Kein gutes Jahr für die Störche: Viel Ausfall im oberen Rheintal

2019 war für die Brut der Störche kein besonders gutes Jahr – das garstige Wetter hat auch in der Region Altstätten zu viel Ausfall geführt. «Storchenvater» Reto Zingg führte durch die Storchenkolonie Saxerriet.

Heidy Beyeler
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Faszinierend anzuschauen: Ein etwa sieben Wochen alter Jungvogel wird hier beringt. (Bild: Heidy Beyeler)

Faszinierend anzuschauen: Ein etwa sieben Wochen alter Jungvogel wird hier beringt. (Bild: Heidy Beyeler)

Auf Anregung der Strafanstalt bot Reto Zingg, Geschäftsführer Verein Rheintaler Storch, einen Einblick in das Leben der Storchenkolonie Saxerriet. Die Kolonie hat sich gut entwickelt, besonders 2018, als 80 Jungvögel verzeichnet werden konnten. Heuer war das Frühjahr für die Brut der Störche eher mittelmässig. Dennoch überlebten 38 junge Störche. Am Samstag wurden sie beringt.

Zingg erzählte über die Anfänge der Wiederansiedlung des Storches im Rheintal, die zunächst ziemlich harzig verlief. Die Mitglieder des Vereins haben während der letzten 25 Jahre viel Herzblut, Engagement und Zeit investiert. Unzählige Plattformen auf Holzmasten haben sie montiert, damit die Störche ihr Nest bauen konnten. Inzwischen kehren die Saxerriet-Störche wieder zurück zu ihrem natürlichen Verhalten. Sie bauen zusehends Nester in Bäumen – auch wenn diese ab und zu durch Windböen zerstört werden. «In kürzester Frist bauen die Störche ihre Horste wieder auf», sagte Zingg. Heute gehören Störche zum Landschaftsbild im Gebiet Saxerriet. Das sei eine Erfolgsgeschichte. Das Rheintal, besonders die Region um das Saxerriet, bietet den Störchen ein optimales Habitat. «Der am südlichsten vom Saxerriet gelegene Horst befindet sich im Grabserriet», sagte Zingg.

Dass die Störche sich hier gut entwickeln, ist auf die klimatisch milden Verhältnisse zurückzuführen. Doch das ist nicht immer so: In diesem Frühjahr habe es beispielsweise bei den Brutvögeln im Gebiet Altstätten wegen der Kälte und Nässe zwei Drittel Ausfall gegeben. Solange die Jungvögel bei solch garstigen Wetterbedingungen noch keine Federn haben, gebe es für sie kaum Überlebenschancen.

Die klassische Nahrung der Störche sei nicht etwa der Frosch, sagte Zingg, zumal der Frosch nur aus Haut und Knochen bestehe und wenig Kalorien liefere. «Dass Störche vor allem Frösche vertilgen, ist eine alte Mär», so der Spezialist. Störche mögen Muskelfleisch von Mäusen und Maulwürfen, das sei nahrhafter. Störche seien also dafür mitverantwortlich, dass es weniger Mäuse auf den Feldern gebe. Zingg: «Ein junger Förster aus Kriessern hat das bestätigt.»

Spezielles Erlebnis nicht nur für die Kinder

Besonders fasziniert waren die Kinder und Erwachsenen, als sie die Beringung eines Jungvogels von nah betrachteten. Der junge Storch war kaum grösser als eine Katze, aber bereits befiedert. Dieser (noch) kleine Vogel wird in zwei Monaten das Land gen Süden verlassen und mit seinen gleichaltrigen Kumpanen – nicht etwa mit seinen Eltern – eine lange Reise antreten.

Die Führung durch das «Storchenparadies» war mit interessanten Geschichten über die Storchenkolonie Saxerriet gespickt. Immer wieder hatte Reto Zingg gewonnenes Wissen parat über das Leben der Störche. «Ja, das Projekt Rheintaler Storch ist ein Erfolg», sagte er, der den Spitznamen «Storchenvater» trägt. Wer jetzt mit dem Velo oder zu Fuss von Salez bis Gams durch die Kulturlandschaft streift, wird sicher Störchen begegnen.