Viele Fragen, die beschäftigen müssten

Wie viel Solidarität braucht es in der Schweiz? Ist Nächstenliebe auf eine Personengruppe beschränkt? Welche Grundwerte gelten heute noch? Wie weit ist Armut in unserem Land verbreitet? Ist ein Generationenvertrag noch möglich? Ist Fremdenfeindlichkeit wieder gesellschaftsfähig? Wem gegenüber

Renato Tolfo Pfarrer In Rebstein
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Wie viel Solidarität braucht es in der Schweiz? Ist Nächstenliebe auf eine Personengruppe beschränkt? Welche Grundwerte gelten heute noch? Wie weit ist Armut in unserem Land verbreitet? Ist ein Generationenvertrag noch möglich? Ist Fremdenfeindlichkeit wieder gesellschaftsfähig? Wem gegenüber bin ich alles verantwortlich? Welchen Stellenwert haben die Menschenrechte?

Es gibt viele Fragen, die uns beschäftigen. Es gibt andere, die uns eigentlich beschäftigen müssten. Mir fällt auf, dass viele Themen durch Vorurteile besetzt sind und vorgefertigte Meinungen als Wahrheiten propagiert werden, die sich durch Fakten so nicht belegen lassen. Hauptsache die eigene Position setzt sich durch.

Papier nimmt bekanntlich vieles an. Das gilt auch für die modernen Medien. Sehr leicht lassen sich heute Informationen verbreiten, ohne dass sie auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Damit kann man leben. Aber damit, dass Unwahrheiten dadurch viele Anhänger finden, weniger. Das ist oft zum Nachteil von Minderheiten. Diese haben kaum eine Lobby und schon gar nicht die Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie sind damit beschäftigt, über die Runden zu kommen.

Im ersten Teil der Bibel finden wir einige Texte, die davon sprechen, dass die Führenden des Volkes daran gemessen werden, ob sie sich für die Benachteiligten, die an den Rand Gedrängten, die Rechtlosen einsetzen. Viel Sozialkritik wird von den Propheten geübt. Auch Christus hat sich besonders für diese Menschen eingesetzt. Er hat seinen Zeitgenossen nicht nur unbequeme Fragen gestellt, sondern auch klare Antworten gegeben, die heute noch gelten sollten, aber leider oft in den Hintergrund rücken. Es waren nicht nur leere Worte, sondern er hat es vorgelebt. Wie ich es in meiner Lebenswelt umsetze und ihm nachfolge, liegt an mir.

Oder macht mich der Wohlstand bequem? Habe ich Angst, dass mir jemand etwas von meinem Vermögen nehmen könnte? Jeder und jede wird solche Fragen für sich beantworten (müssen). Dabei zeigt sich, was für ein Gesicht wir der Menschlichkeit geben. Ich wünsche den Menschen, die vor Gewalt und Elend fliehen, den Ausgesteuerten, Menschen mit Behinderung, Ihnen und für mich selbst, dass es ein freundliches, entgegenkommendes, verständnisvolles Gesicht ist, das gezeigt wird. Hoffentlich werden mehr Hände gereicht als Fäuste geballt. Wir haben so viel zu geben, wenn wir uns nicht von der Angst leiten lassen, wir könnten zu kurz kommen.

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