Von Neidmauern, Feuerdorn und stinkendem Kompost: Wie sich Nachbarn das Leben gegenseitig zur Hölle machen

«Der freundliche Nachbar ist die Regel, es geht aber auch anders», sagt Anwalt Werner Ritter.

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Zäune sind häufig Anlass für Nachbarschaftsstreitigkeiten: Sie sind dem einen zu hoch, nehmen dem anderen die Sonne oder stehen zu nah an der Grundstücksgrenze. Symbolbild: depositphotos/brookefuller

Zäune sind häufig Anlass für Nachbarschaftsstreitigkeiten: Sie sind dem einen zu hoch, nehmen dem anderen die Sonne oder stehen zu nah an der Grundstücksgrenze. Symbolbild: depositphotos/brookefuller

(acp) «Bei Nachbarschaftsklagen geht es meist um Pflanzen, Bäume, Hecken oder Mauern entlang der Grundstücksgrenze. Oder auch um Fuss- und Fahrwegrechte. Auch Lärmklagen sind häufig. Dazu kommen Streitigkeiten, die mit Ehrverletzungen einhergehen», fasst Rechtsanwalt Thomas Bolt die klassischen nachbarschaftlichen Problembereiche zusammen.

Erstellt der eine im Garten eine Pergola, die dem Nachbarn dann buchstäblich in der Sonne steht, kann das der Beginn eines erbitterten Nachbarschaftsstreits sein. «Ich rate dazu, immer erst mit den Nachbarn zu sprechen, wenn man etwas bauen möchte», sagt Thomas Bolt. Leider werden Nachbarn bei Projekten häufig vor vollendete Tatsachen gestellt, weiss Bolt aus Erfahrung.

Werner Ritter, der als Anwalt auch hin und wieder mit Nachbarschaftsstreitigkeiten zu tun hat, ist der Auffassung, dass Streitigkeiten unter Nachbarn nicht selten durch spezifische Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen befördert werden. Unter Juristen spreche man zum Beispiel von sogenannten «Neidmauern», sagt Ritter.

«Sie erfüllen keinen Zweck, haben für den Erbauer keinen Nutzen und werden einzig zu dem Zweck erstellt, dem Nachbarn Sicht und Sonne zu nehmen.»

Wer einen Konflikt mit dem Nachbarn lösen wolle, habe gute Chancen, einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten leben können. Wer Streit wolle, wer abgrundtief hasse, «will es dem Nachbarn zeigen, ihn besiegen», ist Ritter überzeugt.

Ein Beispiel: Einer stellte seinen Kompost stets neben den Sitzplatz des Nachbarn, egal, wo dieser ihn im Garten hin verlegte, erzählt Ritter. «Und als der Nachbar weiterhin seinen Sitzplatz nutzte, kam noch Gammelfleisch oben auf den Kompost.»

Oder der Fall mit dem piksigen Feuerdorn, der neben dem Parkplatz gepflanzt wurde, und es dem Nachbarn fast unmöglich machte, sein Fahrzeug zu verlassen, ohne sich zu verletzen. «Mit der zunehmenden baulichen Verdichtung wird die Zahl der Konflikte zunehmen», prognostiziert Werner Ritter.