Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Von der Flucht ins Appenzellerland

Eine Gedenktafel in Rheineck war Auslöser dieser Serie. Die Recherche hat Interessantes ergeben, dank Zeitzeugen wie Hans Schwendener, Klara und Bruno Eugster sowie Leonhard Grässli. Als die Nazis Vorarlberg einnahmen, flüchteten viele Rheintaler.
Kurt Latzer

Hans Schwendener, heute im Züribiet wohnhaft, ist im Jahr geboren, in dem die Nazis in Österreich einmarschierten und das Land «heim ins Reich» holten. Im Buch über die Erinnerungen des 1971 verstorbenen Grenzwächters und Zöllners Leonhard Grässli ist unter dem Jahr 1938 zu lesen: «Ich hatte erfahren, dass in Dornbirn am 14. März nachmittags mit einem gross angelegten Umzug spontan die ‹Heimkehr ins Reich› gefeiert werden sollte». Dies habe er zum Anlass genommen, mit dem Velo nach Dornbirn zu fahren. Auf dem Weg dorthin habe jedes Haus eine Hakenkreuzfahne getragen.

Die Deutschen waren am 12. März 1938 in Vorarlberg eingerückt. Morgens um 4 Uhr besetzte ein Vorauskommando des Infanterieregiments 14 aus Konstanz die Vorarlberger Zollstel­len am Unter- und Oberhoch­steg. Die Schweiz reagierte mit der Befestigung und Sicherung der Rheinbrücken, erste Befestigungsanlagen wurden in Auftrag gegeben. Auch in Rheineck, Thal und St. Margrethen.

Auch eine Brücke im Appenzeller Vorderland war mit Sprengmitteln geladen worden, die Tobelbrücke unmittelbar unterhalb Reutes. Die Geschichten zu de­ren geplanter Sprengung haben sich drei Jahre später, im Mai 1940 zugetragen. Leonhard Grässli schreibt: «14. Mai 1940, 23 Uhr: Alarm, ausgelöst durch den General; Meldung des schweizerischen Nachrichtendienstes: Drei bis vier deutsche Divisionen im Anmarsch gegen die Schweiz aus dem Raume München–Lindau».

Der Auszug ins Appenzellerland

Der Angriff sei jeden Augenblick, spätestens bis Mitternacht möglich. Der Befehl zur Sprengung der Grenzbrücke zwischen Rhein­eck und Gaissau sei jeden Moment zu erwarten. Hans Schwendener, Sohn des Grenzwächters Rudolf Schwendener, erinnert sich an die Erzählungen seines Vaters. Bei Nacht und Nebel hätten sie und die anderen Bewohner das Rheinecker Zollhaus verlassen müssen. Auch Klara, Frau des Holzofenbecks in Reute, Bruno Eugster, kann sich an die Zeit erinnern. «Die Leute aus dem Rheintal sind mit Sack und Pack zu uns herauf gezogen», sagt Klara Eugster, «weil man auf der Gemeinde nicht wusste, wohin mit ihnen, hat man sie vorerst in den Wald geschickt.» Ihr Mann habe während der Kriegszeit an verschiedenen Orten in der Schweiz Dienst geleistet. Zwei Jahre nach der Flucht aus dem Rheintal sei er in die Rekrutenschule eingezogen worden. Deshalb könne er sich an weitere Vorkommnisse im Vorderland und im Rheintal nicht erinnern.

Befehl zur Sprengung nicht ausgeführt

Als Kind hat Klara Eugster mit ihrer Mutter nahe des Tobelbaches gewohnt. Sie erinnert sich an einen Befehl zur Sprengung der Tobelbrücke. «Den Befehl hat der zuständige Soldat verweigert und somit die Brücke gerettet», sagt Eugster. In den Erinnerungen an den 14. Mai 1940 ist im Buch über Leonhard Grässli zu lesen: «Um Mitternacht verlassen die aus dem Schlaf geschreckten Frauen und Kinder, beladen mit schweren Rucksäcken, verstört und überstürzt die drei Wohnungen des Zollgebäudes.» Ihr Verbleiben im Haus sei zu gefährlich gewesen: «Die Brücke könnte auch aus Irrtum oder Unvorsichtigkeit hochgehen und mit ihr unser Zollhaus, mindestens zum Teil», heisst es in Grässlis Erinnerungen. Hans Schwendener weiss aus den Erzählungen seines Vaters von mehr als einem Auszug aus dem Zollhaus.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.