Viele kleine Ärgernisse

Ganz gleich, was Versammlungsteilnehmer auf der Rheininsel zur Sprache bringen – direkt oder indirekt hat es fast immer mit dem Verkehr zu tun.

Gert Bruderer
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Umstrittenes Rändli: Gut für Blinde, schlecht für Rollatorbenützer, Rollstuhl- und Velofahrer. (Bild: Gert Bruderer)

Umstrittenes Rändli: Gut für Blinde, schlecht für Rollatorbenützer, Rollstuhl- und Velofahrer. (Bild: Gert Bruderer)

An der Vorversammlung ging es um einen defekten Belag, um erhöhte Mittelinseln, um einen Radweg, auf dem es «eim fascht d’Chettle usehaut», um Scherben am Alten Rhein und um die geplante Gemüserüsthalle, zu der jemand meinte: «Der Widerstand ist mir unverständlich.»

Wenn jemand, der im Dorf Steuern zahle, eine Halle bauen wolle, laufe man Sturm dagegen, dabei sei ein grosser Teil des vielen Diepoldsauer Verkehrs hausgemacht.

Kampf gegen Glasscherben

Im Kampf gegen das Littering ist die Gemeinde schon seit Jahren rigoros. Eine der jüngsten Bussen betrug über 500 Franken. Als massiv bezeichnet die Gemeinde aber das Problem mit Glas und speziell mit Scherben am Alten Rhein. Die Einführung eines Glasverbots scheiterte daran, dass eine kantonale Gesetzesgrundlage fehlt. Gemeindepräsident Roland Wälter erklärte: «Würde jemand gebüsst, könnte er sich erfolgreich wehren.» Die Gemeinde stellt nun einen Glascontainer auf und macht, was eine Gemeinde in solchen Fällen notgedrungen immer tut: Sie appelliert an die Vernunft.

Dagegen ist die kritisierte Erhöhung der Mittelinseln auf der Staatsstrasse (an der Velofahrer, alte Menschen mit Rollator oder Rollstuhlfahrer keine Freude haben können) Ausdruck einer bestehenden Norm. Der Gemeindepräsident begründete die Erhöhung, die sich die Gemeinde auch deutlich schwächer gewünscht hätte, mit einer Bestimmung zugunsten blinder Menschen. Mit dem Stock würden sie die Mittelinsel dank der Erhöhung als solche erkennen. Die Gemeinde kläre aber, ob es nicht doch eine bessere Lösung gebe.

Velofahrer mit Weg unzufrieden

Beanstandet wurde zudem der obere, gekieste Weg auf der südlichen Seite am Alten Rhein. Wer da gekiest habe, meinte jemand, habe wohl keine Ahnung von Strassenbau. Sei man dort unterwegs, «haut’s eim fascht d’Chettle use». Der Gemeindepräsident sagte, es handle sich um einen Bewirtschaftungsweg des Rheinunternehmens, dessen Vorstellung von einem solchen Weg mit der Vorstellung von Velofahrern wohl nicht identisch sei. Wälter versprach, die Angelegenheit zu klären.

Belag schon nach drei Jahren defekt

Beanstandet wurde der Zustand des ockerfarbenen Belags in der 30er-Zone bei der Kreuzung Hohenrohn – Frohsinn. Schon nach drei Jahren sehe er schlimm aus. Das finde er auch, meinte Wälter, allerdings handle es sich um einen Garantiefall.

Im Zusammenhang mit dem gleichbleibenden Steuerfuss von 89 Prozent und der Notwendigkeit, Mass zu halten, sprach Carmen Bruss von «luxuriösen Radwegen», was Roland Wälter zum Kontern veranlasste. Radwege, sagte er, könnten nie luxuriös genug sein.

Überdies habe sich die Gemeinde auch hier an Normen zu halten, was für den Bezug von Subventionen Voraussetzung sei.

Die Einwohnerzahl nahm 2018 seit vielen Jahren erstmals ab, um 15 Personen. Doch für die nächsten Jahre erwartet das Dorf ein qualitatives Wachstum und die Erhöhung der Einwohnerzahl von heute gut 6400 auf 6800 im Jahr 2022. Die Schülerzahl dürfte nach Auskunft von Schulpräsident Patrick Spirig in den nächsten Jahren stabil bleiben. Mit den Kosten pro Schulkind von 14800 Franken bewegt sich Diepoldsau im kantonalen Vergleich im vorderen Drittel.

Patrick Spirig relativierte den Einfluss des umstrittenen, inzwischen eingeführten Lehrplans auf die Leistung der Kinder. Gewiss sei es richtig und wichtig, gesellschaftlichen Veränderungen in der Schule gerecht zu werden, jedoch gebe es seines Erachtens entscheidendere Faktoren als den als Nährboden verstandenen Lehrplan, die bei der Entwicklung der Kinder eine Rolle spielten.

Hinweis

Heute Mittwoch, 27. März beginnt um 19.30 Uhr die Bürgerversammlung in der evang. Kirche.