Vor und rück auf der Zeitspirale

Oase Als einziges Objekt in der Region wurde das Schloss Grünenstein in Balgach für den europäischen Tag des offenen Denkmals ausgewählt. Es hatte einen Auftritt als Entspannungsort besonderer Art

Maya Seiler
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«60 Personen waren angemeldet, gekommen sind etwa dreimal so viele», berichtete Luzia Bänziger, Schlossverwalterin und Präsidentin des Kulturvereins Froschkönig, erfreut am Samstag. Ihr engagiertes Team hatte neben Musik und Schauspiel modernste Handy-Technik eingesetzt, um die Führungen durch das Denkmal Grünenstein zu einem interaktiven Erlebnis zu machen. Dass ein Kulturdenkmal manchmal mit den Tücken der modernen Technologie zu kämpfen hat, ist verständlich.

Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft vermischten sich; die Besucher drehten sich auf der Zeitspirale vor- und rückwärts. Wenn man unter einem Denkmal etwas Museales, ein unbewegliches Objekt versteht, aus Stein gemauert oder in Stein gemeisselt, ist Schloss Grünenstein keines, denn es ist so lebendig wie eh und je. Bereits 1984 wurde das Schloss umfassend renoviert und Wohnungen wurden eingebaut. Seither ist es der Lebensort von mehreren Partien; auch acht «Schlosskinder» wachsen im Grünenstein auf.

Zum europäischen Tag des Denkmals machte das Schloss einen weiteren Schritt in die Moderne: Am Samstag erwartete eine interaktive Ortserkundung mit WhatsApp-Führung die Besucher. Oliver Kühne und weitere Schauspieler vom Theater Jetzt begleiteten die gespannte Schar durch Schlosspark und Turm. Im «Wellness-Resort Grünenstein» wurden sie von einem Fitness-Trainer begrüsst, der mit ihnen der Schlossmauer entlang zu einer Liegewiese joggte. Wie vor 150 Jahren schenkten dort zwei Trachtenmädchen Molke aus, aber den passenden Kommentar konnten die Besucher per WhatsApp auf dem Smartphone empfangen.

Der Schlossherr sprach per Handy

Immer präsent war der märchenhafte Froschkönig; auch der frühere Schlossherr Jakob Laurenz Custer machte seine Aufwartung, per WhatsApp oder in Persona. Aber auch eine Figur aus der Zukunft trat auf: Im Barockgarten erinnerte sich die gegenwärtig siebzehnjährige Marie Louise (verkörpert von einer Schauspielerin), ältestes der Schlosskinder, an ihre Jugend auf Grünenstein. Nach der Matur weggezogen, um in Zürich zu studieren, kam sie zehn Jahre später, mit einem Master in Geologie in der Tasche, wieder zurück. Sie erzählte von ihrer Kindheit im Schloss, vom heimlichen Baden im Schlossteich, kurz bevor ein Schild mit «Baden verboten» aufgestellt wurde, vom Fällen der historischen Linde, und von den Böden, die nirgendwo so heimelig knarren wie hier.

Später, nach einem Aufstieg über 93 Turmstufen, traf die Besucherschar auf den barocken Hausherrn in Samtwams und Dreispitz. Im Turmzimmer erzählte er von seinen naturwissenschaftlichen Studien, unter anderem vom Gletscherfloh, der seinen eigenen Frostschutz produziert.

Die Führung endete im Festsaal, wo die Besucher zur Table d'hôte geladen wurden. Custer ermahnte zu anständigen Tischmanieren; die kleinen Gäste wurden angehalten, den angebotenen Apfel mit Messer und Gabel zu essen.

Nicht nur zum Essen gab es die passende Tafelmusik, gespielt auf dem Hammer-Flügel; der ganze Rundgang wurde umrahmt von Drummer Carlo Lorenzi und seinen internationalen Gästen, die Schloss und Park während des ganzen Tages musikalisch bespielten.