Vorsorgeuntersuchung
Auch Dreijährige sollen noch zum Kontrolluntersuch für Kleinkinder: SP-Kantonsräte stellen Forderung

Rheintaler SP-Kantonsräte fordern einen Kontrolluntersuch für Dreijährige. Die Regierung hält ihn für wenig sinnvoll.

Max Tinner
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Ein kleiner Bub bei der Kinderärztin.

Ein kleiner Bub bei der Kinderärztin.

Bild: Reto Martin

Würden Kinder nach den Vorsorgeuntersuchungen für Kleinkinder und vor den schulärztlichen Untersuchungen auch noch im Alter von etwa drei Jahren untersucht, so würde dies helfen, einen Förderbedarf früh zu erkennen, schrieben die SP-Kantonsräte Karin Hasler (Balg­ach) und Remo Maurer (Altstätten) im Dezember in einem Vorstoss. Die Untersuchungen im Vorschulalter seien heute lediglich empfohlen. Dabei sei gerade jenes Alter entscheidend für das Erkennen von Förderbedarf. Sie forderten deshalb, eine solche zusätzliche Untersuchung in die Frühförderstrategie des Kantons aufzunehmen.

Die Regierung lehnt die Forderung Haslers und Maurers nun in ihrer Antwort ab. Sie erachtet die zusätzliche Vorsorgeuntersuchung als nicht sinnvoll. Zum einen fehlt es ihrer Ansicht nach nicht am Angebot an Vorsorgeuntersuchungen, sondern eher an der Bereitschaft vieler Eltern, sie zu nutzen. Je älter die Kinder, umso weniger würden sie von den Eltern zur Unter­suchung gebracht – und dies obwohl die Krankenkassen die Kosten für acht Untersuchungen im Vorschulalter übernehmen.

Das «Fremdeln» macht die Beurteilung schwierig

Zum anderen ist für die Regierung die Untersuchung von Dreijährigen nicht unbedingt aussagekräftig. Bei der Untersuchung ginge es vor allem darum, die Sprachentwicklung und die sozialen Fähigkeiten abzuklären. In diesem Alter würden aber viele Kinder «fremdeln». In ihrer Schüchternheit würden sie ihre tatsächlichen Fähigkeiten nicht zeigen.

Die Regierung setzt deshalb auf die Spielgruppen und darauf, dass die Kinder ihr Sprachvermögen und ihre Sozialkompetenz beim Spielen mit Gleichaltrigen erweitern. Gut ausgebil­dete Spielgruppenleiterinnen sollen Auffälligkeiten erkennen und sich bei Bedarf mit Fachleuten kurzschliessen.

Chancengleichheit gefährdet

Karin Hasler und Remo Maurer genügt das nicht. Die freiwilligen Angebote würden nur mässig genutzt und fehlten in manchen Gemeinden teils, halten sie der Regierung entgegen. Ein zur Pflicht erklärter Untersuch beim Arzt scheint ihnen deshalb vernünftig – zumal Eltern der Beurteilung durch den Arzt in der Regel vertrauten und seiner Förderempfehlung eher folgen dürften als dem Rat der Spielgruppenleiterin.

Werde ein Förderbedarf erst im Alter von vier Jahren oder noch später erkannt, werde es für das Kind schwierig aufzuholen. Im schlimmsten Fall werde das Kind ein Leben lang sprachlich benachteiligt sein – und damit nie dieselben beruflichen und sozialen Chancen haben wie andere Kinder. Für Karin Hasler und Remo Maurer trüge die Vorsorgeuntersuchung im Alter von drei Jahren deswegen auch zur Chancengleichheit bei.

Sie sind zudem der Ansicht, dass der Pflichtuntersuch und eine frühe Förderung unterm Strich günstiger wären, als schlecht genutzte freiwillige Angebote und eine späte Förderung. Die Untersuchung werde zudem vom Verband der Kinderärztinnen und Kinderärzte empfohlen, halten sie fest.