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WAHL IST IM MÄRZWAHL IST IM MÄRZ: Witschi brachte Ruhe in die Kirche

Neun Jahre lang präsidierte Käthi Witschi die reformierte Kirchgemeinde. An der Bürgerversammlung wird sie verabschiedet. Ihre Bilanz fällt positiv aus. Dennoch übergibt sie Pendenzen.
Monika von der Linden
«Jetzt kann ich auf die Kirchgemeinde schauen, stecke nicht mehr so tief in den vielfältigen Aufgaben», sagt Käthi Witschi auf der Empore der evangelischen Kapelle Widnau. Deren Sanierung und Erweiterung war eine ihrer ersten Aufgaben im Amt. (Bild: Monika von der Linden)

«Jetzt kann ich auf die Kirchgemeinde schauen, stecke nicht mehr so tief in den vielfältigen Aufgaben», sagt Käthi Witschi auf der Empore der evangelischen Kapelle Widnau. Deren Sanierung und Erweiterung war eine ihrer ersten Aufgaben im Amt. (Bild: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Als die Diepoldsauerin Käthi Witschi das Kirchenpräsidium im Jahr 2009 übernahm, hatte Evangelisch Diepoldsau-Widnau-Kriessern unruhige Zeiten durchlebt: Das Präsidium war lange Zeit nur interimistisch besetzt, der Pfarrer von Widnau und Kriessern sowie der in Diepolds­au hatten gekündigt. Ausserdem stand die Vorlage zum Um- und Erweiterungsbau der Kapelle in Widnau kurz vor der Abstimmung. Per Ende Mai gibt Käthi Witschi jetzt ihr Amt ab.

Als Sie vor neun Jahren antraten, gehörten Sie noch nicht der Kirchenvorsteherschaft an. Warum übernahmen Sie gleich die Leitung der problematischen Gemeinde?

Käthi Witschi: Wir hatten keine Probleme, wir hatten Herausforderungen. Genau das motivierte mich. Es war eine interessante Aufgabe, die Kirchgemeinde zu stabilisieren. Das entspricht meiner Stärke und dies war wichtig, als ich kam. Erfahrung in der Exe­kutive hatte ich zuvor zehn Jahre lang als Gemeinderätin in Diepoldsau gesammelt. Die Kirchbürger aller Dörfer brachten mir von Anfang an grosses Vertrauen entgegen und zogen mit. Es war sogar gut, einen Kaltstart zu haben. Wer von aussen kommt, den trifft keine Schuld.

Jetzt treten Sie ab. Bezeichnen Sie die Stabilisierung als gelungen?

Ja. Die Kirchgemeinde ist in einem guten Zustand. Alle Gebäude haben wir auf Null abgeschrieben. Ich werde 64 Jahre alt und gehe bald in Pension. Jetzt kann jemand kommen, der kreativer ist als ich und weniger der Verwalter. Mit Thomas Widmer (siehe Kasten) stellt sich ein geeigneter Kandidat zur Verfügung.

Welche Aufgabe bereitete Ihnen die grösste Mühe?

Manchmal kam das Pastorale zu kurz. Mit Kirchbürgern aus drei Dörfern bilden wir eine der grösseren Kirchgemeinden in der Kantonalkirche. Da konnten wir leider nicht auf alles vertieft eingehen. Manchmal komme ich mir vor wie eine Tellerjongleurin. Sobald sich alle Teller drehen und ich mich zurücklehnen möchte, beginnt sicher ein Teller zu eiern. Die Vielfalt der Aufgaben haben die Katholiken besser verteilt.

Sie meinen das duale System.

Genau. Bei den Katholiken kümmert sich der Pfarreirat um pastorale Belange. Dem Verwaltungsrat obliegen Finanzen, In­frastruktur und Mitarbeitende. Die Vorsteherschaft der Reformierten ist für all das allein verantwortlich.

Der Glockenstreit in Die­poldsau ist seit zwei Jahren im Gang. Die Wädenswiler Glocken dürfen laut Bundesgericht nachts weiter läuten. Wie beeinflusst das Urteil Ihr weiteres Vorgehen?

Wir wissen es noch nicht. Seit etwa einem halben Jahr erwar-ten wir die Reaktionen der Beschwerdeführer und der politischen Gemeinde. Beim Tagläuten liegen wir in der Toleranz. Weil es als erwiesen gilt, dass nächtliches Glockenschlagen im viertelstündlichen Rhythmus gesundheitsschädlich ist, haben wir ein Angebot gemacht, nachts nur die volle Stunde zu schlagen. Vom Urteil bezüglich Wädenswil haben wir gern gelesen, weil es uns in unserer Haltung unterstützt, die Läuttradition nicht leichtfertig aufzugeben.

Welche Pendenzen übergeben Sie?

Das grosse Thema bleibt, wie es generell in den Kirchgemeinden weiter gehen soll. Fragen der Identität und des Mitgliederschwunds etc. beschäftigen uns. Thomas Widmer und die Kivo werden sich den Fragen annehmen müssen, wie man die Entwicklung auffangen kann.

Welchen Ansatz empfehlen Sie Thomas Widmer?

Empfehlen möchte ich nicht, aber ich denke, viele Menschen konsumieren die Kirche wie ein Medikament. Tut ihnen etwas weh, nehmen sie es. Man sollte die Kirche wie ein Vitamin konsumieren. Es wirkt stärkend und nicht nur schmerzlindernd. Mitglieder zu behalten ist die grösste Herausforderung. Das kann nur gelingen, wenn wir mehr Dienstleister werden und einen Schwerpunkt in der Diakonie setzen.

Was könnte die Kivo gegen schwindende Steuereinnahmen unternehmen?

Die Kirchen sollten vermitteln, dass Menschen sich nicht von der Kirche distanzieren, nur weil sie keinen Gottesdienst besuchen. Wer Kirchensteuer bezahlt, solidarisiert sich mit der Haltung der Kirche. Ich vergleiche das mit einer Mitgliedschaft bei Greenpeace. Ich muss nicht selbst in das Boot eines Aktivisten steigen, damit ich ihn unterstützen kann. Und bei Greenpeace holt man sich auch keine Dienstleistung ab. Es geht um Solidarität.

Nennen Sie bitte Ihre schönste Erinnerung an Ihre Amtszeit.

Ich habe der Kirchgemeinde etwas gegeben. Aber es kam auch viel zurück. Ich arbeite gern mit Menschen und wegen all der guten Begegnungen habe ich keine Minute bereut.

An der Bürgerversammlung der evang. Kirchgemeinde Diepolds­au-Widnau-Kriessern am Sonntag, 25. März, kandidiert Thomas Widmer aus Widnau für das Präsidium. Im Fall seiner Wahl tritt er das Amt per 1. Juni 2018 an. Käthi Witschi tritt erneut als Synodale an. Im Fall ihrer Wiederwahl möchte sie Präsidentin der Vorsynode Rheintal bleiben. (vdl)

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