Vorauseilend

Lieber Oskar Gächter.

René Schneider
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Lieber Oskar Gächter.

Wir haben in Rüthi recherchiert. Weil uns zugetragen worden war, das neue Einfamilienhaus des SVP-Kantonsrats Gächter werde ausschliesslich von Vorarlberger Handwerkern erbaut. Wir haben dann schnell gemerkt, dass das nicht stimmt und die «Übung abgebrochen», wie es im Grenzwacht-Jargon heisst. Obwohl uns nebenbei aufgefallen war, dass Ihr Architekt Vorarlberger ist und nicht etwa Ihr Parteifreund Herbert Huser aus Altstätten. Wir erachteten auch dieses Detail als zu wenig relevant. Inzwischen ist Ihr Haus bezugsbereit. Und Sie haben von Rüthner Handwerkern erfahren, dass wir am Recherchieren seien. Sie haben uns angerufen und darum gebeten, wenn wir schon über Ihr privates Bauprojekt berichten würden, dann doch – bitte – der Wahrheit entsprechend. Voilà: An Ihrem Haus arbeiteten, wie Sie uns vorrechnen, 60 Prozent Schweizer Handwerker. Wenn man den Vorarlberger Fensterbauer Zech mit Vertretung in der Schweiz als Schweizer Unternehmen zählt. Der Architekt sei Vorarlberger, sagen Sie, weil Sie ein Holzhaus gewollt hätten, und die Vorarlberger nun mal grosse Erfahrung haben mit Holzhäusern. Und im Übrigen seien nicht alle Handwerker, die vor Ihrem Haus parkieren, in Ihrem Haus beschäftigt, sondern viele von ihnen beim Nachbarn, einem Vorarlberger, der naturgemäss und nachvollziehbar fast ausschliesslich mit Vorarlbergern baue.

Danke, lieber Oskar Gächter. Nach all dem haben wir – wie erwähnt – gar nie gefragt. Doch veröffentlichen wir es – auf Ihren Wunsch – natürlich gern. Mit freundlichen Grüssen

rene.schneider@rheintalverlag.ch