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Wald verträgt keine Kurzarbeit

Im aktuellen Holzmarktbericht empfehlen die Waldwirtschaftsverbände «dringliche Massnahmen», unter anderem Kurzarbeit für Personal in den Forstbetrieben.
Kurt Latzer
Zurzeit sind die Forstarbeiter auf Aufträge von Privatpersonen oder Firmen angewiesen. Der Holzmarkt ist übersättigt. (Bild: Archiv/Kurt Latzer)

Zurzeit sind die Forstarbeiter auf Aufträge von Privatpersonen oder Firmen angewiesen. Der Holzmarkt ist übersättigt. (Bild: Archiv/Kurt Latzer)

Die Stürme Burglind Anfang Jahr und Vaia im Herbst belasten die wegen sinkender Holzpreise bereits arg gebeutelten Waldbesitzer noch mehr. Die monatelange Trockenheit und der stetig zunehmende Borkenkäferbefall haben die Waldschäden beträchtlich gemehrt. Die dadurch nötige Zwangsnutzung belastet laut den Verbänden den Nadelholzmarkt und habe ihn teilweise sogar zum Erliegen gebracht. Die Lager der Sägewerke seien voll und könnten bis zum Frühling wenig zusätzliches Holz übernehmen.

Die Waldwirtschaftsverbände schlagen deshalb vor, die Nutzung von frischem Nadelholz, abgesehen von Bestellungen, einzustellen. Waldeigentümer sollten sich auf geschwächte oder käferbefallene Fichtenbestände konzentrieren. Sie sollten kein Nadelholz ab Stock verkaufen oder an Unternehmer vergeben und auf Laubholz oder Brennholzsortimente ausweichen, soweit der Absatz garantiert sei. Forstbetriebe sollten auf Drittarbeiten ausweichen oder «für ihr Personal Kurzarbeit anmelden».

Arbeit hat es genug, dank Privataufträgen

Bei der Rheintal Forst AG arbeiten vier gelernte Forstwarte, zwei Lernende sowie der Leiter. «Für uns kommt Kurzarbeit nicht in Frage», sagt Josef Benz, Geschäftsführer der Rheintal Forst AG in Lüchingen. Die Mitarbeiter rüsteten zurzeit an verschiedenen Orten Käfer- und Schneebruch-Holz auf. Zudem arbeiteten sie laufend für Privatpersonen. Arbeit habe es genug, anfangs Frühjahr stehe die Schutzwaldpflege an, für zehn Waldbesitzer in Berneck stehe an Quellen und Wanderwegen ein Sicherheitsholzschlag an.

«Wir bringen sehr wenig Holz auf den Markt und beschränken uns auf bestehende Holzlieferaufträge», sagt der Revierförster. Die Nachfrage nach Brennholz sei rege und sehr erfreulich.

Schneebruchholz sei in den letzten Tagen einiges angefallen, vor allem an Strassen oder anderen Orten, die Fuss- oder Velowege gefährden. «Die meisten Einsätze hatten wir in Rebstein und Balgach. In höhere Lagen sind wir noch nicht gekommen, da liegt viel zu viel Schnee», sagt Josef Benz.

Durften keine Kurzarbeit anmelden

Vorläufig genug Arbeit haben auch die Angestellten der Forst Rüthi-Lienz AG. Geschäftsführer Sascha Kobler: «Wir haben Aufträge, Drittarbeiten, die wir Januar und Februar erledigen können, etwa für SBB und Axpo.» Abgesehen davon gebe es aber schon Probleme. Kurzarbeit habe man noch nie anmelden müssen. «Einmal wollten wir das im Winter 1999, in dem sehr viel Schnee fiel, aber wir bekamen keine Bewilligung», sagt Kobler.

Damals existierte die Forst Rüthi-Lienz AG noch nicht. Man gab den Forstleuten zu verstehen: «Ortsgemeinden dürfen keine Kurzarbeit anmelden.» Ob Kurzarbeit mit der heutigen AG möglich wäre, weiss der Geschäftsführer nicht, «ich muss mich da erst einmal schlau machen», sagt Sascha Kobler. Ausser ihm arbeiten bei Forst Rüthi-Lienz drei Forstwarte und ein Lernender.

«Auf dem Nadelrundholz-Markt ist momentan alles dicht. Rundholzschläge erledigen wir nur noch nach Auftrag», sagt Sascha Kobler. Vor Weihnachten sei man mit dem Rüsten von Brennholzlieferungen gut beschäftigt gewesen, ebenso mit Aufträgen von Privathaushalten. «Wir dürfen uns nicht beklagen, obschon die Aufträge hin und wieder sehr kurzfristig eingehen», sagt der Revierförster mit einem Lächeln. Schneebruchholz habe er noch nicht viel gesehen, dies könne sich wegen der zu erwartenden Lawinen in den Gebieten Plona und Oberkamor aber ändern.

Mehr Sorge bereitet dem Geschäftsführer der Forst Rüthi-Lienz AG die fernere Zukunft. «Wenn wir diesen Sommer noch einmal so viel Borkenkäferholz dazubekommen wie bisher, ist nächsten Herbst wieder nichts mit der Holzerei», sagt er. Auch der trockene Sommer sei dem Geschäft abträglich gewesen. «Wenn wir 2019 eine ähnlich anhaltende Trockenheit hätten, könnten Baumbestände fast flächig verdorren», sagt Sascha Kobler. Tragisch wäre dies auch für die Schutzwälder, in denen dann die älteren, stabilen Bäume fehlten. Geraten die Holzpreise noch mehr unter Druck, bei gleichzeitigem Rückgang von Drittaufträgen für die Forstteams, könnte es problematisch werden. Ob Kurzarbeit dann die richtige Lösung ist, bleibt abzuwarten.

Fraglich bleibt, ob die Pflege der Schutzwälder Kurzarbeit verträgt, oder ob die öffentliche Hand für die Schutzwaldpflege mehr finanzielle Mittel freistellt. Einzelne Gemeinden im St. Galler Rheintal leisten bereits Beiträge für Pflegearbeiten.

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