Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WALZENHAUSEN: Der Rheinburg-Retter tritt ab

Seit 23 Jahren prägt Martin Rutz die Rheinburg-Klinik. Nun geht der langjährige Chefarzt und Teilhaber in Pension. Einfluss auf sein Lebenswerk hatte der Niedergang der Ausserrhoder Kantonalbank.
Jesko Calderara
Carmen Lienert löst Martin Rutz als Chefärztin der Rheinburg-Klinik ab. (Bild: PD)

Carmen Lienert löst Martin Rutz als Chefärztin der Rheinburg-Klinik ab. (Bild: PD)

Jesko Calderara

Das Büro mit Blick auf den Bodensee ist seit Tagen fast vollständig geräumt. Man mag es kaum glauben, dass Martin Rutz nun pensioniert wird. Erzählt der Chefarzt von den Anfängen und Besonderheiten «seiner» Rheinburg-Klinik, ist noch immer viel Leidenschaft spürbar. Beim Rundgang durch die geschichtsträchtigen Räume in Walzenhausen wird der Abgang jedoch allgegenwärtig, vor allem wenn sich Rutz Angestellten zur Ver­abschiedung ankündigt. Dann schwingt beidseits Wehmut mit. Am Mittwoch letzter Woche hatte der 65-Jährige offiziell seinen letzten Arbeitstag.

«Ich höre auf dem Höhepunkt auf», sagt Rutz. Er gehe mit Genugtuung und Dankbarkeit. Weitaus turbulenter war demgegenüber sein Start im Appenzeller Vorderland. Die Kantonalbank Appenzell Ausserrhoden (ARKB) baute das ehemalige Erziehungs- und Unterrichtsinsti­-tut sowie das Hotel 1992 zu einer Schmerzklinik um. Nach zwei Jahren war diese bereits am Ende. Über einen Headhunter kam der Kontakt zu Martin und Louise Rutz zustande. Er baute damals den Bereich Neurorehabilitation der Rheumaklinik Zurzach auf, sie war eine Physiothe­rapeutin mit internationalem Ruf.

Der Schritt zum Unternehmer

1995 übernahm das Ehepaar die Leitung der Rheinburg-Klinik. «Wir starteten mit 30 Mitarbeitern, aber ohne Patienten», erinnert sich Rutz. Doch eines hatten er und seine Frau: eine Philosophie. Ihr Konzept besteht aus einem integrativen Neuroorthopädischen Therapieansatz. Dabei werden Aspekte wie das Bewegungsprogramm im Hirn mit der motorischen Ausführung und dem Verhalten vereint. Die Klinik in Walzenhausen setzte schweizweit als Erste auf diese Karte. Bald stellte sich der Erfolg ein.

Nur wenige Monate nach dem Start kam eine nächste Hürde dazu. Die in Schieflage geratene ARKB musste sich vor dem Verkauf an die Schweizerische Bankgesellschaft vom Gesundheitsbetrieb trennen. Rutz griff zu und erwarb die Betreibergesellschaft mit Emil Ramsauer. Ein Jahr danach stieg Beat Voegeli ein. 1999 kauften sie auch die Immobilie. Später löste Erich Walser, der mittlerweile verstorbene, frühere Helvetia-Chef, Ramsauer als Verwaltungsratspräsident und Miteigentümer ab.

Weitere Meilensteine waren 2000 die Erweiterung des bestehenden Gebäudes um ein Therapiepavillon und die Eröffnung eines ambulanten Rehazentrums in St. Gallen ein Jahr darauf. Auch damit leistete Rutz mit seinem Team Pionierarbeit. Der letzte Ausbauschritt erfolgte 2010 mit einer Station unter dem Parkhaus. Heute verfügt die Rheinburg-Klinik über 64 Betten und beschäftigt 185 Mitarbeitende. Die Patienten stammen zu einem erheblichen Teil aus den Kan­tonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden. Es sind Menschen, die beispielsweise nach einer Hirnverletzung den mühsamen Weg zurück in den Alltag bestreiten müssen. Ein Wellness-Urlaub erwartet sie in Walzenhausen allerdings nicht. Vielmehr bestimmen die Therapiemassnahmen den Aufenthalt. Als Erfolgsfaktor seiner Tätigkeit nennt Rutz die starke Fokussierung auf fachliche Qualität. Zudem erwähnt er den «Charm-Effekt». Diese positive Einstellung versuchte Rutz jeweils auf die Patienten zu übertragen. Weggefährten erwähnen in diesem Zusammenhang die starke Aus­- strahlung und Persönlichkeit des Ehepaars Rutz als entscheidenden Punkt. Profitiert hat die Klinik auch von der Einführung der neuen Spitalfinanzierung. Mit den Fallpauschalen fallen die Spitalaufenthalte kürzer aus, was zu einem höheren Bedarf an Rehabilitationsmöglichkeiten führt.

Carmen Lienert als Nachfolgerin

Fast lehrbuchmässig hat Martin Rutz die Nachfolge geregelt. Neue Chefärztin wird Carmen Lienert, die sich als seine Stellvertreterin seit zwei Jahren in ihre neue Funktion eingearbeitet hat. Im Dezember 2014 haben die bisherigen Aktionäre ihre Anteile der Stiftung Kliniken Valens verkauft.

Für Rutz beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Fortan will er sich mehr seinen Hobbys widmen. Dazu gehören das Zaubern, Klavier spielen und Dressurreiten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.