Viele Leute haben gestickt und gebetet

Die Rheintaler Autorin Jolanda Spirig hat am Samstagabend ihr jüngstes Werk vorgestellt. Etwa 150 Gäste haben im Saal des Impulszentrums ri.nova in Rebstein die abwechslungsreiche Präsentation von «Sticken und Beten» erlebt.

Kurt Latzer
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Jolanda Spirig hat nur wenige Passagen aus ihrem neuen Buch lesen und Bilder zeigen müssen, um die Gäste mit der Geschichte der Familie Rohner-Geser zu fesseln. (Bilder: Kurt Latzer)

Jolanda Spirig hat nur wenige Passagen aus ihrem neuen Buch lesen und Bilder zeigen müssen, um die Gäste mit der Geschichte der Familie Rohner-Geser zu fesseln. (Bilder: Kurt Latzer)

REBSTEIN. «Das Buch ist weit mehr als eine wechselvolle Firmengeschichte», heisst es einleitend in der Beschreibung von «Sticken und Beten». Das jüngste Werk von Jolanda Spirig ist tatsächlich mehr. Das Buch hat die Besucherinnen und Besucher des Anlasses nicht nur fasziniert. Es hat auch berührt. Es war spürbar: Viele der Gäste haben oder hatten einen Bezug zum Stickereiunternehmen Jacob Rohner AG – direkt oder indirekt.

Armut war gross

Andreas Eggenberger, Gemeindepräsident von Rebstein, hat am Samstag die Leute im «ri.nova» willkommen geheissen. Er führte die Gäste in die Zeit zurück vor dem grossen Aufschwung der Textilindustrie. Nicht jedes Kind habe damals die Schule besucht, viele von ihnen hätten sich im Süddeutschen verdingen müssen. Das hat sich mit der Industrialisierung geändert.

Nicht erste starke Frau

«Sticken und Beten» macht die Turbulenzen der Stickereiindustrie sichtbar, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Schweizer Exportwirtschaft eine massgebliche Rolle gespielt hat. Jolanda Spirig schildert in ihrem sechsten Buch das katholische Milieu, die Überwachung der Arbeiterinnen in den Mädchenheimen, die Einflüsse der Jesuiten und der Ritter vom heiligen Grab zu Jerusalem. Das Schicksal der Jacob Rohner AG aber wird ein grosses Stück weit von einer starken Frau bestimmt, der ältesten Tochter des Firmengründers, Josy Rohner.

Die Geschichte von Frauen ist ihr Ding. So geht es bereits in Jolanda Spirigs erstem Buch, «Fani – ein Dienstmädchenleben», um starke Frauen. Da schliesst sich ein Kreis, denn auch Fanis Vater arbeitete bis zum Ersten Weltkrieg bei Jacob Rohner. In ihrem fünften Buch nimmt sie Schürzennäherinnen zum Thema und erzählt von der Fabrikantin Alice Kriemler-Schoch und ihren Kriessner «Mädchen».

Bei der Präsentation von «Sticken und Beten» hat Jolanda Spirig zum Amüsement der Besucherinnen und Besucher alte Familienfotos und kurze Filmsequenzen der Fabrikantenfamilie gezeigt. Wen das Buch und die Geschichte der Textil-Dynastie Jacob Rohner interessieren, kann am Dienstag, 3. November, um 19 Uhr im «ri.nova» die Lesung von Jolanda Spirig besuchen.

Auch Thomas Geser hat Jolanda Spirig die Unterlagen der Familie Rohner-Geser zu verdanken.

Auch Thomas Geser hat Jolanda Spirig die Unterlagen der Familie Rohner-Geser zu verdanken.