Viel Geld für ein Musterzimmer im Alters- und Pflegezen­trum Widnau

Ein massstabgetreues Musterzimmer soll zukünftigen Altersheimbewohnern authentisches Raumgefühl vermitteln.

Susi Miara
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Das möblierte Musterappartement im Holzelementbau steht auf dem Parkplatz des Alterszentrums Augiessen.

Das möblierte Musterappartement im Holzelementbau steht auf dem Parkplatz des Alterszentrums Augiessen.

Bild: Susi Miara

Damit Hausgäste des neuen Alters- und Pflegezen­trums wissen, was sie im Neubau erwartet, stellt die Gemeinde Widnau bis zum Sommer auf dem Parkplatz des heutigen Alterszentrums Augiessen ein massstabgetreues, möbliertes Musterappartement mit Nasszelle und Loggia auf. Der möblierte Holzelementbau soll ein authentisches Raum- und Wohngefühl vermitteln. Einige Widnauer Bürger fragen sich jedoch, ob hier die hohen Kosten von 180000 Franken gerechtfertigt sind, vor allem weil in der heutigen digitalen Zeit alles kostengünstiger in 3D-Visualisierung dargestellt und sogar aus verschiedenen Positionen angesehen werden könnte.

Bei grossen Investitionen Musterzimmer üblich

Gemeindepräsidentin Christa Köppel äussert sich dazu: «Eine 3D-Visualisierung kann nie dasselbe Raumgefühl vermitteln wie ein fertig erstellter Raum, in dem man sich bewegen kann.» Deshalb sei es bei so grossen Investitionen, vor allem bei sich wiederholenden Räumen, wie in Spitälern, Heimen und Hotels, praktisch Standard, Musterzimmer oder Teile davon «Eins zu Eins» zu errichten. Wenn in den Zimmern etwas nicht optimal gestaltet sei, wiederhole sich das einhundert Mal in einhundert Zimmern. «Ineffiziente Abläufe machen dann schnell mehr als die Kosten eines Musterzimmers aus, vor allem wenn man sie auf die Betriebsjahre hochrechnet», erklärt Köppel. Das Musterzimmer werde etwa zeigen, ob sich die Steckdosen und Beleuchtungskörper am richtigen Ort befänden oder ob es beim Innenausbau weitere Optimierungen brauche.

Zudem können nochmals technische Details, wie zum Beispiel Fenster in ihren Überstromöffnungen oder schwel- lenlose Übergänge überprüft werden. Auch werden die Materialien getestet: Wie sind sie zu reinigen, wie ist die Verschmutzungsresistenz? Die Effizienz aller Arbeitsabläufe von Pflege und Hauswirtschaft wird im Bewohnerzimmer «in echt» nochmals überprüft. Das Musterzimmer dient aber auch zu Marketingzwecken, sagt Christa Köppel: «Das neue Alters- und Pflegezentrum Widnau steht im Wettbewerb mit anderen Angeboten und soll möglichst rasch voll ausgelastet sein.» Zu den Kosten sagt sie: «Bestimmte Einbauten werden später im neuen Alterszentrum wieder verwendet.»

Freigabe spätestens Mitte Juli

Was mit dem Musterzimmer danach geschehe, sei aktuell noch offen. Es hätten sich jedoch bereits Interessenten gemeldet. Die Fertigstellung ist bis spätestens Mitte Juli vorgesehen, wobei der konkrete Termin noch nicht feststeht, da die Wahl der Materialien nicht abgeschlossen ist.

Sobald dies geschehen ist, werde das Appartement mit den definitiven Wand- und Bodenbelägen sowie den anderen Materialien ausgestattet. «Die offizielle Freigabe zur Besichtigung wird zum gegebenen Zeitpunkt publiziert», sagt Christa Köppel.