Von der Raubritterzeit zurück in die Zukunft

In einem bunten musikalischen Reigen schaute der Musikverein an seinem sehr gut besuchten Unterhaltungsabend in der MZH Bünt unter dem Schlagwort «Berneck erBeben» auf die lokale Geschichte zurück. Ein abwechslungsreicher, kurzweiliger Abend.

Gerhard Huber
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Genauso bunt und abwechslungsreich wie die Kostüme war auch das Programm des Musikvereins Berneck an diesem Samstagabend. (Bilder: Ulrike Huber)

Genauso bunt und abwechslungsreich wie die Kostüme war auch das Programm des Musikvereins Berneck an diesem Samstagabend. (Bilder: Ulrike Huber)

Da hatten sich die Bernecker Blasmusiker Grosses vorgenommen. Anlässlich des 1125-Jahr-Jubiläums ihrer Gemeinde wollte man die Geschichte dieses schönen Ortes musikalisch erlebbar machen. Was voll und ganz gelungen ist. Die erste Überraschung erlebten die vielen Besucher bereits, als sich der Bühnenvorhang hob. Die Musikanten hatten sich verkleidet. Passend zu den Themen ihrer verschiedenen Musikstücke sah man Raubritter, Zirkusdirektoren, Clowns, Feuerwehrmänner, Bären und junge Damen im Stil der 50er-Jahre in Faltenrock und Petticoat.

Geschichten und Histörchen rund um Berneck

Bunt und unterschiedlich wie die Kostüme gestaltete sich auch das Programm. Felix Indermaur als Grossvater, der so einige Geschichten und Histörchen rund um Berneck erzählten konnte, und Jana Benz als seine neugie­rige Enkelin brillierten als originelles Paar, das durch den Abend führte. Begonnen wurde natürlich im frühen Mittelalter, nämlich im Jahr 892, als Europa unter dem Zerbrechen des fränkischen Reiches und den Überfällen der Wikinger litt, in einem kleinen Örtchen namens Farniwang, dem späteren Berneck. Wo die Menschen aber friedlich leben konnten und bereits damals dem Weinbau frönten. Mit der Filmmusik aus dem Hollywood-Blockbuster «Robin Hood», der ja in etwa zur gleichen Zeit in England den Sherwood Forest unsicher machte, illustrierte der Musikverein diese Epoche auch musikalisch.

Felix Indermaur erzählte natürlich vom grossen Dorfbrand 1848, als 112 Gebäude der Feuersbrunst zum Opfer fielen. Die passende Musik dazu lieferte Hans Zimmers «Backdraft», der bekannte Film über eine Feuerwehrwache. Wie bei allen Musikstücken des Abends glänzte der Musikverein unter der bewährten musikalischen Leitung von ­Bruno Ritter mit einem dichten, breiten Soundgewebe und einem sehr angenehmen Grundton. Auch Michael Schläpfer, der bei zwei Stücken den Taktstock übernehmen durfte, erledigte seine Aufgabe mit Bravour. Die Solisten, die besonders bei den Stücken «Tiger Rag» und «Erinnerungen an Zirkus Renz» ihr Können zeigen konnten, bewiesen ihre Virtuosität im Umgang mit ihren Instrumenten. Auch die Jugendmusik Au-Berneck unter der ­Leitung von Raphael Rebholz demonstrierte ein reife, von John Barrys kultigem Titelthema aus den James-Bond-Filmen gekrönte Vorstellung. Wohl lange in Erinnerung bleiben wird das vom Musikverein dann perfekt gespielte Glenn-Miller-Medley, das die Zeit rund um 1940 illustrierte. Nur zwei Jahre zuvor hatte die Jungwacht bei der Renovierung der Pfarrkirche mitten in der Nacht den «Güggeler» vom Turm gestohlen und beim Kaplan im «Hennahus» versteckt, wie Felix Indermaur dazu erzählte.

Originell waren auch die Auftritte der Überraschungsgäste, die per Videoeinspielungen ihre Botschaften überbrachten. So etwa der Saxofonist und Jazzer Kurt Schmidheiny oder Hippie «Pablo» Paul Bänziger, der zum Spät-60er-Jahre-Song «Aquarius» überleitete. Unerwartet dann auch die beinahe echte «Live-Zuspielung» von Roger Federer, der als bekanntester Bernecker zum Jubiläum gratulieren durfte.

Gerhard Huber