Von Wohlklang umhüllt

BERNECK. Die Heiligkreuz-Kapelle bildete einen passenden Rahmen für das Spiel der beiden Virtuosen Nina Karmon und David Zipperle. Stücke für Violine und Gitarre aus drei Jahrhunderten beglückten die Musikfreunde.

Maya Seiler
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Beglückt folgten die Konzertbesucher dem Spiel der beiden Ausnahme-Interpreten Nina Karmon und David Zipperle. (Bild: Maya Seiler)

Beglückt folgten die Konzertbesucher dem Spiel der beiden Ausnahme-Interpreten Nina Karmon und David Zipperle. (Bild: Maya Seiler)

BERNECK. Der 1759 erbaute Rundbau ist noch etwas älter als die Komponisten Nicolo Paganini und Mauro Giuliani, mit welchen Karmon und Zipperle das Konzert vom frühen Sonntagabend eröffneten. Die Nähe zu den Interpreten und die Akustik der Rokoko-Kapelle machten deren unvergleichliches Spiel für die gut 50 Besucher zu einem einmaligen Erlebnis. Die dreisätzige «Sonata concertata» und die weniger bekannte «Romanze» von Nicolo Paganini sind angelegt, um die technischen Fertigkeiten der Ausführenden zur Geltung zu bringen.

In der «Sonata» fielen die mit der linken Hand gespielten Pizzicati der Violine sowie schnelle Akkordläufe auf.

Einfühlende Interpreten

Aber zusätzlich zur technischen Brillanz bewiesen beide Interpreten die Fähigkeit, das Wesen der Werke auszuloten und bis zum letzten Ton hörbar zu machen. Das Konzert begann und endete mit italienischen Wohlklängen; mit Paganinis Cantabile als dritte Zugabe entliessen Karmon und Zipperle das Publikum in den Herbstabend.

Nach Paganini stand die «Sonate für Geige und Gitarre» von Mauro Giuliani auf dem Programm. Der erste Satz begann melancholisch; Zipperle intonierte die sensibel gezupften Töne mit grosser Einfühlung. Heiter und verspielt erklangen die Variationen des zweiten Satzes, tänzerisch das Menuett. Das leidenschaftliche Spiel der Gitarre im Schlussrondo wurde von der Geige sekundiert.

Vom Belcanto zum Tango

Die Pause trennte zwei Jahrhunderte und zwei völlig verschiedenartige Stile. Der Argentinier Astor Piazzolla hat «Histoire du Tango» als viersätzige Suite komponiert und selbst für Gitarre und Violine arrangiert. Musikalisch beschreibt dieses Werk die Entwicklung des Tangos vom Beginn bis ins letzte Viertel des 20. Jahrhunderts. Trotzdem scheinen die typischen Tango-Harmonien, für welche Piazzolla bekannt ist, nur vereinzelt auf. David Zipperle und Nina Karmon spielten hell und beweglich; der Gitarrist fügte nachklingende und schnell verstummende Töne nebeneinander, setzte die Gitarre auch als Perkussionsinstrument ein.

Energiegeladen und intensiv, streckenweise im synkopierten Rhythmus des Nuevo Tango, erklang die Geige im Finale.

Zum Schluss wurden die Konzertbesucher mit drei Zugaben verwöhnt. Besonders beeindruckte Montis unsterblicher «Csárdás»: Mit Figurationen, Doppelgriffen und Verzierungen unterstrich das auf blanke Bravour ausgerichtet Stück die Virtuosität der beiden Interpreten und liess den Zuhörern kaum Zeit zum Luftholen.