Von Biene Maja zu Sexseiten

OBERRIET. 400 Kinder der vierten bis sechsten Klassen zwischen Kriessern und Rüthi wurden zu ihrem Medienkonsum befragt. Fachleute raten den Eltern eindringlich, ein Auge darauf zu haben.

Max Tinner
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Kinder schauen zu viel fern und sind zu oft im Internet. Längst nicht alles, was sie sehen, ist aber auch kindgerecht. (Bild: ky/Gaetan Bally)

Kinder schauen zu viel fern und sind zu oft im Internet. Längst nicht alles, was sie sehen, ist aber auch kindgerecht. (Bild: ky/Gaetan Bally)

Die Eltern wissen nicht, was ihre Kinder tun. Jedenfalls ein Grossteil von ihnen. Wüssten sie es, sähen die Zahlen, die am Donnerstagabend an einer Elternveranstaltung in der Mehrzweckhalle Burgwies präsentiert wurden, anders aus. 400 Schülerinnen und Schüler der Mittelstufenklassen an den Schulen Kriessern, Montlingen, Eichenwies, Kobelwald, Oberriet und Rüthi sind zu ihrem Medienkonsum befragt worden. Die am Donnerstag genannten und hier im Folgenden zitierten Zahlen beziehen sich zwar nur auf Oberriet und Eichenwies. Sie spiegeln aber das Ergebnis der gesamten Erhebung.

Sechsjährige sehen Pornoseiten

Praktisch alle der 171 Schülerinnen und Schüler der vierten bis sechsten Klassen von Oberriet und Eichenwies haben einen Fernseher zu Hause, haben ein Handy, mit dem sie längst nicht nur telefonieren, und sie haben Zugang zum Internet. Bedenklich findet Medienpsychologe Daniele Lenzo, der die Umfrage durchgeführt hat, dass zwei Drittel der Kinder sich nicht oder nur teilweise kontrolliert im Internet bewegen können. Er weist auf die Gefahren hin, die im Internet auf sie lauern: Rechtsextremismus, Satanismus, Verherrlichung von Magersucht, Anleitungen zum Bombenbauen und zum Selbstmord. «Schon Sechsjährige gelangen auf Pornoseiten, wenn sie in Suchmaschinen nach der Biene Maja oder SpongeBob suchen», warnt Lenzo. Da gelte es unbedingt Regeln aufzustellen und den Internetzugang der Kinder zu überwachen. Fast alle schauen sich nämlich auch Filmchen auf YouTube an, wo sich weit mehr als nur Kindgerechtes findet. Ein Teil schaut sich auch Fernsehsendungen über Internet an und spielt Onlinespiele. Vier haben angegeben, sich auch schon Sexseiten angeschaut zu haben.

Unsittlich angesprochen

Sorgen machen sollte sich auch, wessen Kind über einen Facebook-Account verfügt. Und das sind immerhin 135 von 171. «Diese Accounts wären eigentlich alle illegal», betont Daniele Lenzo. Denn das Mindestalter für die Registrierung liegt bei 13. Acht der 171 haben in der Umfrage angegeben, dass auf Facebook schon schlecht über sie geredet worden sei, 18 sind schon beleidigt worden, und 15 sind schon von Fremden unsittlich angeschrieben worden.

«Sperren Sie den Facebook-Account Ihrer Kinder, bis sie genug alt sind – auch wenn Sie sich damit das Wochenende versauen», empfiehlt Lenzo, «und reden Sie mit Ihrem Kind, wenn es traurig ist – es kann einen schwerwiegenden Grund haben.»

Unterschätztes Fernsehen

Massiv unterschätzt werde das Fernsehen. Auch untertags seien Dinge zu sehen, die für Kinder unter sechs Jahren nicht geeignet seien. Und tendenziell schauen die Kinder zu viel fern: der Durchschnittsfünftklässler laut Umfrage anderthalb Stunden pro Tag. Dies ist eine halbe Stunde länger, als Daniele Lenzo noch für akzeptabel erachtet.

Viel Positives

«Die neuen Medien sind nicht per se schlecht», betonte Lenzo auch, «sie können den Berufsalltag und das Familienleben bereichern.» Man müsse die Kinder aber behutsam auf die Nutzung vorbereiten. Die Umfrage ergab ausserdem ausgesprochen Positives: dass fast alle befragten Kinder Sport treiben, dass viele von ihnen auch ein Instrument spielen, und dass auch noch viel gelesen wird, wenn auch weniger als früher.

Nächsten Donnerstag werden in einer weiteren Elterninformation in Rüthi die Ergebnisse der Umfrage unter den dortigen Schülern bekannt gegeben, eine Woche darauf in Montlingen die Ergebnisse aus Montlingen und Kriessern. Für interessierte Eltern werden ausserdem Workshops angeboten, in denen sie mehr über neue Medien und deren Gefahren für ihre Kinder lernen.

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