAUSEN: Viel Bauland wird ausgezont

Aufgrund der neuen Raumplanungsgesetzgebung wird Walzenhausen künftig als Bauland gewidmete Grundstücke auszonen müssen. An einer Podiumsdiskussion wurde die Bevölkerung über Gründe und Vorgehensweise informiert.

Gerhard Huber
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Moderator Felix Mätzler gab dem Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen und Stellung zu beziehen. (Bild: Ulrike Huber)

Moderator Felix Mätzler gab dem Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen und Stellung zu beziehen. (Bild: Ulrike Huber)

WALZENHAUSEN. Im März 2013 hat die Schweizer Stimmbevölkerung mit 63 Prozent einem revidierten Raumplanungsgesetz zugestimmt, mit dem das Wachstum des Siedlungsgebietes wirksam beschränkt werden und keine zusätzliche Baufläche mehr gewidmet werden soll. Gallus Hess, Leiter der kantonalen Raumentwicklung für Appenzell Ausserrhoden referierte in der gut besetzten MZH über die sich daraus ergebenden Konsequenzen für Kanton und Gemeinden, besonders natürlich für Walzenhausen.

Neuer kantonaler Richtplan

Denn die Vorarbeiten für den neuen kantonalen Richtplan haben ergeben, dass Walzenhausen etwa neben Wolfhalden und Trogen zu den insgesamt sieben Gemeinden gehört, in denen der Bestand an gewidmeten Bauflächen die Nachfrage weit übersteigt. Was bedeutet: Walzenhausen wird 4,5 ha Bauland auszonen müssen. Das heisst, diese Grundstücke werden wieder in Landwirtschaftsgebiet rückgewidmet. Was natürlich mit einem erheblichen Wertverlust einhergeht. Ohne Entschädigungspflicht durch die Gemeinde, jedenfalls für nicht baureif gemachte Grundstücke.

Baulandhortung ist vorbei

«Die Zeiten der Baulandhortung sind passé», betonte Gemeindepräsident Hansruedi Bänziger daher auch in seinem Eingangsstatement, «da wir wissen, was für ein schwieriges Thema auf uns zukommt, wollten wir möglichst früh mit dem Planungsprozess anfangen und starten heute mit dieser Informationsveranstaltung.» Bänziger betonte auch, dass letztlich die Bevölkerung über einen neuen, vom Gemeinderat erarbeiteten Zonenplan abstimmen muss. Dass in diesem Ortsplanungsprozess auch eine grosse Chance für die Gemeindeentwicklung von Walzenhausen liege, darüber waren sich alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. Christoph Bernet, Fachanwalt für Bau- und Immobilienrecht, gab sich überzeugt, dass von der bis 2020 durchzuführenden Auszonung auch positive Impulse ausgehen. Bauland werde vielleicht mobiler und leichter in den Handel kommen. Auch gerate das Problem der mangelnden Erschliessung des derzeitigen Walzenhauser «Baulandflickenteppichs» verstärkt in den Fokus.

Aktive Bodenpolitik nötig

Gemeindepräsident Bänziger stimmte mit Anwalt Bernet darin überein, dass seine Gemeinde aktiver in Sachen Bodenpolitik werden muss und die Anzahl vor allem der verfügbaren Mietwohnungen gesteigert werden soll. Bei einer Gemeinde mit 1300 Arbeitsplätzen und einer seit Jahrzehnten stabilen Einwohnerzahl von 2000 ist von vielen Pendlern und damit potenziellen Wohnraum-Interessenten auszugehen. Das enthebt aber nicht von der Kernfrage des ganzen Planungsvorgangs der nächsten Jahre, die Bänziger treffend formulierte: «Was wird mit jenen Leuten, deren Grundstück nichts mehr wert ist?» Es steht noch viel Arbeit mit zahllosen Gesprächsrunden bevor. Raumplaner Alex Müller brachte es auf den Punkt: «Gelungene Raumplanung kann letztlich nur mit der Bevölkerung und nicht gegen sie erfolgen.»

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