Vor 175 Jahren wüteten die Flammen

HEIDEN. Der 7. September 1838 ging als Tag des Schreckens in die Geschichte von Heiden ein. Damals fielen 129 Häuser einer Feuersbrunst zum Opfer. Wenig später erstrahlte der Ort in neuem Glanz.

Peter Eggenberger
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Der Brandplatz von Heiden mit der zerstörten Kirche und dem im Dorfkern verschont gebliebenen Haus «Harmonie». Im Hintergrund ist die Kirche von Wolfhalden zu sehen. (Bild: egb)

Der Brandplatz von Heiden mit der zerstörten Kirche und dem im Dorfkern verschont gebliebenen Haus «Harmonie». Im Hintergrund ist die Kirche von Wolfhalden zu sehen. (Bild: egb)

Am Unglückstag brauste ein heftiger Föhnsturm durch Heiden. Es war wenig nach zwei Uhr mittags, als aus der Schmiedewerkstatt von Johannes Frehner am Kohlplatz urplötzlich Flammen himmelwärts loderten. Der heftige Sturmwind trug das Verderben rasend schnell durch die Häuserreihen. Dazu Augenzeuge und Chronist Michael Rohner: «Furchtbar war das Wüthen des entfesselten Elementes, und keine menschliche Macht vermochte seinem unerbittlichen Vordringen Einhalt zu thun. Vor Verfluss einer Stunde brannten sämtliche Wohnhäuser des Dorfes. Nur mit der grössten Anstrengung gelang es, eines derselben vor der gänzlichen Zerstörung zu bewahren.»

403 Menschen obdachlos

Das Feuer zerstörte die sich in Erweiterung befindliche Kirche aus dem Jahre 1652, 75 Wohnhäuser, 42 Ställe und elf Nebengebäude. 403 Personen verloren ihr Obdach, wobei als Folge des Sturmwindes auch weit vom Dorfzentrum entfernte Häuser in Flammen aufgingen. Nebst den Feuerwehren von Heiden und allen umliegenden Orten eilten auch die Wehren von Lindau und Bregenz herbei, die sich dann auf den Schutz des wegen Funkenwurfs ebenfalls gefährdeten Dorfes Thal konzentrierten. Die Katastrophe forderte wundersamerweise nicht ein einziges Menschenleben.

Ende 1840 eine neue Kirche

Für den sofortigen Wiederaufbau wurde der renommierte Architekt Felix Wilhelm Kubly (1802 bis 1872) beigezogen. Nach seinem Plan entstand eine gänzlich andere Kirche, die bereits am 20. Dezember 1840 eingeweiht werden konnte. Eng mit Kubly arbeitete Baumeister Johann Konrad Bischofberger zusammen, nach dessen Gesamtplan das neue Dorf entstand.

Das heute als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestufte Dorf orientierte sich am Klassizismus, und wenige Jahre nach dem Grossbrand war ein total neues Heiden mit einheitlichen Häusern und rechtwinklig geführten Strassen entstanden.

Die moderne Architektur veranlasste viel Volk zu einem Abstecher nach Heiden, das nun auch als Kur- und Ferienort Furore machte.