Wachsen mit neuem Namen: Warum das Palliative Forum RhyCare zum Forum Rheintal wird – und wachsen will

Unter dem neuen Namen Forum Rheintal will sich das palliative Forum weiter um chronisch Kranke kümmern – und das ganze Rheintal abdecken. Damit wollen die Gründer ihr ursprüngliches Ziel erreichen.

Monika von der Linden
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Irma Looser aus Altstätten (pensionierte Pflegefachfrau) und Martin Rhyner aus Lüchingen (Hausarzt in Heerbrugg) gehören dem Kernteam des Palliative Forums seit seiner Gründung vor fünf Jahren an.

Irma Looser aus Altstätten (pensionierte Pflegefachfrau) und Martin Rhyner aus Lüchingen (Hausarzt in Heerbrugg) gehören dem Kernteam des Palliative Forums seit seiner Gründung vor fünf Jahren an.

Bild: Monika von der Linden

Spricht jemand von Palliative Care, denkt man wohl meist, ein Mensch müsse bald sterben und ihm sollten so weit als möglich Schmerzen gelindert werden. «Palliative Care fängt aber nicht erst mit dem Sterben an», sagt Irma Looser. «Wir verstehen uns als Plattform für Informationen über Angebote und Ansprechpersonen im Rheintal.»

Die Altstätterin hat viele Jahre als Pflegefachfrau im Regionalspital gearbeitet. Heute ist sie pensioniert und engagiert sich ungebremst dafür, die Bevölkerung aufzuklären, Fachleute verschiedener Zweige miteinander zu vernetzen und ihnen Weiterbildungen zu ermöglichen.

«Ich habe Ressourcen und das theoretische Wissen.»

In der Praxis könne sie ihre Erfahrung nicht mehr einsetzen, aber weitergeben.

Mehr Lebensqualität für chronisch Kranke

Jeder Mensch, der an einer chronischen Krankheit leidet, kann palliativ behandelt werden. Das heisst, er wird zwar nicht geheilt, die Behandlung trägt aber dazu bei, seine Lebensqualität zu steigern. Er wird nicht nur gepflegt. Einbezogen werden alle Faktoren, die den Menschen ausmachen (Advance Care Planning). Zum Beispiel wird ein Diabetiker mit Medikamenten eingestellt, oder ein an Demenz Erkrankter erhält Ergotherapie. Leidet jemand unter einer Herzschwäche, bezieht man physische, psychische, spirituelle und soziale Gesichtspunkte in die Behandlung ein.

Damit das Zusammenspiel gelingen kann, tauschen sich zum Beispiel Hausärzte mit ambulanten Pflegern aus, Sterbebegleiter mit Seelsorgern.

Vor fünf Jahren initiierten Irma Looser und Erika Oesch, ebenfalls Pflegefachfrau, die Gründung eines Palliative Forums. «Ursprünglich wollten wir das ganze Rheintal (Rüthi bis Au) ins Netzwerk einbeziehen», sagt Irma Looser. Palliative Ostschweiz habe aber davon abgeraten, gleich zu Beginn ein solch grosses Gebiet abdecken zu wollen. Also beschränkte sich das Kernteam auf die Gemeinden Eichberg, Altstätten, Marbach und Rebstein. Es entstand das Palliative Forum RhyCare. Vertreter der betreuenden Zweige etablierten unter dem gemeinsamen Dach ein Netzwerk.

Ein Hausarzt im Kernteam

Von Beginn an wirkt auch Martin Rhyner im zwölfköpfigen Kernteam mit. Er ist Hausarzt in Heerbrugg. Seine Erfahrungen in Palliative Medizin, die er in den 90er-Jahren im Spital Altstätten erwarb, motivieren ihn, sich neben seinem Beruf freiwillig zu engagieren. Dies, obwohl das Unterrheintal vom Forum abgekoppelt blieb. Er sagt:

«Wir hatten gehofft, es bildete sich im Unterrheintal ein eigenes Forum.»

Nach fünf Jahren aber zeigt die Landkarte dort immer noch einen weissen Fleck. Die Arbeit an der Basis funktioniere gut, aber jeder Spitexdienst agiere autonom. «Es ist für uns einfacher, die Unterrheintaler Organisationen in unser Forum aufzunehmen, als dass sie ein eigenes gründeten.» Von der Ausdehnung erhoffe sie sich auch, jemanden für das Kernteam zu gewinnen, sagt Irma Looser.

Von anderen Berufsgruppen lernen

Sie und Martin Rhyner bekamen durchweg positive Rückmeldungen. «Alle, die sich äusserten, sehen eine Chance zur Verbesserung der Qualität», sagt Martin Rhyner. «Zum Beispiel lernen wir viel, indem wir konkrete Fälle besprechen.» Manche seien nur schwer allein zu managen. «Wir tauschen uns aus, damit wir mögliche Konflikte früh erkennen lernen», sagt er.

Ein Pflegeheimleiter bringe eine andere Perspektive ein als ein Arzt. «Wir sollten mehr Seelsorger einbeziehen. Sie haben einen guten, weil unbeteiligten Zugang zu den Problemen», sagt Martin Rhyner. «Und die Freiwilligendienste mehr schätzen», fügt Irma Looser an.

Die Zusammenarbeit der Fachleute soll auch der Bevölkerung nützen. «Ich weiss, wen ich einbeziehen kann, wenn ein Patient daheim bleiben möchte», sagt Martin Rhyner. Irma Looser beschreibt es als befriedigendes Gefühl, Patienten ihre Diagnose nicht verschweigen zu müssen. «Sie sind nicht mehr entmündigt, wie noch vor ein paar Jahren.» Die Mitinitiantin fragt sich, wie sie einst sterben wird:

«Wird es noch Personal geben, das auf mich eingeht?»

«Ich lerne viel von anderen Berufsgruppen und kann meine Profession verbessern», sagt Martin Rhyner. Den Startschuss für die Regionalgruppe Forum Rheintal wollte das Kernteam im Mai mit einem Netzwerkanlass in Widnau geben. Coronabedingt verschob es den Kick-off, er wird sobald als möglich nachgeholt.

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