Von null auf zwei

GYMNASTIK. Im Januar ein Neuanfang, am Sonntag nun der Vize-Meistertitel: Über den STV Marbach und seine Grossfeldgymnastik nach einer weiteren Parforce-Leistung.

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«Hopp Marpa!» – Fans und Turner des STV Marbach an den Meisterschaften in Lyss. (Bild: sta)

«Hopp Marpa!» – Fans und Turner des STV Marbach an den Meisterschaften in Lyss. (Bild: sta)

Am Morgen nach dem Fest hat der Marbacher Oberturner Reto Ebneter noch frei – ein paar Stunden Übergang zwischen Schweizer Meisterschaften und Alltag, etwas Zeit um die Sportkleider zu ordnen und auch die Gedanken. Auf der Rangliste bleibt der hervorragende zweite Platz, der Vize-Schweizer-Meistertitel, bleiben die Noten aus Vorrunde und Final: 9,56 und 9,55. Was bleibt sonst?

Der Neuanfang

Um das Resultat vom Wochenende einzuschätzen, geht Reto Ebneter bis in den vergangenen Winter zurück. Es war Januar, als er mit seiner Grossfeldgymnastik-Gruppe zu trainieren begann. Hinter sich hatte das Team Auftritte wie jenen an den Weltmeisterschaften in Kapstadt, Südafrika. Vor sich hatte es: Eine Art Neuanfang, 15 Jugendliche in ihrer ersten Saison, ein paar Rücktritte, dazu ein neues Programm. Und als im April mit dem Vergleichswettkampf die erste Standortbestimmung passé war, überlegte sich Ebneter, ob man die Meisterschaften dieses Jahr auslassen sollte.

Denn bis ein neues Programm in der Grossfeldgymnastik sitzt, braucht es Geduld und unzählige Trainings. Formationen ändern sich, Laufwege, Rhythmen. Es ist ein bisschen so, als müssten Fussballer plötzlich nach neuen Regeln spielen. Zudem überlegte sich Ebneter einen Verzicht wohl auch deshalb, weil der STV Marbach inzwischen einen Ruf zu verspielen hat. Zwei Meistertitel in den Jahren 2010/11 und ein Vize-Meistertitel im Jahr 2012 lassen grüssen.

Erster nach der Vorrunde

Das Team fand sich aber mit jedem Training, mit jedem Wettkampf besser – ein Erfolg, der vor allem Oberturner Ebneter zugeschrieben werden kann. Ihm gelingt es einerseits, seine Turnerinnen und Turner immer und immer wieder zu motivieren; und andererseits laufend Programme zu komponieren, die kaum Abzüge nach sich ziehen. Der Oberturner als Ober-Tuner.

Eine gute Programmnote war deshalb gesichert, als die Marbacher am Samstagnachmittag zur Vorrunde der Schweizer Meisterschaften in Lyss BE antraten. Es kam jetzt auf die turnerische Ausführung an. Ein Konkurrent für den Finaleinzug war bereits gestartet, und bei den Marbachern wusste man nicht genau, was möglich sein würde. Nach einer sehr guten Leistung gaben die Jubelschreie allerdings eine Vorahnung. Am Ende sollte der STV Marbach als Gruppenerster übernachten. Die Note: 9,56. Die Gegner Sulz und Gelterkinden hatte man auf die Plätze zwei und drei verwiesen.

Marbach souverän

Ebneter sagt am Montagmorgen: «Nach diesem Resultat wollten wir im Final gewinnen, logisch, sonst hätten wir nicht antreten müssen. Wir wussten aber, dass das Niveau ausgeglichen ist, dass zum Beispiel der TV Gelterkinden an einem der letzten Wettkämpfe die höchste Note der Saison erzielt hatte.»

Am Sonntagmorgen folgte für den STV Marbach das Finale, erneut traten die 32 Turnerinnen und Turner souverän auf. Die Note: 9,55. Auch sie erneut hervorragend. Weil Gelterkinden sich aber um mehr als zwei Zehntelpunkte gesteigert hatte, reichte es nicht zum Titel. Vize-Meister!, meldeten die Turner auf Whatsapp. Und Ebneter sagt am Morgen danach: «Zuerst war da Enttäuschung, wie immer bei zweiten Plätzen. Aber schon auf der Carfahrt ins Rheintal wich sie der Freude. Wenn ich den Weg betrachte, den wir seit Januar gemacht haben, muss ich sagen: Es ist ein riesiger Erfolg!» Von null auf zwei, wenn man so will.

Besser sind nur die Aussichten: 2016, wenn die Schweizer Meisterschaften vom STV Marbach organisiert werden (Durchführung auf den Sportanlagen Aegeten, Widnau), wird sich die Grossfeldgymnastik-Gruppe mit ihrem neuen Programm auf dem Höhepunkt befinden. (sta)

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