Von Pachelbel bis Beyoncé

Am Donnerstagabend fand das traditionelle Semesterkonzert der Kantonsschule Heerbrugg statt. Die Schüler nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch drei Jahrhunderte Musikgeschichte.

Anina Gächter
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Jessica Gächter und Edith Lenherr harmonierten auf der Oboe. (Bilder: Anina Gächter)

Jessica Gächter und Edith Lenherr harmonierten auf der Oboe. (Bilder: Anina Gächter)

HEERBRUGG. Donnerstagabend, kurz vor Konzertbeginn. In der Eingangshalle der Kantonsschule Heerbrugg, durch die normalerweise Schüler mit ihren überfüllten Schultaschen schlendern und miteinander plaudern, ist es ruhig. Nur das leise Flüstern und das Zurechtrücken einiger, aus Platzmangel kurzfristig dazugestellten Stühle unterbricht die Stille.

Dann steht ein Mädchen aus der ersten Reihe auf und geht mit ein paar Notenblättern in der Hand zügig auf die Bühne zu. Mit ihrer Rastafrisur und ihrer lockeren Gangart könnte man meinen, Fiona Rüttimann greife gleich zur E-Gitarre, doch sie geht an den Gitarrenständern vorbei und setzt sich an den schwarzen Flügel. Dann beginnt sie zu spielen. Das Stück, der erste Satz einer Piano-Sonate von Aram Chatschaturjan, verläuft in einem rasanten Tempo, doch Fiona Rüttimann lässt sich nicht davon beirren. Nach dem letzten Akkord steht sie auf und setzt sich wieder in die Zuschauerreihen. Dort tost bereits der Applaus. Das Winterkonzert der Kantonsschule Heerbrugg ist eröffnet.

Drei Jahrhunderte in zwei Teilen

Im ersten Teil des Semesterkonzerts glänzten die Schülerinnen und Schüler mit zahlreichen Werken der Klassik. Durch die raffinierte Auswahl an Instrumenten, die nebst Klavier und Violine von Harfe über Oboe bis hin zur Trompete reichte, blieb die Spannung bis zum letzten Ton erhalten. Abgeschlossen wurde der klassische Part mit einem Flamenco, gespielt von Giuliana Frisenda.

Nach der Pause folgte der zweite Teil mit einer bunten Mischung aus Pop, Rock und Jazz. Interessant waren dabei die speziellen Interpretationen, die den Hits einen neuen Charakter verliehen. Einen Höhepunkt bildete die Interpretation von «Rise Like A Phoenix», dem letztjährigen European-Song-Contest-Gewinner. Der Song wurde in ein Violoncello-Stück umgeschrieben, das gleichzeitig modern und klassisch klang.

Ein weiterer Schwerpunkt des zweiten Teils war der Gesang. Corinne Mattle, die die Hauptrolle im bald stattfindenden Kanti-Musical «Little Shop of Horrors» spielen wird, zeigte mit dem Billy-Joel-Song «Vienna» eine grossartige Leistung. Ebenfalls eine grosse Stimme bewies Laura Stachl, die mit «Warrior» von Beth Crowley und «All I Want» von Kodaline gleich zwei Welthits zum Besten gab.

«Ein klangliches Experiment»

Am Ende des Konzertes folgte tosender Applaus. Währenddessen stand Organisatorin Anna Danielewicz hinter der letzten Zuschauerreihe und lächelte zufrieden. «Was man hier hört und sieht, ist nicht nur einfaches Notenablesen, hier werden Spitzenleistungen vollbracht», erklärt sie stolz. Das einzig Negative am Konzert sei der akustische Hall gewesen, der in der Eingangshalle herrschte. Da die Aula wegen des Musicals, das in fünf Wochen Premiere feiert, besetzt war, musste das Konzert in die Eingangshalle verlegt werden. So schlimm sei das aber nicht gewesen, meinte Danielewicz lachend, man könne es als «klangliches Experiment» anschauen.

Julia Steinhauser begeisterte mit einem Harfenstück.

Julia Steinhauser begeisterte mit einem Harfenstück.