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Von Zollhäuschen, Flucht, Umkleide und Liebesnest

Über hundert Interessierte haben am Samstag die kleinsten Museen der Schweiz besucht. Der Verein Naturschutzgruppe Alta Rhy hatte zur Ausstellung in den ehemaligen Grenzwächter-Häuschen eingeladen.
Kurt Latzer
Die ehemaligen Grenzer-Häuschen haben nicht nur Interesse geweckt, sondern auch Erinnerungen und Emotionen. (Bild: Kurt Latzer)

Die ehemaligen Grenzer-Häuschen haben nicht nur Interesse geweckt, sondern auch Erinnerungen und Emotionen. (Bild: Kurt Latzer)

Drei Grenzwächter-Häuschen – im Volksmund Grenzerhütten genannt – dienten den Beamten über viele Jahrzehnte als Schutz vor dem Wetter. Weil nicht mehr benützt, wollte die Zollverwaltung die alten, mit kleinen Fenstern versehenen Häuschen 2015 loswerden. Auf die Ankündigung hin haben sich weit über 100 Personen gemeldet, die eines der keinen Holzbauten übernehmen, entfernen und anderswo wieder aufstellen wollten.

«Meiner Frau Barbara und mir hat es Mühe bereitet, dass die Grenzerhütten weg sollten», sagte Jürg Sonderegger, Präsiden der Naturschutzgruppe Alta Rhy in Diepoldsau. Es handle sich bei den Holzbauten um Zeitzeugen, die eng mit der Gemeinde verbunden und zu erhalten seien.

Sondereggers haben schliesslich die Hüttchen bekommen, mit samt der Bewilligung, diese an Ort und Stelle stehen zu lassen. In Zusammenarbeit mit vielen Helferinnen und Helfern sind nicht nur die drei Grenzerhütten restauriert worden, sondern es entstand auch eine Ausstellung zum Thema «Grenzgeschichten». Im ersten, dem «gelben Hüsli», wird die Flucht einer jüdischen Familie vor Beginn des Zweiten Weltkrieges und einer Familie aus Afghanistan vor ein paar Jahren beschrieben.

Am Samstag, schon lange bevor die ersten offiziellen Besucher bei diesem Häuschen eintrafen, haben Spaziergänger einen Blick ins Mini-Museum geworfen. So auch Josef Hagen aus Lustenau. «Mich erinnern die Grenzerhütten immer wieder an meine Kindheit. Wie ich zu Fuss über <das Rohr> in die Schweiz geschlichen bin, um meine Tante in Widnau zu besuchen», sagte der heute 83-Jährige. Damals habe er die Hosen ganz schön voll gehabt und eine unglaubliche Angst vor den «Grenzern». Denn in den ersten ein, zwei Jahren nach dem Krieg seien die Grenzen komplett geschlossen und der Übertritt streng verboten gewesen. «Zum Glück ist mir auf dem Hin- und Heimweg kein Grenzwächter begegnet», sagte Josef Hagen. Gute Erinnerungen an die Grenzerhütten hat eine Teilnehmerin der Ausstellungseröffnung, die namentlich nicht genannt werden möchte. «Als Jugendliche haben wir ein Häuschen immer als Umkleide benutzt, wenn wir im Alten Rhein baden waren», sagte die Frau. Auf die «Umkleidekabinen» angesprochen, sagte ein Spaziergänger mit einem breiten Lächeln: «Gebraucht haben wir die aber nicht nur zum Umziehen. In den Häuschen hat man auch den ersten Schatz geküsst.»

Um «das Rohr» – einen der wohl bekanntesten Fluchtwege im Rheintal –, die Grenzerhütten und den Alten Rhein ranken sich viele Geschichten – lustige, aber auch tragische.

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