Vom Kellerloch ins Rampenlicht

Von 777 Bands die Nummer eins: Pedro Lehmann hat mit dem Song «Hurricane» alle hinweggefegt. Der Preis «Demo of the Year» ist für das Altstätter Duo Yannick Gächter und Sven Wüst ein erster Schritt raus aus dem Kellerloch.

Claudio Donati
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Doppelte Preisträger: Pedro Lehmann, bestehend aus Schlagzeuger Sven Wüst (links) und Yannick Gächter (Gesang, Gitarre). Heute Abend (etwa um 18 Uhr) sind sie auf Radio Virus zu hören. (Bild: Claudio Donati)

Doppelte Preisträger: Pedro Lehmann, bestehend aus Schlagzeuger Sven Wüst (links) und Yannick Gächter (Gesang, Gitarre). Heute Abend (etwa um 18 Uhr) sind sie auf Radio Virus zu hören. (Bild: Claudio Donati)

ALTSTÄTTEN. Keine Chance. Null Erwartungen. Nichts zu verlieren. Alles gewonnen. Das Wochenende von Yannick Gächter und Sven Wüst hat ein überraschendes Ende genommen. Die 23-jährigen Musiker aus Altstätten reisten ans m4music Festival nach Zürich, um am Demotape-Clinic- Wettbewerb teilzunehmen. Sie planten, Samstagabend wieder nach Hause zu fahren, um tags darauf zu proben.

Doch daraus wurde nichts. Statt im 15 Quadratmeter kleinen Kellerloch standen sie völlig unerwartet auf der Bühne, mitten im Scheinwerferlicht, zwei Preise in den Händen.

Statt einer langen Heimfahrt gab es eine lange Nacht des Feierns, des Schulterklopfens, des Händeschüttelns, der Interviews und Gespräche mit Leuten aus der Musikbranche. Plötzlich interessierten sich alle für das bislang nur wenigen bekannte Duo aus der Randregion.

Leise Töne, lauter Gesang

Noch am Nachmittag vor der grossen Überraschung sagte Sänger und Gitarrist Yannick Gächter: «Ich wäre jetzt lieber zu Hause, im Proberaum.» Soeben hatte er in der Vorausscheidung von der vierköpfigen Jury erfahren, dass sein Song «Hurricane» in der Kategorie Rock unter den besten drei war. Nun mussten er und Schlagzeuger Sven Wüst bis zur Rangverkündigung am Abend warten.

Das Wandeln auf dem Parkett, Networking und Smalltalk liegen ihnen nicht. Also zogen sie sich zurück, assen Currywurst, tranken Tee, spielten ihre Lieder und legten sich kurz hin. – Gächter, der gelernte Schreiner, Wüst, der Polymechaniker: Sie sind zwei untypische Rock-Gestalten. Keine grossen Worte, leise Töne. Laut werden sie erst, wenn ein Mikrophon vor ihnen steht. Beginnt Gächter zu singen, verstummen die Zuhörer. Es ist seine Stimme, die wie ein Hurrikan alle hinweggefegt, alle umgehauen hat, begründete die Jury, als sie am Abend im Schiffbau endlich den Sieger verkündete.

Pedro Lehmann, die Kunstfigur der zwei Altstätter, hat nicht nur in der Kategorie Rock gewonnen, sondern auch den Hauptpreis «Demo of the Year». 777 Bands hatten an diesem Wettbewerb teilgenommen.

Eine Portion Selbstvertrauen

Gächter und Wüst erhalten mit ihrer eigenwilligen Musik nicht nur ein Preisgeld von 8000 Franken, sondern nach langer Ungewissheit in ihrem zurückgezogenen Winkel endlich Anerkennung und eine Portion Selbstvertrauen: Auszeichnungen für Aufzeichnungen aus dem Kellerloch.

Der Preis öffnet ihnen die Tür zur Öffentlichkeit. Hurricane wird jetzt auf mehreren Radiokanälen gespielt, die Medien werden auf sie aufmerksam und erste Angebote aus der Musikbranche sind in Sicht. Am meisten freut die Band aber, sieben Jahre nach der Gründung nicht mehr für jeden kleinen Auftritt kämpfen zu müssen. Denn um Konzerte zu spielen, dafür kommt Pedro Lehmann am liebsten aus seinem Versteck.

Album erscheint demnächst

Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein: Am Freitag erscheint Pedro Lehmanns neue CD «Lost control» mit sechs Songs, darunter Hurricane. Sie kann auf iTunes heruntergeladen oder auch unter management@pedrolehmann. com bestellt werden.

Doch Pedro Lehmann ruht sich selten aus. Das nächste Album gedeiht bereits. Im Keller.

www.pedrolehmann.com

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