Seelsorge im Rheintal
Livestreams, Ge­bete in Sozialen Medien oder Bergrufe: So reagierten die Seelsorger auf die leeren Gottesdienste während der Coronapandemie

Ostern fiel in den Lockdown der Coronapandemie, Weihnachten in die zweite Welle. Die Kirchen suchten neue Weg zu den Gläubigen.

Merken
Drucken
Teilen
Seit dem Frühling sind die Weihwasserbecken leer.

Seit dem Frühling sind die Weihwasserbecken leer.

Bild: vdl

(vdl) Viele Menschen, die eine Krise durchleben, suchen gerade dann Halt im Glauben und Rat in der Kirche. Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, wich im Lockdown häufig Einsamkeit. Gottesdienste durften nicht stattfinden, Seelsorgerinnen und Seelsorger die Menschen nicht besuchen, ihnen keinen Trost im direkten Kontakt zusprechen.

Auf die Leere im Gotteshaus reagierten die Theologen und Religionspädagogen auf unterschiedliche Art. Die einen kreierten Livestream-Gottesdienste, die anderen posteten Ge­bete in sozialen Medien oder organisierten Grussbotschaften im Altersheimhof. Wieder andere arbeiteten sich durch das Telefonbuch und riefen ihre Mitglieder an. «Menschen, die ich nicht kannte, erzählten mir ihre Sorgen, Nöte und Ängste», sagte Pfarrer Ronald Kasper aus Heerbrugg. Pfarrer Martin Böhringer erreichte die Menschen mit einem Betruf gegen Corona. Jeden Abend rief er in Eichberg oder Oberriet einen Alpsegen aus. Er sollte die Menschen im Rheintal vor Krankheit bewahren und ihnen Hoffnung geben.

Menschen Zuhause überrascht

Praktische Unterstützung zum Beispiel mit Einkaufshilfen boten zahlreiche Gruppen an. Die Jubla Altstätten belegte für ihr Engagement sogar den vierten Platz beim kantonalen Jugendprojektwettbewerb.

In die zweite Welle fielen Advent und Weihnachten. Das gesellschaftliche Leben war nicht so weit runtergefahren worden wie im Frühling. Dennoch verzichtete man auf Konzerte und Seniorenadvents­feiern. Damit sie den Menschen dennoch Zuwendung schenken konnten, überlegten sich die Kirchgemeinden und Pfarreien Aktionen, mit denen sie Menschen zu Hause überraschten. In Balgach verzierten Freiwillige LED-Kerzen mit Zweigen und brachten sie Senioren an die Haustür.

Gottesdienste durften gefeiert werden, wenn auch nur mit 50 Personen. Folglich boten viele Kirchgemeinden am Heiligabend zwei Weihnachtsgottesdienste hintereinander an.

Das Versammlungsverbot des BAG betraf auch die Kirchgemeinden. Sie sagten manch eine Abstimmung ab und brachten unaufschiebbare Geschäfte an die Urne.